Ausstellung in Hennef

Gesamtschüler beleuchten Medizinverbrechen der NS-Zeit

Setzen sich mit Schicksalen von Menschen auseinander, die Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen wurden: Joana Drecker und Tim Hoogkamer in der Ausstellung im Hennefer Rathaus.

Setzen sich mit Schicksalen von Menschen auseinander, die Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen wurden: Joana Drecker und Tim Hoogkamer in der Ausstellung im Hennefer Rathaus.

HENNEF. Hennefer Gesamtschüler haben sich mit den Schicksalen von Menschen im Rhein-Sieg-Kreis auseinandergesetzt, die Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen wurden. Ihre Ergebnisse sind nun im Rathaus ausgestellt.

Für den Hennefer Bürgermeister Klaus Pipke ist mit dem Blick auf den Nationalsozialismus eines ganz klar: „Das Vergessen ist keine Option. Die Erinnerung an diesen Teil der Geschichte ist auch für künftige Generationen wichtig“, sagte er am Freitag, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, bei der Eröffnung einer Ausstellung im Rathaus-Foyer. Zwei ehemalige zehnte Klassen der Gesamtschule Meiersheide haben im Zuge der Bildungspartnerschaft mit dem Archiv des Rhein-Sieg-Kreises mittels monatelanger Recherche diese eindrucksvolle Schau erarbeitet, die bis zum 21. Februar im Rathaus zu sehen sein wird.

Auf 14 so genannten Roll-Ups zeichnen die Jugendlichen die Biografien und Einzelschicksale von Menschen aus Hennef und Eitorf nach, die nach dem am 1. Januar 1934 in Kraft getretenen „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ Opfer der damaligen nationalsozialistischen Medizinverbrechen wurden. „Das alles haben die Schüler auf eigene Initiative erarbeitet“, sagte Gesamtschulleiter Wolfgang Pelz.

Vorbereitung auf Projekttag

Sich diesem konkreten regionalen Thema zu widmen, war allerdings nur aufgrund der seit 2013 bestehenden und vom Land geförderten Bildungspartnerschaft zwischen der Gesamtschule und dem Archiv des Rhein-Sieg-Kreises möglich. „Es ist wichtig, sich einem solch sensiblen Thema zu widmen“, sagte Kreisschuldezernent Thomas Wagner.

Unterstützt von der Kreisarchivarin Claudia Maria Arndt nahmen zwei Schulklassen die NS-Medizingeschichte im damaligen Siegkreis in den Fokus. Bereits vor einem Jahr werteten die Schüler gemeinsam mit den Lehrerinnen Claudia Langner und Mira Reisen Akten des Gesundheitsamtes des alten Siegkreises aus, in denen es um das Thema Zwangssterilisation ging, und bereiteten die Schicksale einiger Betroffener für einen Projekttag auf.

Damals entstand bei den Jugendlichen bereits der Wunsch, die Schicksale dieser Menschen dem Vergessen zu entreißen und mittels dieser Ausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. „Wir waren insgesamt sechs Mal im Kreis-Archiv“, erinnert sich die 16-jährige Schülerin Joana Drecker.

Themenheft zur Ausstellung geplant

Dabei stieß sie auch auf die Akte eines Mannes aus ihrem Heimatort Eitorf, der aufgrund seiner scheinbaren Blindheit zwangssterilisiert werden sollte. Der Hausarzt des Betroffenen habe laut Drecker diesen Antrag vor dem damaligen Erbgesundheitsgericht allerdings abgelehnt. „Die Schicksale dieser Menschen haben uns alle bewegt“, sagte Schüler Tim Hoogkamer (16). Darüber hinaus soll demnächst ein Themenheft zur Ausstellung erarbeitet werden.