Verfechter von Gesamtschule und FOC

Peter Wirtz will Bürgermeister in Königswinter bleiben

Auf dem Drachenfelsplateau: Bürgermeister Peter Wirtz stellt sich zum vierten Mal zur Wahl.

KÖNIGSWINTER. Als der Fotograf samt Visagist und Ausleuchter anrückte, schwante Peter Wirtz: Das geht den Bach runter. Sich für Fotos zu schminken findet Wirtz, außer im Karneval - und darüber wird später noch zu sprechen sein - "völlig überflüssig".

Die Vorahnung bestätigte sich: Beim Fototermin, zu dem die Königswinterer CDU-Stadtratskandidaten antraten, entstand ein Wahlkampf-Porträt, das der Kandidat selber gruselig findet: "Ein Trauerspiel. Das bin ich nicht." Für alle, die sich Sorgen machen: Deutschlands "schnellster Bürgermeister" hat sich weder Botox spritzen lassen, noch Pausbacken bekommen.

Die ungewollte Verjüngung ist vielmehr Folge von Make-up und des Bildbearbeitungsprogramms Photoshop. Der Königswinterer Stadtchef, der 1999 zum ersten Mal für das Amt kandidierte und es am 25. Mai zum vierten Mal wissen will, nimmt's gelassen: "Ich werde versuchen, noch was hinterherzuschicken", sprich ein zusätzliches Plakat zu liefern, das ihm näherkommt.

Auch um zu beweisen, dass er durchaus nicht pummelig und unbeweglich geworden ist: Laufen ist nach wie vor seine Leidenschaft, in der Regel zwei Mal pro Woche sprintet der 54-Jährige durchs Siebengebirge und powert sich aus. "Ich sehe den Sport allerdings nicht mehr so verbissen, brauche Ruhephasen."

Weiterhin stellt er sich anspruchsvollen Läufen: Der Panorama-Marathon in Sonthofen und der Nebelhorn-Lauf, ebenfalls im Allgäu, reizen Wirtz diesen Sommer, "und wenn's mir ganz gut geht, mach' ich den Zugspitzlauf. Ich liebe es 'rauf und runter".

Neben dem Joggen zählten nach wie vor Bergsteigen und die Ernte der Isabella-Traube im eigenen Wingert hinterm Haus zu seinen zentralen Hobbys, pro Jahr reicht es für rund 150 Flaschen süffigen "Blanc de Noir"-Tafelwein. Und neuerdings ist Spielen mit Paula dazugekommen: Die Beschäftigung mit seiner kleinen Enkeltochter ist ihm in kurzer Zeit schon sehr ans Herz gewachsen.

Die Zweijährige ist "drei Mal die Woche bei uns zu Hause", gemeinsames Frühstück und Mittagspause mit ihr machen dem Großvater viel Spaß und führen ihm vor Augen, was junge Familien in Königswinter bewegt. Dem Karneval gilt seine Leidenschaft, neulich als nicht wiederzuerkennende "Princess to kiss" mit den St. Sebastianus-Schützenbrüdern als Froschkönige im Rosenmontagszug. Spürt er das fortschreitende Alter? "Drei bis vier 14-Stunden-Tage hintereinander stecke ich nicht mehr so schnell weg wie vor 15 Jahren", so Wirtz. Eine Erkenntnis mit jetzt 54 Jahren: Stets "everybody's Darling" zu sein, also jeden glücklich zu machen, funktioniert nicht.

Selbst mit der eigenen Partei lief längst nicht immer alles glatt: Vor zwei Jahren hatte es zwischen dem Bürgermeister und seiner CDU-Fraktion heftig gekriselt, nachdem Wirtz im Stadtrat eine persönliche Empfehlung für die Einrichtung einer Gesamtschule abgegeben hatte. Viele Christdemokraten nahmen ihm dies übel. Die Gesamtschule in Oberpleis war dann 2013 gestartet. Wirtz steht zu seiner Position: "Ich sehe die Gesamtschule als Riesenchance für unseren Standort." Sind die internen Verwerfungen überstanden? "Das verrate ich nicht."

In einem Factory Outlet Center (FOC) in Königswinter sähe er einen wichtigen "Frequenzbringer" und eine "große Chance". Andere Städte seien auch am Ball, falls Remscheid schneller sei, seien Königswinters Chancen vertan. Sein Ziel? "Ich möchte eine satte, gute Mehrheit haben, ein Ergebnis wie beim letzten Mal wäre schön." 2009 sprachen 67,2 Prozent der Königswinterer Wähler ihm das Vertrauen aus (2004: 71,3), Cornelia Mazur-Flöer, SPD, die ihn erneut herausfordert, erhielt 32,7 Prozent.

Wenn sie zu Karneval gemeinsam durch die Säle ziehen und den Bürgermeistertanz hinlegen, wirken sie sehr harmonisch, wie Freunde. Doch das täuscht: "Wir sind politische Konkurrenten." Was er an Mazur-Flöer schätzt? "Dass sie gerne Karneval feiert, auch ein Bier mittrinkt und dass man sich mit ihr auf politischer Ebene sachlich auseinandersetzen kann."

Fünf Fragen an Peter Wirtz

Welche drei Dinge haben Sie immer im Kühlschrank?
Wirtz: Vollmilch, Sahnequark, zehn (!) verschiedene Sorten Marmelade.

Welches Buch liegt bei Ihnen gerade auf dem Nachttisch?
Wirtz: "Deutschland von Sinnen" von Akif Pirinçci - um mir meine eigene Meinung darüber zu bilden.

Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Wirtz: Biologie.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Wirtz: In der Heimwerkstatt meines Vaters, wo er Metall bearbeitete, habe ich Gewinde geschnitten, geschweißt und geputzt. Mein Vater stellte für die Firma Lauffer nebenberuflich Geräte zum Rühren von Farbe her.

Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Wirtz: Veilchendienstag bei "Köbes Underground" im Kölner Severinsviertel.