Brandanschlag im Kölner Hauptbahnhof

Anschlagsopfer Lika ist wieder zu Hause in Hennef

Hennef. Seit gut eineinhalb Wochen ist Lika zurück bei ihrer Familie – nach sechswöchigem Krankenhausaufenthalt. Gemeinsam versucht die Familie, die Folgen des Kölner Brandanschlags zu verarbeiten.

Blumensträuße und ein Gesteck schmücken das Wohnzimmer des Hauses in Hennef. Freunde und Bekannte, aber auch Unternehmer haben sie vorbeigebracht, um Lika nach dem Brandanschlag im Kölner Hauptbahnhof zu Hause willkommen zu heißen und ihr zum Geburtstag zu gratulieren. „Zu Nikolaus haben wir sogar eine Torte gebracht bekommen“, erzählt ihre Mutter Julia sichtlich überwältigt.

Seit gut eineinhalb Wochen ist Lika zurück bei ihrer Familie – nach sechs Wochen im Kinderkrankenhaus in Köln-Niehl. „Sie können sich nicht vorstellen, wie schön das ist“, sagt Julia M. Schon am Abend vor der Entlassung hätten sie alles zusammengepackt. „Obwohl wir noch gar nicht wussten, ob wir wirklich gehen können.“ Sechs Wochen in der Klinik seien einfach ein bisschen zu viel, erzählt die Mutter. Ihre Tochter möchte an diesem Tag keinen Besuch haben und die Mutter überlässt es ihr, wann und mit wem sie über das Erlebte spricht.

Mitte Oktober wurde die Schülerin bei dem Anschlag schwer verletzt. Mit einer Freundin war sie an diesem Tag bei McDonalds im Bahnhof, als ihr ein 55 Jahre alter Mann auffiel. Der mutmaßlich psychisch Kranke schüttete Benzin auf den Boden und zündete es an. Die Schülerin rutschte darauf aus, ihre Schuhe fingen Feuer. Acht Operationen musste sie seither über sich ergehen lassen, zwei Mal transplantierten die Ärzte Haut von ihrem Kopf auf die Wunden an den Beinen. „Nun sind aber erst einmal keine weiteren Operationen geplant“, sagt die Mutter. „Gott sei Dank ist das alles vorbei.“

Langsam zurück ins Leben

Die Familie kehrt nach vielen unruhigen Nächten langsam in den Alltag zurück. Auch wenn weiterhin einige Termine anstehen. Regelmäßig müssen die Eltern mit Lika ins Krankenhaus nach Köln, um den Verband wechseln zu lassen. Hinzu kommen Besuche beim Physiotherapeuten in Hennef. „Das tut ihr gut. Danach merkt man, dass es für sie leichter geworden ist.“

Die Schülerin kann inzwischen wieder eine kleine Strecke zu Fuß zurücklegen, auch Treppensteigen ist möglich. „Sie hat Lust, wieder ganz normal zu laufen. Deshalb trainiert sie“, sagt Mutter Julia. Und auch der erste Schritt, um wieder unter Menschen zu kommen, sei gemacht. Dazu hatte die Familie eine Überraschungsparty zu Likas 15. Geburtstag Anfang Dezember organisiert. „Sie wusste nur, dass wir mit der Familie feiern wollen“, erzählt ihre Mutter. Aber als viele Verwandte fragten, ob sie vorbeikommen könnten, um zumindest ein Geschenk zu bringen, habe sie gedacht: Warum nicht? Denn vor der Tat habe Lika vorgehabt, ihren Geburtstag groß zu feiern. „Nach den Transplantationen wollte sie dann niemanden sehen. Aber ich habe gedacht, sie muss irgendwann wieder einsteigen. Und mit Verwandten ist es am leichtesten.“ Also bereitete ihr Bruder Jastin alles vor. „Sie war total überrascht, das hatte sie nicht erwartet“, erzählt die Mutter.

Beeindruckt durch die große Anteilnahme

Die ganze Familie ist froh, wieder zusammen zu sein. „Das ist das Schönste, alle sind wieder hier“, sagt der 13-jährige Jastin. „Man sieht sofort, wie es Lika geht. Vorher mussten wir immer 50 Minuten bis ins Krankenhaus fahren und konnten sie auch nur einmal am Tag besuchen.“ Die Trennung war auch für Mutter Julia nicht leicht, die bei ihrer Tochter in Köln war. „Mit einem Kind ist man im Krankenhaus, bei dem anderen ist man in Gedanken“, sagt sie.

Tief beeindruckt ist sie von der großen Anteilnahme von allen Seiten. Mehr als 200 000 Euro sind bereits an Spenden zusammengekommen. Mehrere Unternehmen haben sich zudem zusammengeschlossen, um die alte und steile Treppe im Haus umzubauen. „Als ich gehört habe, dass die Menschen helfen möchten, dachte ich: Mein Gott, das gibt es doch gar nicht!“ Die Briefe und Nachrichten seien von Herzen gekommen, das habe sie beim Lesen gemerkt. „Früher hatte ich eine ganz andere Meinung. Da dachte ich, jeder lebt für sich“, sagt die Mutter. Das sei inzwischen anders. Schon als sie vor einem Jahr nach Hennef gezogen seien, habe sie gemerkt, dass es doch Nachbarn gebe, die auch ein Zusammenleben wollen.

Bedanken möchte sich Lika noch immer bei den beiden Männern, die ihr nach dem Anschlag geholfen haben. Einer zog ihr die brennenden Schuhe aus, ein weiterer kümmerte sich um sie. Noch haben sie sich aber nicht gemeldet. „Sie hätte schlimmer verletzt sein können ohne die beiden Männer“, sagt Mutter Julia. In den kommenden Wochen wird sich die 15-Jährige zu Hause erholen. Zur Schule geht sie nach den Weihnachtsferien wieder. „Wenn sie es schafft, den ganzen Tag“, sagt ihre Mutter. „Wenn nicht, fangen wir stundenweise an. Wir schauen, wie es passt.“

Ein Spendenkonto „Lika“ ist bei der Volksbank Köln Bonn, IBAN DE17 3806 0186 4601 4980 28, eingerichtet.