Interview

"Eine Stadt soll attraktiv bleiben"

Seit Jahrzehnten im Umweltschutz aktiv: Michael Pacyna (links) und Klaus Fietzek auf dem LSV-Turm oberhalb von Botzdorf.

Bornheim. Die Umweltschützer Klaus Fietzek und Michael Pacyna über Stadtentwicklung und Naturerhaltung

Seit Sommer 2013 arbeitet die NRW-Landesregierung an einem neuen Landesentwicklungsplan. Daran beteiligt war auch der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge (LSV). Doch nicht nur in diesem Bereich setzt sich der Umweltverein für die Belange der Natur ein. Mit dem ersten und zweiten Vorsitzenden Klaus Fietzek und Michael Pacyna sprach Christoph Meurer.

Der LSV hat als anerkannter Umweltverband zum neuen Landesentwicklungsplan Stellung genommen. Was ist Ihre Meinung dazu?Michael Pacyna: Im Grundsatz läuft die Planung in die richtige Richtung - insbesondere, was den enormen Flächenverbrauch durch Verkehrswege, Siedlungen und Industrie angeht. In den letzten 20 Jahren wurden in NRW täglich 14,4 Hektar an freier Fläche zugebaut. Das kann nicht so weitergehen. Die Landesregierung strebt nun an, zunächst den Flächenverbrauch auf fünf Hektar täglich zu senken. Das ist sehr vernünftig.

Was bedeutet der Flächennutzungsplan für Bornheim?
Pacyna: Das Land macht generelle Vorgaben. Die Feinplanung erfolgt zunächst auf der Ebene des Regierungsbezirks, die exakte Ausplanung durch die Stadt Bornheim. Der 2011 in Bornheim rechtskräftig gewordene Flächennutzungsplan zeigt detailliert, wie sich die Stadt zum von der Landesplanung vorgegebenen Mittelzentrum weiterentwickeln soll.

Wie bewertet der LSV diesen Plan?
Pacyna: Der Plan sieht ein Wachstum auf 55 000 Einwohner vor. Wir wenden uns nicht gegen die Zielrichtung. Bornheim hat zwar eine ländliche Prägung, ist aber auch ein suburbaner Raum, der von Bonn und Köln stark überlagert wird.

Klaus Fietzek: Der Flächennutzungsplan betrifft die nächsten 15 bis 20 Jahre. Da ist es einfach, Versprechungen zu geben. Aktuell ist die Zahl von 55 000 Einwohnern ein vorzügliches Ziel. Mit dieser Entwicklung holt die Stadt das nach, was in den 1960er/70er Jahren in Meckenheim oder Rheinbach passiert war. Damals gehörten die Kommunen zu den Wachstumszonen im Rhein-Sieg-Kreis. Jetzt ist es Bornheim.

Wenn eine Stadt wächst, bedeutet das auch, dass sie attraktiv für Menschen ist. Warum sollte das Wachstum begrenzt werden?Pacyna: Eine Stadt soll auch attraktiv bleiben. Dazu gehört, dass die Menschen Naherholungsräume haben. Bornheim ist in den vergangenen 30 Jahren schon stark gewachsen - von 34 000 Einwohnern im Jahr 1981 auf aktuell rund 47 400 Einwohner.

Der LSV ist einst als Bürgerinitiative gegen den Quarzabbau gegründet worden. Auf ihrer letzten Mitgliederversammlung hieß es, dass man in dieser Hinsicht erfolgreich war.
Fietzek: Im Augenblick kann man das so sagen. Zum einen ist die Diskussion um die Quarzgrube oberhalb von Brenig endgültig vorbei. Sie gehört dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Zum anderen hat die Bezirksregierung im Jahr 2012 im Bereich Witterschlick, Buschhoven und Flerzheim eine Konzentrationszone für den Quarzabbau an der Schmalen Allee bei Witterschlick festgelegt. Damit kann die von uns ausgerechnete Bedarfsmenge an Quarz für die nächsten 50 Jahre gedeckt werden. Mit dieser Konzentrationszone sind unsere konkreten Ziele im Moment erfüllt.

Was bedeutet das für den LSV?
Fietzek: Wir konzentrieren unsere Tätigkeiten auf den eigentlichen Landschaftsschutz. Dazu gehört die Pflege der Natur. Auch wollen wir das Interesse der Menschen an der Schönheit und den Möglichkeiten unserer Landschaft wecken.

Was macht die Landschaft hier denn aus?
Fietzek: Das Vorgebirge ist eine großartige Fahrradregion. Wunderbar ist auch die Obstbaumblüte anzusehen. Vom Aussichtsturm des LSV oberhalb von Botzdorf hat man einen tollen Blick über die Ville, auf das Siebengebirge und das Rheintal bis nach Köln.

Pacyna: Menschen, die eine ruhige und naturnahe Erholung suchen, legen wir den Naturpark Rheinland mit dem Ville-Höhenzug sehr ans Herz. Man kann nicht nur prima Radfahren, sondern auch Wandern. Nicht geeignet ist die Gegend für Menschen, die den Rummel suchen. Den gibt es hier nicht - darüber sind wir aber auch nicht böse.

Zu den Personen

Der studierte Jurist Klaus Fietzek (78) und der Biologie- und Erdkundelehrer Michael Pacyna (63) sind beide seit gut 30 Jahren im Landschafts-Schutzverein Vorgebirge aktiv. Pacyna hat über "Abfallentsorgung und Raumplanung als sozialgeographisches Konfliktfeld" am Beispiel der Bergbau- und Deponiepläne bei Bornheim-Brenig promoviert.

Landesentwicklungsplan

Die NRW-Landesregierung hat im Juni 2013 beschlossen, einen neuen Landesentwicklungsplan zu erarbeiten. Er soll die Rahmenbedingungen für die künftige Entwicklung des Landes festlegen. Als anerkannter Umweltverband hat der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge neben anderen Institutionen dazu Stellung genommen. Bis der Plan letztlich in Kraft tritt, wird es aber noch dauern.