Altkleidergeschäft

Die RSAG hat es schwer, mit allen karitativen Sammlern eine Allianz zu schmieden

Dreckecke bei Alfter: Die RSAG will kommerzielle Anbieter verdrängen, die sich nicht um ihre Standorte kümmern.

10.12.2012 RHEIN-SIEG-KREIS. Der Einstieg der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) ins Altkleidergeschäft gestaltet sich mühselig. Zwar startet ihre Kooperation mit gemeinnützigen Sammelorganisationen bereits Anfang 2013 im Linksrheinischen. Doch ist es schwierig, alle Organisationen unter einen Hut zu bekommen.

Zumal die Ansprechpartner nicht nur auf Kreisebene, sondern in den einzelnen Kommunen sitzen. "Das bedeutet jede Menge Kleinarbeit", sagte RSAG-Sprecher Joachim Schölzel auf Anfrage. Zudem sieht das Siegburger Südwind-Institut den Handel mit Altkleidern kritisch.

Die RSAG soll auf Wunsch der Kreispolitik eine Allianz mit seriösen, gemeinnützigen Sammelorganisationen eingehen, um kommerzielle Anbieter zurückzudrängen. Die treten teilweise dreist auf. Manche stellen Container ohne Genehmigung auf, nutzen Logos, die denen von Hilfsorganisationen ähneln - und gaukeln so Gemeinnützigkeit vor.

"Wir haben es mit einem Wildwuchs zu tun", erklärt RSAG-Geschäftsführerin Ludgera Decking. Teils entstünden rund um die Container kommerzieller Anbieter Dreckecken, aber es gebe keinen Ansprechpartner. Insgesamt stehen rund 800 bis 1000 Container im Kreis. Mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Rhein-Sieg, die selbst flächendeckend sammelt, hat die RSAG schon einen Partner an ihrer Seite.

Der Plan sieht so aus: Die Awo wickelt die Leerung der Container über ein Behindertenprojekt ab, das von den Erlösen profitiert, und übernimmt mit der RSAG-Tochter EntsorgungsService Rhein-Sieg ERS die Vermarktung. Die Container sollen einheitlich aussehen und die Logos der beteiligten karitativen Organisationen zeigen.

Welche Embleme sich künftig zu dem der Awo gesellen, ist fraglich. Die RSAG spricht mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Johannitern, aber auch mit kleineren Organisationen wie der Katholischen Arbeitnehmerbewegung.

Schwierig wird es beispielsweise beim DRK: Die 18 Ortsvereine im Kreis sind autark. "Ich kann mir vorstellen, dass die meisten mitmachen", so DRK-Kreisgeschäftsführer Erwin Hassel. "Aber das muss jeder Ortsverein für sich entscheiden. Wir sind noch im Findungsprozess."

In Alfter beispielsweise gab es bislang keine Containersammlung des DRK; also füllen RSAG und Awo dort ab Anfang 2013 mit ihrer Initiative eine Lücke. In anderen Kommunen, so Hassel, seien die DRK-Ortsvereine aktiv auf dem Gebiet der Altkleidersammlung. In Bad Honnef, Bornheim oder Windeck etwa gebe es funktionierende Strukturen. "Manche sind stark am Markt."

Decking weiß, dass sie bei potenziellen Sammelpartnern Überzeugungsarbeit leisten muss. Ein wichtiger Punkt: die Wirtschaftlichkeit. Keine der karitativen Organisationen solle bei der geplanten Kooperation schlechter gestellt als bislang.

Für die RSAG, sagt sie, müsse zumindest eine "schwarze Null" unterm Strich stehen. Daneben sind der RSAG-Chefin ethische Aspekte wichtig: So strebt sie eine Zusammenarbeit mit der Organisation FairVerwertung an.

"Das wäre zumindest ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Friedel Hütz-Adams von Südwind, dem Siegburger Institut für Ökonomie und Ökumene. Er fordert, Altkleider-Spender aufzuklären: "Die meisten glauben, dass sie etwas Gutes für Bedürftige tun. In Wirklichkeit geht es um möglichst hohe Einnahmen."

Die beste Kleidung werde an zahlungskräftige Europäer verkauft, die zweite Wahl gehe nach Osteuropa und erst die dritte Wahl nach Afrika. Die dortige Textilindustrie leide unter dem Altkleider-Import. "Ich würde es begrüßen, wenn auf Sammelzetteln und Containern nachzulesen wäre, wie viel Prozent des Wertes der Spende tatsächlich dem karitativen Zweck zugute kommen", so Hütz-Adams.

Decking erklärt indes, dass ihr an Transparenz gelegen sei. Dass in Afrika durch europäische Altkleider die Textilindustrie zerstört wird, glaubt sie nicht: "Im Gegenteil, an der Vermarktung von Altkleidern hängen Arbeitsplätze." (Dominik Pieper)