Verkehrssicherheitstag in Hennef

Berufskolleg klärt Schüler über Unfallgefahren auf

Beim Verkehrssicherheitstag testen Christian Wagner (vorne) und Philipp Jarree einen Aufprallsimulator.

Beim Verkehrssicherheitstag testen Christian Wagner (vorne) und Philipp Jarree einen Aufprallsimulator.

Hennef. Das Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef hat am Mittwoch seinen Verkehrssicherheitstag ausgerichtet. Opfer berichteten von ihren Unfällen. Schüler testeten Rauschbrille und Aufprallsimulator und erfuhren, wie heftig sich ein Aufprall auf ein stehendes Hindernis anfühlt.

Der Tag dürfte ihr im Gedächtnis bleiben. Es war am 21. September 2010, als Nicole Gärtner gemeinsam mit ihrem damals neunjährigen Sohn die Wahnbachtalstraße zwischen Seelscheid und Much befuhr und ihr plötzlich auf ihrer Fahrbahnseite ein Auto entgegenkam und frontal mit ihrem Wagen kollidierte. „Der Airbag rettete mein Leben“, sagte die 49-Jährige. Geistesgegenwärtig habe sie sich vor dem Aufprall noch über ihren Sohn geworfen. „Ich war sein Airbag“.

Während die Mutter dafür sorgte, dass ihr Sohn quasi unverletzt blieb, erlitt sie selbst schwerste Verletzungen, darunter einen Leberriss, eine schwere Lungenverletzung und 29 Trümmerbrüche. 38 Operationen musste sich Gärtner seit ihrem Unfall unterziehen. „Dieser Tag hat mein Leben total verändert“. Beeindruckt hörten ihr am Mittwoch beim Verkehrssicherheitstag des Carl-Reuther-Berufskollegs 250 Schüler in der Aula des Gymnasiums zu, als sie über ihren schweren Unfall sprach.

„Crash-Kurs-NRW-Realität erfahren. Echt hart“ lautet der Titel der Präventionsmaßnahme für Fahranfänger, mit der auf die Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen werden soll. Auch beim Verkehrssicherheitstag, zu dem das Carl-Reuther-Berufskolleg alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Troisdorfer Berufskolleg einlädt, war der „Crash-Kurs-NRW“ der emotionalste Moment des Veranstaltungstages. „Kein Alkohol, keine Drogen und kein Handy am Steuer“, lautete Nicole Gärtners Botschaft für junge Fahranfänger. „Bei mir war es auch ein betrunkener Fahrer, der mir frontal ins Auto fuhr“. Neben Gärtner waren es Notfallseelsorger Albrecht Roebke, der Augustiner Polizist Stefan Hedemann und Heinz-Ewald Verwey, Leiter der Feuerwehr Niederkassel, sowie Notarzt Sebastian Goß, die von ihren Erfahrungen berichteten.

Hedemann erinnerte an einen Unfall, der sich im Dezember 2013 auf der B56 ereignete, bei dem ein 74-jähriger Fußgänger von einem Autofahrer getötet wurde. „Der Fahrer flüchtete nach dem Unfall. Das zog umfangreiche Ermittlungen nach sich“, sagte Hedemann. Verwey widmete sich einem tödlichen Unfall aus dem August 2013 in Stockem. Ein Autofahrer hatte einen Bus überholt, verlor die Kontrolle über seinen Wagen und kollidierte frontal mit einem entgegenkommenden Smart. „Der Smart-Fahrer erlitt tödliche Verletzungen“, sagte Verwey.

Ex-Schüler kam bei Unfall ums Leben

Solche Schilderungen und die Tatsache, dass im vergangenen Jahr ein ehemaliger Berufskolleg-Schüler bei einem Motorrad-Unfall ums Leben gekommen ist, dürften bei den Schülern tiefe Eindrücke hinterlassen haben. „Ziel ist es, bei den jungen Teilnehmern ein realitätsnahes Gefahrenbewusstsein zu schaffen und eine dauerhafte und positive Verhaltensänderung zu bewirken“, sagte Günther Au, Leiter des Berufskollegs. Bis zum Mittag gab es auch einige praktische Übungen für die rund 600 teilnehmenden Schüler. So hatte die Verkehrswacht aus Hagen einen Simulator mitgebracht, auf dem Schüler erfahren konnten, wie heftig sich ein Aufprall auf ein stehendes Hindernis bei einer Geschwindigkeit von elf Stundenkilometern anfühlt.

„Das war eigentlich nicht schnell, aber man hat den Aufprall schon sehr deutlich gespürt“, sagte Führerscheinneuling Christian Wagner (18) aus Eitorf, der gemeinsam mit Philipp Jarree (17) aus Ruppichteroth auf dem Gurtschlitten saß. „Solche Verkehrssicherheitstage halte ich schon für sehr wichtig“, sagte Jarree. Ulrich Schmitz von der Verkehrswacht Hagen informierte die Schüler darüber, wie lebenswichtig Gurt und Airbag sind und zeigte den Schülern per Video den Aufprall des Gurtschlittens.

Während Enver Bejljulji und Alexander Esin sich in den Überschlagsimulator des ADAC setzten und „auf den Kopf gestellt wurden“, versuchten nebenan etliche Schüler, mit einer so genannten Rauschbrille auf der Nase, die einen Alkoholkonsum von 1,5 Promille suggeriert, unter Anleitung von Polizist Gerd Zöller per Kettcar einen abgesteckten Parcours zu absolvieren. „Ich musste mich ganz schön konzentrieren“, sagte der 18-jährige Yannic Gerhards aus Windeck. „Das war sehr unangenehm. Es macht keinen Sinn, sich unter Alkoholeinfluss hinters Steuer zu setzen“, sagte Gerhards.