Lautstärke steigt weiter

Fluglärm in Hennef nimmt weiter zu

Zugenommen hat der Fluglärm über Hennef. Die Lärmschutzgemeinschaft spricht von einem „Skandal“. FOTO: EISNER

Zugenommen hat der Fluglärm über Hennef. Die Lärmschutzgemeinschaft spricht von einem „Skandal“. FOTO: EISNER

Hennef. Helmut Schumacher von der Lärmschutzgemeinschaft präsentiert in Hennef seinen Jahresbericht. Der überwiegende Teil des Lärms erzeugen nach wie vor die lauten Frachtmaschinen. Fluglärmgegner sprechen von einem „Skandal“.

Ein Mal pro Jahr präsentiert Helmut Schumacher, Vorsitzender der Hennefer Ortsgruppe der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn, dem Ausschuss für Klima- und Umweltschutz die Auswertung der insgesamt sechs Messstellen auf Hennefer Gebiet. Gute Nachrichten hat er eigentlich nie im Gepäck. So auch am Mittwochabend nicht, als Schumacher während der Sitzung des Umweltausschusses zum Thema Fluglärm referierte. Fazit: Der nächtliche Fluglärm nahm auch 2016 nicht ab, sondern weiter zu. Besonders bei den nächtlichen Abflügen kam es zu deutlichen Zunahmen.

Mehr als 5000 Fälle von Fluglärm

Das, was die Mikrofone aufgenommen haben, dürfte die Hennefer nicht freuen. Der nächtliche Fluglärm nahm laut Schumacher auch im Jahr 2016 zu. „An der Messstelle Lichtenberg wurden mit 8490 Nachtflügen zwar 221 weniger als im Vorjahr registriert. Weil es dort aber vermehrt laute und extrem laute Nachtflüge gab, stieg der nächtliche Dauerschallpegel um 4,7 Prozent auf 49,9 dB/A“, sagte Schumacher. Dass mit 8875 Nachtfluggeräuschen zwölf Prozent weniger als im Vorjahr von der Messstelle Rathaus registriert worden sind, lag laut Schumacher an der Tatsache, dass die Messstelle, die ehemals an der Kurhausstraße installiert war, vor dem Umzug an den neuen Standort überholt wurde und somit zwei Monate außer Betrieb war.

Auch die Messstelle in Geistingen war aufgrund technischer Probleme im Juni und Juli 2016 außer Betrieb und konnte deshalb keine kompletten Vergleichswerte zum Jahr 2015 liefern. Eine deutliche Sprache sprechen allerdings die Ergebnisse der Flughafen-Messstellen in Heisterschoss und an der Realschule. 5317 nächtliche Fluglärmereignisse wurden in Heisterschoss von den Mikrofonen aufgenommen und somit 769 mehr als im Jahr 2015. Der Dauerschallpegel stieg dort von 47,5 dB/A im Jahr 2015 auf 48,1 dB/A im Jahr 2016. Mit 9912 an der Realschule gemessenen nächtlichen Fluglärmereignissen ist die Gesamtzahl im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht rückläufig. Dafür stieg die Zahl der sehr lauten Nachtflug-Lärmereignisse von 3759 (2015) auf 4012 (2016).

Fluglärm macht krank

Der überwiegende Teil dieses Lärms erzeugten laut Schumacher nach wie vor die lauten Frachtmaschinen, aber auch die kontinuierliche Zunahme der nächtlichen Passagierflüge trage einen erheblichen Teil zum Nachtfluglärm bei.

Dass Fluglärm krank mache, ist laut Schumacher nach den Ergebnissen der Greiser-Studie eine Tatsache. Dennoch gebe es bei den Verantwortlichen keinen Willen zum Umdenken. Zwar hatten Mitglieder der Lärmschutzgemeinschaft nach einem achtjährigen Rechtsstreit erreicht, dass der Flughafen nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts das Vorfeld A erst einmal stilllegen musste, da für die Fläche keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorlag. „Der Flughafen will jetzt aber ein Planfeststellungsverfahren beantragen, um die Vorfeldfläche nachträglich legalisieren zu lassen. Eine Gesamtbetrachtung des Flughafens soll aber auch jetzt unterbleiben“, sagt Schumacher und wirft dem Landesverkehrsministerium vor, den Flughafen tatkräftig bei der Gewinnmaximierung zu unterstützen.

„Das alles ist ein Skandal. Es erreichen uns überdies warnende Stimmen, die darauf hinweisen, dass der Flughafen über seine diversen Lobby-Kanäle in der Landespolitik bereits jetzt daran arbeite, die Nachtfluglizenz bis 2050 verlängert zu bekommen, ohne dass sich am derzeit völlig unzureichenden Fluglärmschutz irgendetwas ändern soll“, sagt Schumacher.