Gespräch am Wochenende

"Wir krempeln die Ärmel hoch"

Im Clubraum im Römerhof in Brenig: Der Bornheimer Rotary-Präsident Harald-Robert Bruch vor der Wand mit Wimpeln von zahlreichen Rotary Clubs aus aller Welt. FOTO: HANS-PETER FUSS

Im Clubraum im Römerhof in Brenig: Der Bornheimer Rotary-Präsident Harald-Robert Bruch vor der Wand mit Wimpeln von zahlreichen Rotary Clubs aus aller Welt.

29.05.2015 Der Rotary Club Bornheim besteht seit zehn Jahren. Am Sonntag feiern die Mitglieder den runden Geburtstag auf Burg Heimerzheim. Zu Gast ist auch der Schauspieler und Kabarettist Bill Mockridge.

Präsident Harald-Robert Bruch fühlt sich dem Rotarier-Motto "Serve above self" verpflichtet. Frei übersetzt: Die Hilfe für andere über das eigene Ich stellen. Mit dem 51-jährigen Arzt sprach Hans-Peter Fuß.

Wie kam es 2005 zur Gründung des Rotary Clubs Bornheim?

Harald-Robert Bruch: Zwischen Köln und Bonn gab es einen weißen Fleck auf der Rotary-Landkarte. Der RC Brühl hat dann den RC Bornheim gegründet und anfangs begleitet, wie es bei uns üblich ist. Governor des Distrikts Rheinland war damals Helmut Falter. Wir haben dann im Jahr 2012 einen Rotary Club in Wesseling gegründet.

Wie sind Sie Rotarier geworden?

Bruch: Als ich 2011 im Club einen Vortrag über Palliativmedizin hielt, hat mich die damalige Präsidentin Maria Rohde gefragt, ob ich mitmache.

Welche Voraussetzungen muss ein Mitglied mitbringen?

Bruch: Man kann sich nicht bewerben. Man wird gefragt. Die Mitglieder müssen zum Club passen. Sie müssen bereit sein, sich aktiv zu engagieren. Wir kennen keine inaktiven Mitglieder, die nur ihren Beitrag entrichten. Wir achten auch darauf, dass bei uns möglichst viele unterschiedliche Berufe vertreten sind, damit wir auf vielen Feldern unsere Erfahrungen einbringen können. Mindestens 50 Prozent unserer Mitglieder müssen aus Bornheim kommen. Die Mitglieder müssen sich verpflichten, an mindestens der Hälfte unserer wöchentlichen Treffen teilzunehmen.

Wo treffen Sie sich und was besprechen Sie?

Bruch: Wir sind wohl der einzige deutsche Rotary Club, der einen eigenen Clubraum hat, und zwar hier im Römerhof. Wir veranstalten jeden Dienstagabend Vorträge zu aktuellen Themen und tauschen uns über unsere Projekte aus. Nach genau 90 Minuten beendet der Präsident die Veranstaltung mit einem Schlag auf unsere Glocke. So muss sich niemand verpflichtet fühlen, den gesamten Abend hier zu verbringen. Er kann es aber, wenn er möchte.

Sie reden sich untereinander häufig mit "Freundin" oder "Freund" an.

Bruch: Ja, viele unserer Mitglieder sind auch freundschaftlich verbunden. Man verbringt viel Zeit miteinander, denn von einem kalten Stuhl geht keine Freundschaft aus.

Wie setzt sich die Mitgliedschaft Ihres Clubs zusammen?

Bruch: Von unseren 47 Mitgliedern in Bornheim sind 25 Prozent Frauen. Das ist selbst unter den "gemischten" Rotary Clubs eine gute Quote. Bei den Neugründungen ist es vorgeschrieben, auch Frauen aufzunehmen. Früher waren die Clubs reine Männer-Clubs. Mittlerweile öffnen sich aber auch viele Männer-Clubs für Frauen.

Wie sieht es mit der Altersstruktur aus?

Bruch: Der Schnitt liegt bei 56 Jahren. Der von uns mitgegründete Jugendclub Voreifel besteht aus jungen, sehr aktiven Leuten zwischen 18 und 30 Jahren.

Viele Menschen meinen, die Rotary Clubs bestünden nur aus sehr wohlhabenden Leuten.

