Erste deutsche Schmalspurbahn

Erinnerung an die Geschichte der Hennefer Bröltalbahn

Sankt Augustin. 180 Gäste sind zu einem Vortragsabend in die Sankt Augustiner Stadtbücherei gekommen. Am 17. Mai 1967 endete eine Ära der Eisenbahngeschichte in der Region. An jenem Tag fuhr der letzte planmäßige Zug über die Trasse der Bröltalbahn.

Am 17. Mai 1967 endete nicht weniger als eine Ära der Eisenbahngeschichte der Region. An jenem Tag fuhr der letzte planmäßige Zug über die Trasse der damals schon zur Rhein-Sieg-Eisenbahn umbenannten Bröltalbahn. Es war ein Güterzug auf der Strecke Eudenbach nach Beuel, die über Hennef, Buisdorf, Niederpleis und Hangelar an den Rhein führte. Bereits am 1. August 1951 war auf gleicher Strecke der letzte Personenzug unterwegs gewesen. Lokomotiven mit Dampf- und Dieselantrieben sowie Wagen wurden verkauft oder verschrottet, Schienen zurückgebaut, Trassen durch neue Straßen überbaut. Doch bis heute sind sie da, die zahlreichen Spuren und persönlichen Erinnerungen an die einst erste Schmalspurbahn im öffentlichen Verkehr in Deutschland.

Erinnerungen, die sichtbar neugierig machten: Am Montagabend hatten die beiden Hobby-Eisenbahnhistoriker Carsten Gussmann und Ulrich Clees auf Initiative des Stadtarchivs Sankt Augustin zu einem Vortragsabend in die Stadtbücherei eingeladen. Der Andrang war mit über 180 Gästen rekordverdächtig. Stadtarchivar Michael Korn, Büchereileiter Peter Schulte-Nölke und ihre Mitarbeiter schafften im Akkord Stapel an Stühlen aus dem benachbarten Rathaus heran und etliche Bücherregale zur Seite. Nicht nur gestandene Eisenbahnfreunde, sondern viele junge und alte Sankt Augustiner wollten Gussmanns und Clees‘ spannenden Berichten folgen.

Emil Langen, Generaldirektor der Friedrich-Wilhelms-Hütte in Troisdorf, hatte früh das Potenzial der Erz- und Kalkvorkommen im Bröltal erkannt und verhandelte Anfang der 1960er Jahre erfolgreich den Bau einer Pferdebahntrasse neben der neuen Bröltalstraße. Bereits 1863 wurden Pferde durch schnellere, günstigere Dampfzüge abgelöst. Die Bahn brachte Aufschwung, rasch folgte der Ausbau von Hennef über Ruppichteroth nach Waldbröl, 1891 über Buisdorf, Niederpleis und Hangelar nach Beuel.

Bis heute ist der einstige Trassenverlauf im Stadtgebiet vorbei an Kies- und Sandgruben sowie den Ziegeleien und Tonwaren-Fabriken an Grundstückszuschnitten und Straßenverläufen gut erkennbar. 1892 reichte die Strecke von Hennef bereits nach Asbach im Westerwald, 1893 über Niederpleis auch bis nach Oberpleis. 1899 kam der Lückenschluss durch Mülldorf nach Siegburg. Transportiert wurden Mineralien, Erze, Kohle und reichlich Basalt aus dem Westerwald und dem Siebengebirge, berichtete Clees: „Die sechseckigen, gut stapelbaren und festen Basaltsäulen haben in Holland geholfen, mit Deichen das Meer zu bezwingen.“ Befördert wurden bald auch Personen. Bahnhöfe entstanden in Buisdorf, Birlinghoven und Niederpleis. Letzterer ist heute ein Kindergarten. Ein Haltepunkt in Mülldorf war die Gaststätte Zur Hongsburg. In Hangelar, wo es Fahrscheine in der Gaststätte Zur Glocke gab, wurde später ein großer Übergabebahnhof für das bis heute liegende Normalspurgleis nach Beuel gebaut.

Anfang der 1950er Jahre machten schnellere und flexiblere Omnibusse den Zügen Konkurrenz. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn baute ein eigenes Busnetz auf, das später den ersten Fuhrpark der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft bildete. Das Aus für den Güterverkehr kam nicht, weil die Bahn unwirtschaftlich wurde, können Gussmann und Clees nach jahrelanger Recherche heute mit Gewissheit sagen: In der zuständigen Bonner Behörde wollte man die Führung einer Bahntrasse derart dicht neben Straßen nicht weiter genehmigen. Auch stand der Bau neuer Straßen, Autobahnen und Brücken an, was durch die Eisenbahntrasse verteuert worden wäre. Die komplette Geschichte der Rhein-Sieg-Eisenbahn hat Gussmann gemeinsam mit Wolfgang Clößner, der vor drei Jahren überraschend verstorben war, über drei Jahrzehnte in einem Buch zusammengetragen, das 2017 unter dem Namen „Die Rhein-Sieg- Eisenbahn: Pionier der Deutschen Schmalspurgeschichte“ auf den Markt kam. Geschichte zum Anfassen zeigt heute auch das eigene Museum der Rhein-Sieg-Eisenbahn in Asbach.