Direktkandidat im Wahlkreis 98

Norbert Röttgen kandidiert zum sechsten Mal

Von der Terrasse des Bundesgästehauses auf dem Petersberg in Königswinter hat Norbert Röttgen einen guten Überblick über seinen Wahlkreis.

RHEIN-SIEG-KREIS. Von der Terrasse des Bundesgästehauses hat der 48-jährige CDU-Bundestagsabgeordnete den besten Überblick über seinen kompletten Wahlkreis. Nun möchte Norbert Röttgen zum sechsten Mal auf direktem Weg in den Bundestag einziehen.

Den Ort für das Gespräch mit dem GA hat Norbert Röttgen mit Bedacht ausgewählt. Der Petersberg soll es sein. Zunächst einmal liegt er in der Heimatstadt des Stieldorfers, in Königswinter. Und er ist für ihn ein Stück bundesdeutscher Geschichte. Denn auf dem Petersberg tagte die Alliierte Hohe Kommission, die die Gründungsjahre der Bundesrepublik begleitete. So steht der Petersberg für Röttgen für Tradition, aber auch für deren Bewahrung, denn der angedachte Verkauf der Bundesimmobilie ist auch dank Röttgens Einsatz vom Tisch. Nun investiert der Bund eine beträchtliche, aber noch nicht exakt ausgehandelte Millionensumme in die Modernisierung des von der Steigenberger Hotelkette gemieteten Hauses.

Von der Terrasse des Bundesgästehauses hat der 48-jährige CDU-Bundestagsabgeordnete, der am 22. September bereits zum sechsten Mal auf direktem Weg ins Parlament einziehen will, den besten Überblick über seinen kompletten Wahlkreis. Unten im Tal liegt Königswinter, weiter links rheinaufwärts Bad Honnef.

Auf der linken Rheinseite sind in der Ferne Wachtberg mit seinem markanten "Golfball", dem Radom, seine Geburtsstadt Meckenheim, Rheinbach, wo er aufgewachsen ist, Swisttal sowie an den Hängen des Vorgebirges Alfter und Bornheim als Ansammlung weißer Punkte am Horizont auszumachen. Sankt Augustin ist vom Plateau aus in Sichtweite. Für alle diese Städte und Gemeinden mit ihren insgesamt 214.000 Wahlberechtigten ist Röttgen zuständig. Seit 1994 vertritt er die Interessen der dort lebenden Bürger im deutschen Parlament - zunächst in Bonn, nach dem Umzug in Berlin.

Dass es bei der gesetzlich verankerten Arbeitsteilung zwischen Bonn und Berlin bleibt, dass nicht noch mehr Ministeriumsmitarbeiter an die Spree umziehen, ist für den Juristen Röttgen keine Frage. Er will auch weiter für die Einhaltung des Bonn-Berlin-Gesetzes kämpfen - das schuldet er auch seinem Vorgänger Franz Möller, der maßgeblich an diesem Gesetz mitgearbeitet hatte.

"Es ist falsch, alte Übereinkünfte zur Disposition zu stellen und über einen neuen Bonn-Berlin-Vertrag verhandeln zu wollen, wie Teile der SPD das möchten", sagt Röttgen. Ein neuer Vertrag könne nur zu Lasten der Region gehen. Zu Lasten der Region geht nach Röttgens Einschätzung auch die fehlende Verbindung zwischen der A 565 und der Bonner Südbrücke. "Diese seit Jahren bestehende Verweigerung ist regional zu verantworten, wir stehen ja jetzt schon jeden Tag im Stau", sagt er. Ohne Einigkeit in der Region werde auch der Bund das Thema "Südtangente" nicht anfassen.

Überhaupt ist Verkehrsplanung für Röttgen ein Thema, das von der Politik zu lange vernachlässigt worden sei. Aktuell hat er an Verkehrsminister Peter Ramsauer geschrieben und ihn gebeten, die Verlängerung der S 13 über Sankt Augustin bis Bonn voranzutreiben. In Bad Honnef und Rhöndorf sollen die Bahnhöfe behindertengerecht ausgebaut werden.

Um den von der Bahn besonders im Rheintal verursachten Lärm zu dämmen, setzt sich Röttgen für den Einbau leiserer Bremsen ein. Überhaupt der Lärm: Um die Anwohner der A 61 in Swisttal-Miel besser abzuschirmen, wird dort voraussichtlich ab 2014 eine Lärmschutzwand gebaut. Diesen Erfolg will Röttgen auch für Rheinbach-Wormersdorf wiederholen: "Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, wird das dort genauso gemacht." Ein dauerhaftes Ärgernis sind für Röttgen die Verspätungen der Regionalbahnen RB 23, RB 26 und RB 48. Er will die Streckenbetreiber dazu bringen, "endlich nachfragegerecht Waggons bereitzustellen".

Die Niederlage bei der Landtagswahl im Mai 2012 und die anschließende Entlassung als Bundesumweltminister durch die Kanzlerin hat Röttgen gut weggesteckt. "Trotzdem bleibt die CDU meine politische Heimat", sagt er. Besonders im Wahlkreis habe er sehr viel Solidarität erfahren. Röttgen: "Ämter werden sowieso nur auf Zeit vergeben. Und mit dem Verlust des Amtes habe ich nicht mein Engagement und meine Überzeugung verloren." Vor der Wahl habe er Fehler gemacht und dafür die Verantwortung übernommen. Er habe als Minister in zweieinhalb Jahren aber "wichtige Weichen" in der Energiepolitik gestellt, um dem Klimawandel zu begegnen.

Der Verlust des Ministeramtes hatte für Röttgen aber auch gute Seiten. "Ich habe neu erlebt, dass die Familie das Wichtigste ist. Ich war ja die meiste Zeit nicht zu Hause, auch an den Wochenenden war der Terminkalender voll. Jetzt sagen die Kinder: Schön, dass du wieder mehr da bist."

Fünf Fragen an Norbert Röttgen

Welche drei Dinge haben Sie immer im Kühlschrank?
Röttgen: Milch, Käse und Weißwein.

Welches Buch liegt bei Ihnen gerade auf dem Nachttisch?
Röttgen: "Amerika!" von Geert Mak. Er ist ein toller Erzähler geschichtlicher Themen. Ich lese auch gerne Krimis von Agatha Christie.

Was waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule?
Röttgen: Englisch und Geschichte.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Röttgen: Mit 13 als Erntehelfer beim Erdbeerbauern Streng in Rheinbach. Ich habe vier Mark die Stunde bekommen.

Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Röttgen: In Berlin bei den Berliner Symphonikern.