Hybridbusse für den Rhein-Sieg-Kreis

Umweltfreundlicher Nahverkehr ist das Ziel

In Brühl und Hürth verkehren bereits vier elektrisch betriebene Hybridbusse, die ihre Energie aus einer Brennstoffzelle gewinnen. Jens Conrad ist bei der RVK für das Klimaschutz-Projekt zuständig. FOTO: JAGODZINSKI

In Brühl und Hürth verkehren bereits vier elektrisch betriebene Hybridbusse, die ihre Energie aus einer Brennstoffzelle gewinnen.

RHEIN-SIEG-KREIS. Nur noch Busse einzusetzen, die statt Abgasen Wasserdampf ausstoßen, das ist eines der langfristigen Ziele der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK).

Im Projekt "Null Emission" arbeitet das Verkehrsunternehmen daran, etappenweise die komplette Fahrzeugflotte bis 2030 mit alternativen Antrieben auszustatten. Dabei setzt es vor allem auf klimaneutrale Wasserstoff-Hybridbusse, die über eine Brennstoffzelle mit elektrischer Energie betrieben werden. Vier solcher Busse sind bereits in Brühl und Hürth im Einsatz. Für den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis strebt die RVK an, mit Hilfe von EU-Fördergeldern zehn solcher Busse anzuschaffen.

"Null Emission" prangt in großen Lettern auf dem silbergrauen Bus der Linie 706, der an der Station Brühl Mitte vorfährt. Heute steigt hier auch Jens Conrad, Projektmanager der RVK, in das rund 13 Meter lange, rein elektrisch betriebene Fahrzeug ein, von dessen Typ auch Busse in Flandern, Oslo und Kalifornien verkehren. Das Herz der Technik des Hybridbusses bildet eine Brennstoffzelle. "In der Zelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff", erklärt Conrad. Dabei entsteht Strom. Und zwar durch eine elektrochemische Reaktion, wie der Projektmanager betont: "Da brennt nichts."

Den Strom gibt die Zelle entweder direkt an den Motor ab oder er wird in einer Hochvoltbatterie gespeichert. Insofern gebe es zwei verschiedene Energiequellen, die den Elektromotor des Busses versorgen, erläutert Conrad, warum es sich um einen Hybrid handelt. "Wenn die Batterie ein bestimmtes Ladeniveau unterschreitet, springt die Brennstoffzelle wieder an." Was dabei aus dem Auspuff des Busses herauskommt, ist Wasserdampf.

Ein Grund, warum die RVK die ersten dieser umweltfreundlichen Busse in Hürth und Brühl in Zusammenarbeit mit den dortigen Stadtwerken einsetzt, ist die Nähe zum Chemiepark in Hürth-Knapsack. Bei der Chlorproduktion falle dort Wasserstoff als Nebenprodukt in großen Mengen an, führt Conrad während einer Fahrt mit dem Bus aus. Der bahnt sich leiser als seine dieselbetriebenen Kollegen den Weg durch Brühl und punktet somit auch in Sachen geringerer Verkehrslärm. An einer Tankstelle der Stadtwerke Hürth befüllen die RVK-Mitarbeiter die Busse mit Wasserstoff. "In sieben Minuten - das ist nah dran am normalen Diesel, der drei bis fünf Minuten braucht", sagt Conrad.

Die Wasserstoff-Busse seien zudem flexibel einsetzbar. Die beiden neueren Modelle der RVK haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern und fahren bis zu Tempo 80. Die ersten beiden Wasserstoff-Hybridbusse schaffte die RVK im Zuge eines länderübergreifenden Forschungsprojekts des Landes NRW mit den Niederlanden bereits im Jahr 2011 an.

"Er ist leiser und sauberer für die Umwelt"

Bei den 18 Meter langen Gelenkbussen handelte es sich um Prototypen eines holländischen Herstellers. Im Mai 2014 kamen zwei weitere Busse hinzu. Diese Vorserienfahrzeuge eines belgischen Herstellers seien technisch ausgereifter und annähernd so zuverlässig wie die Dieselbusse, sagt Conrad. Der Preis für die Gefährte liege von anfangs 1,3 Millionen Euro inzwischen deutlich unter einer Million Euro.

Für die Fahrgäste ändere sich im Grunde nichts, und auch für den Fahrer sei es keine große Umstellung, den Hybrid zu steuern, schildert der Projektmanager weiter: Er müsse etwa keinen Zündschlüssel mehr umdrehen, sondern zwei Knöpfe drücken, um den Motor zu starten. Außerdem freuten sich die Fahrer über weniger Vibrationen. "Er ist leiser und sauberer für die Umwelt", findet auch Ali Azemi, der heute am Steuer sitzt: "Ich fahre den Bus gern."