Hennefer Grundschulklasse

Ein iPad für jedes Kind

Lernen mit dem iPad: Niklas und Emil aus der Elefantenklasse gehen schon gut mit ihrem Tablet um.

Lernen mit dem iPad: Niklas und Emil aus der Elefantenklasse gehen schon gut mit ihrem Tablet um.

Hennef. Die Hennefer Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße hat eine Tablet-Klasse eingerichtet. Schüler sollen über ein persönliches Gerät den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen.

Mirey lässt ihren Zeigefinger über ihr iPad gleiten und schreibt ein großes M. Ein grüner Haken zeigt der Siebenjährigen, sie hat den Buchstaben richtig geschrieben. Sie darf weitermachen, jetzt in ihrem Heft. Carlos arbeitet mit Kopfhörer an seinem Tablet, das eine gelbe Hülle und seinen Namen trägt. Lisa zählt Äpfel. Drei rote liegen im Korb, wie viele fehlen noch? Lisa tippt die „7“ an, sieben grüne Äpfel landen im Korb und machen die zehn voll. Mirey, Carlos und Lisa besuchen die 1c, die Elefantenklasse der Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße – und gehören damit zu den 23 Schülern, die seit dieser Woche im Unterricht mit ihrem persönlichen iPad arbeiten können. Bis zum Ende des vierten Schuljahres.

„Wir haben damit bundesweit die erste Tablet-Klasse an einer Grundschule“, sagte Schulleiterin Anke Hennig am Donnerstag bei der Vorstellung des Projektes. Sie habe zumindest keine andere Grundschulklasse gefunden, in der die Schüler vier Jahre lang mit ihrem persönlichen iPad arbeiten können. Klassenlehrerin Ulrike Gemein, die Medienkoordinatorin der Schule sowie Medienberaterin im Kompetenzteam NRW ist, war vor anderthalb Jahren mit der Idee an sie herangetreten.

„Wir haben 31 iPads an unserer Schule, die in allen 16 Klassen eingesetzt werden, da stößt man einfach an Grenzen“, sagte Ulrike Gemein. Über ein persönliches Tablet sei ein differenzierter Unterricht möglich. Sie könne für jeden Schüler individuell Apps auf das iPad laden und so Lernstoffe zusammenstellen.

Auch weiterhin klassische Schulbücher

Die Idee fand Anklang im Kollegium, das erstellte Konzept überzeugte die Stadt als Schulträger und die Schulaufsicht des Rhein-Sieg-Kreises. Und auch die Suche nach einem Sponsor war erfolgreich. Der Cornelsen-Verlag hat die Anschaffung der iPads mit 9000 Euro finanziert. Und zugesagt, die kommenden vier Jahre eng mit der Schule zusammenzuarbeiten und sie bei der Evaluierung zu unterstützen.

„Wir sehen das als große Chance, mit den Schülern mitzulernen“, sagte Susanne Rupp, Leiterin der E-Didaktik bei Cornelsen. „So können wir Erkenntnisse über den sinnvollen Einsatz digitaler Medien gewinnen und sie in die Entwicklung neuer Produkte und Konzepte einfließen lassen.“ Wichtig sei eine sinnvolle Kombination von analogen und digitalen Medien.

So soll es an der Gartenstraße auch sein. „Wir setzen die Tablets im Unterricht da ein, wo sie einen didaktischen oder pädagogischen Mehrwert bringen“, sagt Ulrike Gemein. Ihre Schüler nutzen weiterhin die klassischen Schulbücher, Hefte und Bleistifte. „Sie wechseln teilweise selbstständig zwischen den Medien“, weiß Gemein aus den ersten Tagen zu berichten. Probleme, das iPad zur Seite zu legen, gebe es nicht. Wenn es in Mathe etwa um die Erweiterung des Zahlenraums gehe, zögen die Schüler nicht selten Wendeplättchen vor.

Stadt investiert 400.000 Euro

„Es ist ein Modellversuch“, sagt Schulleiterin Anke Hennig. Und an dessen Ende, also in vier Jahren, werde genau ausgewertet, ob der Mehrwert wirklich so groß sei, dass sich eine Investition lohne. Es werde verglichen, ob die Medienkompetenz der Schüler aus der Elefantenklasse im Vergleich zu den anderen drei Klassen des Jahrgangs größer sei. Die Nachhaltigkeit des Projektes lobte Bürgermeister Klaus Pipke. „Wir wissen nach vier Jahren genau, was die Schüler gelernt haben“, sagte er.

Es sei wichtig, Kindern schon in der Grundschule einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien mit auf den Weg zu geben. „Es ist uns wichtig, die digitale Kompetenz von Schülern wie Lehrern zu unterstützen“, sagte Pipke. 400.000 Euro investiert die Stadt jährlich in die Medientechnik ihrer Schulen. Für 2400 Euro schaffte sie nun zwei Schränke für die Elefantenklasse an, in denen die iPads nach Schulschluss eingeschlossen und über Nacht aufgeladen werden. Unterstützung gibt es auch beim technischen Management.

„In der Elternschaft ist die Tablet-Klasse im Vorfeld kontrovers diskutiert worden“, sagte die Schulpflegschaftsvorsitzende Silvia zur Nieden. Daher habe es bei der Anmeldung der jetzigen Erstklässer eine Interessenabfrage für den Besuch der Klasse gegeben. „Das Interesse war deutlich größer als erwartet“, sagte zur Nieden. Unter den 23 Schülern, die nun ihr eigenes Schul-iPad haben, ist der Sohn von Nicole Gräber. Sie ist überzeugt von dem Projekt: „Das Tablet ermöglicht ein individuelles Lernen und gibt sofort eine Rückmeldung, ob etwas richtig oder falsch ist“. Und ihrem Sohn Niklas habe es das Buchstabenlernen schmackhaft gemacht.