Verdienstorden für Hennefer Pädagogin

„Inklusion darf kein Sparmodell sein“

Für ihr Engagement zur Inklusion erhielt Lucia Schneider-Hilse aus Hennef den Verdienstorden.

Für ihr Engagement zur Inklusion erhielt Lucia Schneider-Hilse aus Hennef den Verdienstorden.

HENNEF. Andrea Nahles zeichnet Lucia Schneider-Hilse aus Hennef für ihr soziales Engagement aus. Pädagogin gründete den Verein "Schule für alle", der sich für das gemeinsame Leben und Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung einsetzt.

Freudig überrascht war Lucia Schneider-Hilse, als sie die Nachricht erhielt, dass sie für ihr Engagement rund um das Thema Inklusion und gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung ausgezeichnet werden sollte. Wie berichtet, erhielt die 46-jährige Henneferin am 21. März aus den Händen von Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, in Berlin den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

Lucia Schneider-Hilse, Lehrerin an einer Schule für Berufsorientierung in Bonn, ist Initiatorin und Vorsitzende des Vereins „Schule für alle“, den sie 2008 ins Leben gerufen hatte. Die Mutter von zwei Töchtern, von denen die zwölfjährige Sike behindert ist, suchte 2007 nach einem Kita-Platz für Sike.

Sie fand ihn an der Kindertagesstätte Allner, die bereits damals Einzelintegrationen anbot. Aus dieser eigenen Erfahrung speiste sich schließlich ihr soziales Engagement rund um die Inklusion. 2007 gründete sie zusammen mit weiteren Eltern den Förderverein der Kita Allner und übernahm im ersten Jahr auch den Vorsitz. „Der Landschaftsverband Rheinland stellte damals Gelder zur Verfügung, die in die Verpflichtung von Ergotherapeuten sowie Moto- und Logopäden flossen“, sagt Schneider-Hilse. „Davon haben Kinder mit und ohne Behinderung profitiert“.

Im April 2008 gründete die Lehrerin schließlich den Verein „Schule für alle“, dessen Ziel es ist, mit seiner Arbeit das gemeinsame Leben und Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen voranzubringen. „Lucia Schneider-Hilse hat durch ihre mutige Beharrlichkeit und geduldige Gelassenheit viele Türen aufgestoßen und zahlreiche Denkanstöße für inklusives Lernen in Deutschland gegeben“, heißt es in der Begründung und tatsächlich dürfte die Vorsitzende des Vereins „Schule für alle“ das Gesicht sein, das jeder Hennefer mit dem Begriff Inklusion verbindet.

Trotz der hohen Auszeichnung und der Tatsache, dass es nicht zuletzt ihr Verdienst ist, dass mittlerweile 143 Kinder in Hennef inklusiv unterrichtet werden, bleibt sie bescheiden. „Das ist nicht die Leistung einer Einzelperson, da haben viele mitgeholfen. Den Orden möchte ich vor allem dem verstorbenen Beigeordneten Stefan Hanraths widmen, ohne den wir mit unserem Anliegen nie so weit gekommen wären“, so Schneider-Hilse.

Kümmerte sich der Verein in den vergangenen Jahren vor allem um das Thema Inklusion in Kitas und Schulen, wird sich Schneider-Hilse künftig mit dem beschäftigen, was danach kommt: der inklusive Übergang von Schule in den Beruf. „Es geht darum, dass Unternehmen durchaus davon profitieren können, wenn sie soziale Verantwortung übernehmen“, sagt Schneider-Hilse. Sechs Jahre lang zeichnete der Verein „Schule für alle“ für das Angebot von integrativen Ferienfreizeiten verantwortlich. Seit dem vergangenen Jahr bietet die Stadt Hennef diese Freizeiten an.

„Das Angebot der Stadt ist qualitativ hochwertig. Der Verein konzentriert sich künftig mehr auf das Unterstützen von Ideen, anstatt alles selbst zu organisieren“, sagt Schneider-Hilse. Auch in diesem Jahr sammelt „Schule für alle“ wieder Ideen rund um das Thema Inklusion. Zu der Tatsache, dass einige Politiker auf Landesebene die Inklusion quasi als gescheitert erklären wollen, hat die Henneferin Schneider-Hilse eine klare Meinung. „Inklusion ist ein Menschenrecht und darf kein Sparmodell sein. Wer Geld in Bildung investiert, investiert schließlich auch in die Zukunft. Zudem gibt es seit 2014 einen Rechtsanspruch für gemeinsamen Unterricht“, so Schneider-Hilse.

Wer an dem Ideenwettbewerb des Vereins „Schule für alle“ zum Thema Inklusion teilnehmen möchte, kann sich an Schneider-Hilse unter wenden. Die besten Vorschläge werden ausgezeichnet, Einsendeschluss ist am Freitag, 7. April.