Neue Initiative

Hilfe für Pflegeeltern im Rhein-Sieg-Kreis

Setzen sich für einen Erfahrungsaustausch unter Pflegeeltern aus der Region ein (von links): Marlen Krampe und Sabine Wagner.

RHEIN-SIEG-KREIS. Sabine Wagner aus Troisdorf und Marlen Krampe aus Hennef haben ein Netzwerk für Mütter und Väter im Rhein-Sieg-Kreis, die Pflegekinder aufnehmen, gegründet.

Wenn Kinder morgens um halb sechs testen, wie lieb Mama sie eigentlich wirklich hat, strapaziert das schon mal die Nerven. Für Sabine Wagner aus Troisdorf und Marlen Krampe aus Hennef sind solche Geduldsproben keine Ausnahmefälle. Zu ihren Familien gehören auch Pflegekinder, also Kinder, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können.

Das kann für Pflegeeltern eine hohe Belastung und mitunter problematisch sein. Damit sie das nicht allein mit sich und der Familie ausmachen müssen, haben Wagner und Krampe einen Initiativ-Kreis ins Leben gerufen, mit dem sie ein Netzwerk für die Region aufbauen wollen, wo sich Pflege- und Adoptiveltern regelmäßig austauschen und Rat suchen können.

"Vieles läuft ganz anders als bei Kindern, die einen guten Start hatten", erklärt Wagner. "Die Kinder wollen gehört, gesehen und gefühlt werden. Und sie werden nicht satt davon", berichtet Marlen Krampe. "Sie brauchen ein hohes Maß an Aufmerksamkeit." Gleichzeitig haben sie oft viele Probleme mit sich herumzutragen, mit Empathie und Identitätskonflikten zu kämpfen.

"Manchmal reicht ein Geräusch oder ein Geruch aus, um die Welt der Kinder auf den Kopf zu stellen", so Krampe. "Auch wenn Ansprüche gestellt werden, treten oft Probleme auf", bestätigt Sabine Wagner. "Allein mit einem großen Herzen sind das Chaos und die hohe Belastung nicht immer zu schaffen", erklärt Krampe.

Im trägerunabhängigen Initiativ-Kreis können die Eltern ihre Erfahrungen unbefangen teilen und voneinander lernen. Das erste Treffen hat bereits stattgefunden und war ein Erfolg. 19 Eltern aus dem Rhein-Sieg-Kreis, und sogar aus Neuwied, trafen sich in der Lebenshilfe Sankt Augustin. Unerfahrene Eltern, mit vielen Fragen, und Erfahrene, mit großen Kindern, geben sich dort gegenseitig Unterstützung und teilen ihr Wissen, das sie über viele Jahre gesammelt haben.

"Wir erzählen, was in unseren Familien passiert, was uns persönlich betrifft und was unser Kind braucht", erläutert Sabine Wagner. "Wir geben uns gegenseitig Hilfe und schauen auch, was weniger Aussichten auf Erfolg hat." Man wolle sich gegenseitig Mut machen und die Angst nehmen zu versagen, ergänzt Krampe. "Viele Eltern trauen sich nicht, Hilfe zu fordern."

Bei dem ersten Treffen wurden die Erwartungen an die Gruppe und Themenvorstellungen gesammelt. "Der Initiativ-Kreis ist demokratisch und soll von der Gruppe getragen werden", so Krampe. Bei dem nächsten Treffen im November tauschen sich die Eltern dann über Besucherkontakte aus.

"Es ist auch Raum für ein offenes Ohr", sagt Wagner. "Aktuelle Probleme und Befindlichkeiten können immer angesprochen werden." Aber auch die Dinge, die gut laufen, werden nicht außer Acht gelassen. "Bei großen Erfolgen läuft einem das Herz über", sagt Krampe. Emotionale Hürden zu überwinden sorgt immer wieder für besondere Momente, die die Eltern miteinander teilen können. "Wenn's denn fluppt, ist es toll", sagt Krampe.

Pflegefamilien gesucht
Das Kreisjugendamt hat zurzeit 120 Vollzeitpflegefamilien in der Kartei, die sich um insgesamt 176 Kinder kümmern. Neben dieser Vollzeitpflege gibt es für betroffene Kinder auch Plätze in der familiären Kurzzeitpflege, in Familien, die Bereitschaftspflege ausüben und die Unterbringung in familiär ausgerichteten Erziehungsstellen freier Träger. Das Kreisjugendamt sucht neue Pflegefamilien. Wer sich informieren möchte, kann dies unter www.rhein-sieg-kreis.de tun.

Das nächste Treffen ist am Donnerstag, 15. November, in der Lebenshilfe Sankt Augustin, Bonner Straße 68a. Weitere Infos bei Sabine Wagner unter 02241/1695145 und bei Marlen Krampe unter 02242/9019079.