Hennefer Spieleerfinder Klaus-Jürgen Wrede

„Carcassonne ist in der Sauna entstanden“

Sprudelt vor Ideen: Spieleentwickler Klaus-Jürgen Wrede zwischen seinen Erfindungen und aktuellen Lieblingsspielen.

Sprudelt vor Ideen: Spieleentwickler Klaus-Jürgen Wrede zwischen seinen Erfindungen und aktuellen Lieblingsspielen.

Hennef. Der Hennefer Spieleerfinder Klaus-Jürgen Wrede über sein Spiel des Jahres, übers Tüfteln und den Spaß am Spielen

Klaus-Jürgen Wrede ist immer am Tüfteln. Der 52 Jahre alte Hennefer hat einen ungewöhnlichen Beruf: Er entwickelt Brettspiele. Aus seiner Feder stammt etwa das taktische Legespiel Carcassonne, das 2001 den Titel „Spiel des Jahres“ errang. Wrede – locker, viel am Lachen – kommt gerade von einer Testwoche in Oberhof. Im Mai steht die nächste große Reise an – nach Riga. Dort wird die lettische Carcassonne-Meisterschaft ausgetragen. „Meisterschaften gibt es inzwischen in fast jedem Land“, erzählt er beim Gespräch in seinem Haus. Im Herbst geht es in Essen sogar um den Weltmeistertitel. Über seine Arbeit sprach Hannah Schmitt mit Klaus-Jürgen Wrede.

Viele Menschen lieben Ihre Spiele, es gibt ganze Carcassonne-Turniere. Spielt man als Spieleerfinder seine eigenen Spiele auch selbst?
Klaus-Jürgen Wrede: Selten. Zuletzt habe ich für einen Artikel die Grundversion von Carcassonne gespielt. Das hatte ich vorher vielleicht vor sieben Jahren das letzte Mal gemacht. Oft sind die Spiele für mich als Entwickler auch schon wieder alt, wenn sie rauskommen. Dann muss ich sogar in die Regeln gucken (lacht).

Wie lange dauert es, bis ein Spiel rauskommt?
Wrede: Das ist ganz unterschiedlich. Bei Verlagen wie Kosmos macht man oft anderthalb bis zwei Jahre vorher den Vertrag. Produktion, Kalkulation und Grafik sind ein langer Prozess. Für Carcassonne kommt im Herbst die „Amazonas“-Variante raus. Die habe ich schon seit etwa zwei Jahren immer mal wieder in Arbeit. Manchmal ist es aber auch gut, Dinge noch einmal liegen zu lassen.

War Carcassonne Ihr erstes Spiel?
Wrede: Ich habe nach meinem Referendariat schon ein Spiel erfunden. Das ist auch für die Spielemesse in Nürnberg angekündigt worden. Kurz davor meldete aber der Verlag Konkurs an. Carcassonne ist also mein erstes veröffentlichtes Spiel.

Haben Sie bei Carcassonne schon beim Entwickeln gemerkt, dass es ankommen wird?
Wrede: Nee. Ich hatte zu der Zeit drei Spiele gleichzeitig in der Mache. Ich dachte zwar, Carcassonne ist schön, aber ich persönlich fand ein anderes besser: Mesopotamien. Das ist auch erschienen. Bei Carcassonne war ich überrascht, dass es genommen wurde. Auf der Spielemesse in Essen sind dann in ein, zwei Tagen gleich 2000 Stück verkauft worden. Gott sei Dank.

Carcassonne ist Spiel des Jahres 2001, es gehört zu den Klassikern mit vielen Erweiterungen. Wie viele Spiele haben Sie erfunden?
Wrede: Das werde ich oft gefragt, aber ich weiß es nie (lacht). Mit den ganzen Erweiterungen sind es bei Carcassonne bestimmt um die 40. Darunter sind dann Mini-Erweiterungen mit einer neuen Sonderregel oder Stand-alone-Varianten wie Starwars.

Starwars ist bestimmt ein Renner.
Wrede: Das kommt gut an. Dafür kam Disney auf uns zu und fragte, ob wir uns das vorstellen können. Das war gar nicht meine Idee, aber mir fiel dann schon was ein.

Haben Sie auch abgelehnte Entwürfe in der Schublade?
Wrede: Ja. Die Verlage sind sehr vorsichtig geworden. Es gibt Spiele, da sagen sie: Das ist toll, aber wir sind unsicher. Die Leute wollen gerade entweder sehr simple Spiele oder ganz komplexe. Alles dazwischen ist schwierig. Ich glaube, heute würde vielleicht auch kein Verlag mehr ein Spiel wie Carcassonne nehmen, weil es dazwischen liegt.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Wrede: Sie kommen mir, wenn ich entspannt bin. Manchmal denke ich im Auto darüber nach. Carcassonne ist in der Sauna entstanden. Da gehe ich manchmal zum Arbeiten hin, danach fließen die Gedanken. Urlaub ist aber auch immer gut, um zu arbeiten. Das Tüfteln im Kopf ist Entspannung für mich.

Sie sind in Gedanken also immer bei neuen Spielen?
Wrede: Ja.

Wie sieht es denn mit weiteren Spielen aus?
Wrede: Im Herbst kommt ein größeres Familienspiel mit 3D-Effekt.

Können Sie von den Spielen leben?
Wrede: In meinem Fall klappt das. Es ist aber eher selten. Ich glaube, in Deutschland gibt es drei Leute, die davon leben können.

Gibt es bestimmte Personen, die Ihre Spiele ausprobieren?
Wrede: Ja schon, aber wenn eine Idee noch ganz grob ist, mache ich das ungern. Generell probiere ich sehr lange alleine rum. Dann spiele ich mit meiner Partnerin oder Freunden. Ich hab es immer gern, wenn sie so knallhart wie möglich sind. Danach tüftele ich noch mal alleine, bevor ich auf Spieletreffs gehe. Beim Spiel Pompeji kam ich so auf 270 verschiedene Fassungen. Bei Carcassonne ging es mit einem halben Jahr flotter.

Sie haben Musik und Theologie studiert, als Lehrer gearbeitet. Wie wird man dann Spieleerfinder?
Wrede: Ich weiß es nicht, vielleicht habe ich viele Talente. In der Schule hatte ich Mathe und Physik als Leistungskurs. Und ich habe überlegt, Deutsch oder Kunst zu studieren. Beim Spieleerfinden kann ich alles optimal verbinden.

Haben Sie als Kind schon viel gespielt?
Wrede: Nicht so viel. Monopoly und Mensch-ärgere-Dich-nicht mochte ich nie. Skat hat man vergeblich versucht, mir beizubringen. Schach habe ich gerne gespielt, das hab ich so mit elf Jahren gelernt. Im Studium habe ich dann gemerkt, es gibt doch interessante Spiele. Dann bin ich nach Essen zur Spielemesse gefahren, habe vier Tage nur gespielt – und der Funke war übergesprungen. In der Stadtbibliothek in Köln habe ich danach alles ausgeliehen, was es gibt.

Die mussten Sie wieder zurückgeben. Wie viele Spiele besitzen Sie?
Wrede: Ich habe einen Stapel mit den Spielen im Wohnzimmer, die ich gerade spiele. Sonst sind sie im ganzen Haus verteilt. Manchmal wird es fast ein bisschen viel. Dann sortiere ich aus, und wenn Freunde kommen, dürfen sie sich daraus aussuchen, was ihnen gefällt.