Das Lottchen – Original und Puppe

Seit 1990 sitzt das Lottchen auf den Stufen des Stadtmuseums. Mit der Plastik, geschaffen vom Kölner Künstler Thomas Aust, wahrt die Stadt Siegburg seit vielen Jahren die Erinnerung an Charlotte Bertram. Ein Blick auf das reale Leben zeigt, dass es das am 19. November 1912 am Driesch geborene Siegburger Original nicht leicht hatte: Es war kleinwüchsig und ein Hermaphrodit, sein Geschlecht also nicht eindeutig festgelegt. Die Eltern sahen ihr Lottchen als Tochter an und tauften es auf den Namen Charlotte. Die Siegburgerin, die drei ältere Brüder hatte, war oft Zielscheibe von Hänseleien und Nachstellungen – gegen die sie sich aber durchaus zu wehren wusste. Zusammen mit einem Esel und Wagen sammelte Lottchen die Post von Firmen ein oder lieferte das Essen für die Schulspeisungen aus. Historische Fotos dokumentieren, dass Charlotte auch im Siegburger Vereinsleben aktiv war. So marschierte sie in Uniform dem Siegburger Karnevalszug vorweg. Am Trerichsweiher soll das Leben von Lottchen ein Ende gefunden haben – beim Brand eines Schuppens, kurz vor Karneval 1971.