Aktionstage Ökolandbau Einblicke in die Tierwelt im Biohof Wiesengut in Hennef

Hennef. Seit mehr als 30 Jahren betreibt der Biohof Wiesengut in Hennef Forschung für den Ökolandbau. Nun konnten Besucher den Hof erkunden – und das tierische Leben dort entdecken.

Unweit des Hennefer Stadtzentrums befindet sich an der Siegaue seit mittlerweile mehr als 30 Jahren der Biohof Wiesengut, der als Lehr- und Forschungsbetrieb vom Lehrstuhl Agrarökologie und organischer Landbau der Universität Bonn geführt wird. Im Zuge der „Aktionstage Ökolandbau NRW“ konnten Besucher den Hof am Freitagnachmittag erkunden. Unter der Fragestellung „Was blüht uns nach der Ernte? Spätsommerliche Erkundung des Modellbetriebs Wiesengut aus der Sicht wild lebender Tiere“ gab es vor allem Einblicke in die Lebensräume der auf dem Hof lebenden Tiere.

Was sind die Vorteile eines ökologisch bewirtschafteten Hofes? Ist ein Mehr an Kulturen wirklich gut? Und welche Tierarten profitieren von mehr Pflanzen? Diese und ähnliche Fragen treiben Betriebsleiter Martin Berg, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten um. Das Ziel: die Naturschutzleistung von ökologischer Landwirtschaft im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft zu beurteilen.

Etwa 60 Insektenarten auf dem Gelände entdeckt

Frank Täufer, der als biologisch-technischer Assistent seit Jahren die Flora und Fauna auf dem Hof unter die Lupe nimmt, stellt regelmäßig Fallen auf dem mehr als 80 Hektar großen Gelände auf. So werden die auf dem Boden lebenden Insekten eingefangen und bestimmt. „Wir haben bislang etwa 60 Arten detektiert und wir sind sicher, dass wir noch mehr finden werden“, sagt Täufer. „In einem konventionell bewirtschafteten Vergleichsbetrieb werden es nur um die 30 sein.“ Hauptgrund dafür sei der Einsatz von Pestiziden, die in Biobetrieben wie dem Wiesengut verboten sind. Bei der mechanischen Unkrautbeseitigung bleibe im Vergleich zur chemischen deutlich mehr potenzieller Lebensraum erhalten.

Während der Erkundung des Hofes stoppt Betriebsleiter Berg bei einer kleinen Maiskultur. Diese sei wenig attraktiv für Insekten, allein schon aufgrund ihrer Höhe. Der Maisanbau sei in den vergangenen Jahren für Biogasanlagen und Futterproduktion stark intensiviert worden. Damit sei auch der Verbrauch von Düngemitteln und Insektiziden gestiegen – ökologisch gesehen keine gute Entwicklung. Auf dem Wiesenhof werden stets nur kleine Flächen mit Mais bepflanzt, stattdessen lässt sich viel Kleegras finden, das das ganze Jahr über grün ist. „Diversität muss räumlich und zeitlich vorhanden sein“, erklärt Berg. Das bedeutet, dass möglichst viele verschiedene Pflanzenkulturen angebaut werden, sodass auch nach den Haupterntezeiten noch Lebensraum für Tiere vorhanden ist. „Eine vielfältige Landschaft hat einen großen Einfluss auf die Artenvielfalt.“ Ausreichend Nahrung, ein geeignetes Klima und ein Lebensraum für Larven und Junge sind die wichtigsten Aspekte, damit Tiere vorkommen.

Dabei sei etwa auch der Wildwuchs am Wegesrand wichtig. „Man hat sich so an den perfekten englischen Garten gewöhnt, aber da muss es wieder ein Umdenken geben“, erklärt Berg. Büsche mit Brennnesseln oder Brombeeren seien ebenso ein wichtiger Lebensraum für wilde Tiere wie alte Holzzaunpfähle. Anstatt in die Kanalisation fließen die Dachabwässer auf dem Hof in einen Teich, von dem Tiere wie die Erdkröte vor allem in heißen Perioden profitieren können. Das Gelände des Hofes, das sich bis zum Siegdamm erstreckt, ist Naturschutzgebiet. Nicht nur diverse Tierarten fühlen sich hier wohl, auch viele Hennefer suchen das Naherholungsgebiet.

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