Von Siegburg nach Hennef

Der mysteriöse Wanderweg des "verschwundenen" Cantulia-Männleins

Hier ist das Ziehharmonika-Männchen gelandet: Dorothee Akstinat kennt das Maskottchen der Siegburger Akkordeonfabrik Cantulia im Hennefer Kurpark seit Jahren.

SIEGBURG/HENNEF. Vor kurzem berichteten wir über die Siegburger Akkordeon-Fabrik Cantulia, die über den Zeitraum von 20 Jahren bis zu ihrer Schließung im Dezember 1957 den Weltmarkt mit Akkordeons belieferte. Das Werk stand auf dem heutigen Siegwerk-Gelände.

Im Eingangsbereich befand sich das Maskottchen - ein etwa anderthalb Meter großes Ziehharmonika-Männchen aus Stein. Das bezeichneten wir als "scheinbar spurlos verschwunden" und Dorothee Akstinat opponierte.

Die Ergotherapeutin lebt seit 25 Jahren an der Kurhausstraße in Hennef und hat das Cantulia-Männlein im gegenüberliegenden Kurpark seither als festen Bestandteil des Parks kennen- und liebengelernt. Doch wie das Männlein nun von Siegburg nach Hennef kam und ob der kleine Ziehharmonika-Spieler auch tatsächlich das Siegburger Cantulia-Maskottchen sei, wusste Akstinat nicht genau.

Ein Anruf im Hennefer Stadtarchiv half der Recherche auf die Sprünge. Die Hennefer Stadtarchivarin Gisela Rupprath verwies als Mitherausgeberin der Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef auf Band 3 ihrer heimatgeschichtlichen Veröffentlichungsreihe. Dort findet sich die Erklärung des mysteriösen Wanderwegs.

In einem 2009 erschienenen Aufsatz zur Geschichte des Hennefer Kurparks hat dort Johannes Oppermann, Leiter des Umweltamtes der Stadt, unter anderem das Inventar des Parks beschrieben und die "nahe dem ehemaligen Planschbecken stehende Steinfigur eines Ziehharmonikaspielers" als eine Schenkung von Dr. Walter Neuerburg identifiziert. In seinem Besitz befand sich die Akkordeonmanufaktur Cantulia KG in Siegburg. Neuerburg zog Ende der 50er Jahre nach Hennef in die Deichstraße und nahm die Figur offensichtlich als Erinnerungsstück an sein Siegburger Werk in seinen neuen Wohnort Hennef mit.

Dort steht das Männlein seither im Kurpark. Bemoost und stark restaurierungsbedürftig ist die Figur. Die Verwitterungsspuren am Stein und das grüne Moos, das sich über Jahrzehnte bis in die Falten des Ziehharmonika-Gebläses hineingesetzt hat, scheinen das Aus der "klingenden Fabrik am Michaelsberg" einmal mehr zu versinnbildlichen.

Die neue Hennefer Heimat des C-Männchens steht derweil selbst im Zeichen der Umgestaltung. Der Stadtsportverband hat in seiner letzten Sitzung über eine Neugestaltung des Kurparks gesprochen. Damit wird am ältesten Kneipp-Standort in NRW, 1912 gegründet, eine Umgestaltungs- und Verschönerungsmaßnahme durch das Einbringen einer Spielelandschaft für Erwachsene und Senioren auf dem westlichen Parkareal geplant. Die ursprüngliche Bedeutung des Kurparks als Erholungsort für alle Generationen will man mit einer "Bewegungs- und Begegnungslandschaft der Generationen" unterstreichen.

Auch der Kulturausschuss denkt derweil über eine künstlerische Gestaltung im östlichen Teil des Kurparks nach. Dort sollen Skulpturen einen Platz finden.