Bruch: Dieses Vorurteil kenne ich. Wir sind aber kein Club der Pfeffersäcke. Niemand kann sich bei uns einkaufen. Wir kaufen keine Projekte, wir krempeln selbst die Ärmel hoch. Nach dem Motto "Hands on" packen wir selbst an. Ehrenamtlich. Zwei Drittel der Projekte verwirklichen wir in Bornheim, ein Drittel weltweit. In Indien und auf den Philippinen, in Afrika oder in der Ukraine.

Welche Projekte sind das?

Bruch: Wir sind sozial-karitativ tätig. Und das nachhaltig. Im Projekt "Gesunde Pause" haben wir drei Jahre für Bornheimer Grundschulen Obst gestiftet und das dann auch mit den Kindern selbst geschnitten, um die Akzeptanz einer gesunden Ernährung zu erhöhen. In den Kindergärten verteilen wir Mathekisten mit Würfeln und Klötzchen, um den Kindern das Rechnenlernen zu erleichtern. Für das Leseprojekt an der Uedorfer Verbundschule haben wir Bücher besorgt und mit den Kindern gelesen. Wir beteiligen uns am Bornheimer Weihnachtsmarkt, verkaufen dort selbst gekochte Marmelade. Und wir werben für die Impfung gegen Kinderlähmung.

Wie finanzieren Sie die Spenden?

Bruch: Aus Beiträgen an unseren Förderverein, die sich pro Mitglied auf 200 Euro pro Jahr belaufen, aus Sammlungen, Spenden und aus den Erlösen unserer Aktionen wie etwa aus Konzerten oder kürzlich aus dem Benefiz-Golfturnier hier auf der Anlage Römerhof. Die Beträge für einzelne Projekte können von der Rotary Foundation noch vervielfacht werden.

Wie viel Geld spenden Sie pro Jahr?

Bruch: Da kommen im Schnitt etwa 20.000 Euro zusammen. Wir definieren unsere Arbeit aber nicht über die Höhe von Spendensummen.

Sie unterstützen besonders Projekte für Jugendliche.

Bruch: Ja, wir helfen dem Stadtteilbüro, veranstalten eine Berufsinfobörse im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, beraten Gymnasiasten bei der Erstellung ihrer Bewerbungsmappen und veranstalten Rhetorik-Wettbewerbe. Bornheimer Musikschülern zahlen wir Anteile an den Gebühren für den Unterricht oder für den Kauf von Instrumenten. Nicht zu vergessen der Jugendaustausch, für den wir noch Jugendliche suchen, die ein Jahr im Ausland bei drei Familien verbringen, um viele Facetten des Gastgeberlandes kennenzulernen. Mit dem Rotary Young Leadership Award laden wir junge Leute zu Veranstaltungen zu speziellen Themen wie etwa Wirtschaft ein.

Wie engagieren Sie sich international?

Bruch: Wir haben ein Krankenhaus in Minsk mit medizinischen Geräten und eine Schule mit Computern ausgestattet.

Arbeiten Sie mit der Stadt Bornheim zusammen?

Bruch: Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Mindestens einmal im Jahr treffen wir uns mit Bürgermeister Wolfgang Henseler. Die Stadt steht voll hinter dem Club. Wir stehen auch in engem Kontakt mit der Strauf-Pies-Stiftung, der Bornheimer Bürgerstiftung und dem Verein Rückenwind.

Welche Projekte stehen als nächstes an?

Bruch: Das muss der neue Präsident mit seinem Vorstand entscheiden, der bei Rotary jährlich neu von allen Mitgliedern bestimmt wird. Eine Hauptaufgabe wird es sicherlich sein, uns um die Kinder der Flüchtlinge in unserer Stadt zu kümmern.

Zur Person

Professor Harald-Robert Bruch, 51, ist im Rotarierjahr 2014/15 Präsident des Rotary Clubs Bornheim, der 47 Mitglieder zählt. Seine Amtszeit läuft bis Ende Juni, dann übergibt er im Sinne des Rotierens an Gebhard Grimm. Bruch führt in Duisdorf eine Praxis für Krebs- und Magen-/Darm-Patienten. (Hans-Peter Fuß)