Honnefer Siebengebirgsgymnasium

Kandidaten des Wahlkreises 98 standen Schülern Rede und Antwort

Voll besetztes Podium: Die Kandidaten nahmen sich Zeit für einen ausführlichen Argumentationsaustausch.

13.09.2013 BAD HONNEF. Die Bundestagswahl 2013 ist gelaufen. Jedenfalls am Siebengebirgsgymnasium. Dort hatte bereits gestern das Wahllokal mit vier Kabinen den ganzen Tag geöffnet. 600 Schüler waren wahlberechtigt. Erste Hochrechnungen liegen allerdings noch nicht vor. Ihre Kandidaten konnten die Wähler am Vorabend in der Aula sogar persönlich kennenlernen.

Was für die einen ein interessantes Experiment unter dem Motto "Juniorwahl" darstellte, war für jene rund 80 Gymnasiasten, die bereits 18 sind, die Generalprobe für den 22. September, wenn sie zum ersten Mal auch "in echt" ihre Stimme abgeben dürfen. Dann haben sie die Wahl zwischen den Bundestagskandidaten des Wahlkreises 98: Bettina Bähr-Losse (SPD), Andreas Danne (Die Linke), Thorsten Knott (FDP), Arnd Kuhn (Grüne), Norbert Röttgen (CDU) und Jürgen Weiler (Piraten). Diese sechs Politiker lieferten sich bei der von den Schülern initiierten Podiumsdiskussion eine muntere, aber faire Auseinandersetzung.

Kimberly Tautz, Carsten Wintersberg und Kristina Gerlach moderierten und warnten zu Beginn kess vor Überlängen beim Antworten: "Wenn die Klingel ertönt, ist Schluss." Norbert Röttgen erwischte es gleich bei Frage eins, als durch die Bank jeder Bewerber um ein Mandat im Bundestag knapp verraten sollte, was ihm wichtig ist. Ganz Talkshow-Profi quetschte er nach dem Klingeln doch noch heraus: "Europa ist das überragende Thema. Das musste jetzt noch mit."

Die Gymnasiasten des Abiturjahrgangs hatten das Projekt "Juniorwahl" und die Podiumsdiskussion mit den Lehrerinnen Christina Cron und Sonja Pellin im Fach Sozialwissenschaften vorbereitet und beackerten ein breites Feld. Die Themen reichten vom Syrienkonflikt über die Belastung des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes durch den doppelten Abiturjahrgang bis hin zum Mietpreis.

Auch Aspekte wie Mindestlohn und prekäre Arbeitsverhältnisse, Energiewende, Datenschutz und NSA brannten den "Sibi-Talkmastern" auf den Nägeln. Und dann gab es noch Publikumsfragen wie die zur Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare.

Ähnlich wie Angela Merkel in einer Fernsehwahlsendung war Norbert Röttgen der Auffassung, dass hinsichtlich des Kindeswohles die Situation bei gleichgeschlechtlichen Paaren wohl anders sei als bei einem herkömmlichen Elternpaar. Thorsten Knott sagte dagegen: "Wir werden versuchen, den Koalitionspartner zum Jagen zu tragen. Wir müssen der gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen."

Die Schüler wollten von den Oppositionspolitikern auch wissen, was sie ändern würden, wären sie am Ruder. Bettina Bähr-Losse: "Den Mindestlohn einführen und mehr Geld in die Bildung stecken." Arnd Kuhn: "Herdprämie abschaffen. Mindestlohn einführen." Und auch der Linke Danne nannte den Mindestlohn von zehn Euro und Friedenspolitik, während Pirat Weiler Volksentscheide durchsetzen und die Bildungspolitik zur Bundessache machen möchte.

Für Felix Maul, der das Projekt mit vorbereitet hatte, stand nach der Veranstaltung fest: "Mein Eindruck, den ich heute gewonnen habe, deckt sich mit meinen Vorstellungen von den verschiedenen Parteien." Der 18-Jährige splittete gestern seine Stimmen. Da hatte einer der Kandidaten bei ihm offensichtlich ordentlich gepunktet. Schülerin Victoria Zimmermann ließ sich den direkten Vergleich der Kandidaten ebenfalls nicht entgehen. Sie ist jedoch erst 16 und musste sich auf die Sibi-interne Wahl beschränken. "Mir ist klar, wen ich nicht wählen werde.

Es war interessant, die verschiedenen Positionen zu hören und ich bin dankbar, dass sich die Politiker für uns die Zeit genommen haben." Gestern trat sie an die Wahlurne. Die Auswertung wird von der Initiative "Juniorwahl" des Vereins "Kumulus" durchgeführt. Sonja Pellin: "Wir hoffen, dass uns die Ergebnisse noch vor dem 22. September vorliegen." (Roswitha Oschmann)