Förderung des Landes NRW

Radweg wird für Bornheim teurer

In Hersel endet der Radweg entlang der L 300: Der weitere Ausbau als Bürgerradweg verzögert sich. FOTO: KOHLS

In Hersel endet der Radweg entlang der L 300: Der weitere Ausbau als Bürgerradweg verzögert sich.

BORNHEIM. Seit fast vier Jahren warten Bürger in Hersel, Uedorf und Widdig auf einen neuen Geh- und Radweg entlang der Landesstraße 300. Nun ist es fraglich, ob der erhoffte Bürgerradweg zwischen Richard-Piel-Straße und der Haltestelle der Linie 16 in Widdig überhaupt gebaut wird.

Denn für die Realisierung des kombinierten Geh- und Radweges kämen auf die Stadt Bornheim wesentlich höhere Kosten zu als bislang angenommen. Der Technische Beigeordnete Manfred Schier rechnet mit mehreren 100.000 Euro, die auch einen neuen Beschluss in den politischen Gremien nötig machen.

Die Stadt hatte bisher 60.000 Euro für die Planungskosten veranschlagt - und war davon ausgegangen, dass das Land, vertreten durch den Landesbetrieb Straßenbau NRW, den Bau des Radweges finanziert, bestätigt Schier auf GA-Nachfrage. Denn der Bürgerradweg ist ein Modellprojekt des Landes, das Radwegebau ermöglichen soll, wenn im normalen Bauprogramm keine Mittel zur Verfügung stehen - und das unbürokratisch.

"Davon ist leider nicht mehr viel übriggeblieben", bedauert Schier. Das Thema schwelt schon länger. Seit Dezember liegt der Stadt immerhin ein Entwurf für die notwendige Verwaltungsvereinbarung vom Landesbetrieb vor, die regeln soll, wer welche Aufgaben und Kosten übernimmt. Dazu gebe es jedoch unterschiedliche Auffassungen, sagt der Beigeordnete.

So ist sein Stand der Dinge, dass die Stadt die Kosten für den Radwegebau innerhalb der Ortsdurchfahrten tragen soll, während das Land die Strecke entlang der freien Landesstraße finanziert. Auf Nachfrage beim Landesbetrieb Straßenbau ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Wie Bernd Egenter, Abteilungsleiter Planung in der Regionalniederlassung Ville-Eifel, erklärt, zahlt der Landesbetrieb einen fixen Baukostenzuschuss - und alles was darüber hinausgeht, trägt die Stadt. Der Zuschuss setze sich aus 180 000 Euro je Kilometer außerhalb der Ortsdurchfahrten und 90.000 je Kilometer innerhalb der Orte zusammen. Bei knapp zwei Kilometern freier Strecke und etwa 400 Metern Ortsdurchfahrt läge der Zuschuss des Landes somit bei rund 400 000 Euro. Wie hoch die Kosten für den Radwegebau insgesamt sein werden, dazu wollen sich weder Egenter noch Schier äußern, solange man in die konkrete Planung noch nicht eingestiegen sei. Erste Schätzungen waren von 800.000 ausgegangen - ohne Planungskosten.

Doch wie kommt es überhaupt zu dem Hin und Her? Laut Regierungsbaudirektor Egenter besteht das Problem darin, dass sich die Rahmenbedingungen für das Projekt Bürgerradwege seit Herbst 2013 verändert haben: "Das hat uns zwischendurch überholt." Denn bereits im September 2011 hatte der Bornheimer Verkehrsausschuss die Bewerbung für die Aufnahme in das Landesprogramm auf den Weg gebracht. Wie Egenter schildert, sehen die geänderten Bedingungen gerade den fixen Baukostenzuschuss vor. Die Planung, die Schaffung des Baurechts und die baulichen Durchführungen seien allesamt Aufgaben der Stadt. "Es ist ja positiv, dass wir eine Finanzierungszusage bekommen", reagiert Beigeordneter Schier auf die für ihn neuen Aussagen vom Landesbetrieb. "Wir werden das Puzzle jetzt Teil für Teil zusammensetzen."

Das wäre auch im Sinne des Uedorfer Ortsvorstehers Bernd Marx: "Ich hoffe, dass alles getan wird, um das Projekt zu realisieren", sagt er. Der Ortsvorsteher hatte die Bewerbung für das Modellprojekt im Frühjahr 2011 zusammen mit Konrad Velten, Ortsvorsteher von Widdig, angeregt. "Die Bürger freuen sich auf den Geh- und Radweg, der den Weg zur Bahn und zum neuen Fußballplatz in Hersel vereinfachen würde und auf dem man ohne Gefahr entlang der Straße gehen oder Radfahren könnte", so Marx. Er selbst habe noch keine schriftlichen Informationen dazu vorliegen, würde sich aber wünschen, dass ein Runder Tisch mit Vertretern des Landesbetriebs, des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bornheim sich der Lösung des Problems annehme. Auch mit Blick auf den Lückenschluss in Richtung Urfeld sei der Bürgerradweg bedeutsam, zumal dann eine durchgehende Verbindung von Bonn bis Köln bestünde.

Ob der Radweg unter den veränderten Umständen überhaupt noch gebaut werden und die Stadt, die im Haushaltssicherungskonzept steckt, Mittel dafür bewilligen soll, muss nun die Politik entscheiden. Beigeordneter Schier sieht aber Chancen für ein positives Votum: "Ich halte das nicht für ausgeschlossen."

Bürgerradwege

Das Modellprojekt Bürgerradwege soll es laut dem NRW-Verkehrsministerium ermöglichen, Radwege an Landesstraßen unbürokratisch auch dann zu realisieren, wenn im normalen Bauprogramm dafür kurzfristig keine Mittel zur Verfügung stehen.

Notwendig dafür sei das bürgerschaftliche Engagement vor Ort, steht auf der Internetseite des Ministeriums zu lesen: Dann könnten mit Beteiligung lokaler Bauunternehmen und in Kooperation mit den beteiligten Kreisen, Kommunen sowie dem Landesbetrieb Straßenbau solche Fahrradverbindungen gebaut werden.

Gegenüber der üblichen Bauweise würden die Bürgerradwege mit reduziertem Standard gebaut, entsprächen aber immer dem Stand der Technik und den Sicherheitsanforderungen.

Die Koordination übernimmt der Landesbetrieb Straßenbau in seinen Regionalniederlassungen.