Landratswahl im Rhein-Sieg-Kreis

Wahlparty mit Familie

Der künftige Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster (2.v.r) mit seiner Familie, Frau Margret und den Kindern Eva und Simon.

RHEIN-SIEG-KREIS. Sebastian Schuster ist neuer Landrat des Rhein-Sieg-Kreises. Der 58-jährige Rechtsanwalt aus Oberpleis, bislang Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, setzte sich in der Stichwahl mit 55,4 Prozent der Stimmen durch.

Sein Gegenkandidat Dietmar Tendler (SPD) erhielt 44,6 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 25,8 Prozent. Die schlechte Quote löste im voll besetzten großen Sitzungssaal des Kreises vielfach Diskussionen über Sinn und Unsinn von Stichwahlen aus.

Es war 19.20 Uhr, als Schuster aus dem CDU-Fraktionszimmer kam - geschafft, aber erleichtert und glücklich. Das Ergebnis stand noch nicht ganz fest, die Tendenz war aber eindeutig. Umringt von Applaudierenden nahm der CDU-Politiker die ersten Gratulationen entgegen: darunter der scheidende Landrat Frithjof Kühn und Dietmar Tendler. Schuster dankte nicht nur seinen Wahlkampfhelfern, sondern auch dem Mitbewerber von der SPD: "Es war ein fairer, sachlicher und freundschaftlicher Wahlkampf."

Für Schuster hatte der Tag früh begonnen. Schon um 7.30 Uhr war er in seiner Oberpleiser Rechtsanwaltskanzlei, die er nun verkauft. Als Landrat muss er seine Anwaltstätigkeit ruhen lassen. Nach dem Büro ging es zum Frühstück daheim, dann in die Kirche, dann auf den Drachenfels und nach Rhöndorf, abends ins Kreishaus mit Ehefrau Margret, Tochter Eva und Sohn Simon. Und dann: zum Feiern auf die Oberpleiser Kirmes. Heute dann schon wieder ein voller Terminplan: "Ich muss die Übergabe der Kanzlei und der Fraktionsarbeit begleiten", sagte der 58-Jährige.

In einer Woche folgt sein erster Arbeitstag als Landrat. Frithjof Kühn übergab Schuster gestern, hübsch als Geschenk verpackt, schon mal die Dienstmappe des Landrats - "mit allen möglichen Terminen, Dienstplänen und Verhaltensmaßregeln", so Kühn, der augenzwinkernd die Euphorie bremste: "Ab jetzt sind alle Wochenenden gestrichen." Er lobte das "gute Ergebnis" und den "fairen Kampf". Es sei nie persönlich geworden, bestätigte Dietmar Tendler. "Landrat Kühn hinterlässt große Fußstapfen, die Nachfolge gestaltet sich schwierig." Er wünsche Schuster alles Gute. Mit seinem Ergebnis ist der 62-jährige Eitorfer, der bis zuletzt mit Hausbesuchen zu punkten versuchte, zufrieden: "Das ist das beste Ergebnis, das die SPD je bei einer Landratswahl geholt hat." Tendler wird dem Kreistag weiterhin angehören - in welcher Funktion, entscheidet sich am Dienstag bei der Fraktionssitzung. Bislang war er Vizelandrat.

Dann wird sich auch klären, ob Sebastian Hartmann als Vorsitzender (und damit wohl als Oppositionsführer im Kreistag) weiter macht. Seit 2013 ist er im Bundestag. Dazu wollte sich Hartmann gestern noch nicht äußern. Nur so viel: "Wir werden als SPD weiter konstruktiv mitmachen, wenn es darum geht, den Kreis nach vorne zu bringen."

Wahlbeteiligung

Nur 123.800 der 480.747 Wahlberechtigten im Rhein-Sieg-Kreis haben ihre Stimme abgegeben. Das ergibt eine Wahlbeteiligung von 25,8 Prozent. Dabei trieben die Stichwahlen in Bad Honnef (43,1 % Wahlbeteiligung), Troisdorf (33,1 %) und Wachtberg (46,1 %) das Ergebnis in die Höhe. Schlecht sah es dagegen in Bornheim (18,1 %), Alfter (19,6 %) und Lohmar (19,4 %) aus. Knapp über dem Schnitt lag die Beteiligung in der Heimat von Sebastian Schuster (Königswinter, 29,1 %) und Dietmar Tendler (Eitorf, 28,0 %).