Eisenbahnstrecke Liblar-Dernau

Das Schicksal der "Unvollendeten"

03.03.2014 RHEIN-SIEG-KREIS. Als die "Unvollendete" ging die Eisenbahnstrecke Liblar-Dernau durch das Swistbachtal in die Geschichtsbücher ein. Was Ende des 19. Jahrhunderts als Planung begann, 1913 beschlossen und ein Jahr später begonnen wurde zu bauen, verlor mit Ende des Ersten Weltkriegs und der späteren Besetzung des Rheinlands jegliche Daseinsberechtigung.

Die Eisenbahnstrecke wurde nie zu Ende gebaut, heute verläuft ein Teilabschnitt der Autobahn 61 auf der ehemaligen Trasse. Heimatforscher Rudolf Bölkow aus Swisttal-Heimerzheim hat sich für das Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises der Geschichte der "Unvollendeten" angenommen und die historische Entwicklung nachgezeichnet.

"Bereits Ende des 19. Jahrhunderts lagen Pläne vor, die Eifel und ihre Industrie mittels Eisenbahnen zu erschließen und an die großen Bahnstrecken im Rheinland anzubinden", fand Bölkow heraus. So gab es Pläne einer Bahnverbindung von Rheinbach über Ringen nach Sinzig, die ab 1883 als Schmalspurbahn gebaut werden sollte. Wegen zu hoher Kosten wurde die Strecke aber 1901 endgültig abgelehnt.

Als der Güterverkehr jedoch kurz nach der Jahrhundertwende rasant zunahm, mussten neue Schienenwege her. Gerade die linksrheinischen Strecken waren derart überlastet, dass eine Strecke von Holzheim bei Neuss bis Dernau an der Ahr diese entlasten sollte. Dafür musste von Liblar bis Dernau ein neuer Abschnitt her, der 32,3 Millionen Mark kosten sollte. Verlaufen sollte die Strecke von Liblar aus über Weilerswist, Swisttal und Rheinbach bis nach Ringen und Dernau.

Das Planfeststellungsverfahren, damals landespolizeiliche Prüfung genannt, wurde am 11. November 1913 eröffnet. Die Bahntrasse stieß jedoch in Heimerzheim auf Widerstände bei den dortigen Landwirten, die zu weite Umwege zu ihren Feldern fürchteten. Vor allem die beiden Burgbesitzer Albert von Boeselager und Emil von Wülfing wehrten sich dagegen, wurden aber vom Kriegsministerium überstimmt.

Der Trasse wurde auch eine große militärische Bedeutung zugeschrieben, im Frühjahr 1914 begann der Bau. Gleise wurden verlegt, Bahndämme und Brücken gebaut. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Gleise von Liblar bis Ollheim fertig verlegt, die Hochbauten und Bahnhöfe waren jedoch bei Kriegsende 1918 noch nicht fertig. So standen am geplanten Bahnhof Heimerzheim nur die Fundamente des Empfangsgebäudes, eine Unterführung sowie ein Stellwerksgebäude. Weitergebaut wurde in Heimerzheim allerdings nicht mehr.

Nach Ende des Kriegs entfiel der militärische Zweck der Strecke, die französische Regierung wollte die komplette Kontrolle über das linksrheinische Eisenbahnnetz. Zwar wurde die Strecke im Bereich Dernau noch weitergebaut, es handelte sich jedoch um die letzten Atemzüge der Ursprungsplanungen. Wichtige Hochbauten wurden 1926 von den Franzosen gesprengt, als sie sich aus der Region zurückzogen. Die Streckenarbeiten konnten so nicht mehr zu Ende gebracht werden.

Die Bahndämme wurden sich selbst überlassen, die Natur kämpfte sich wieder zurück an die Oberfläche. Nach einigen Jahren wurde zwischen Liblar und Rheinbach ein Radweg auf der Strecke gebaut. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch vereinzelte Versuche, die alte Strecke wiederzubeleben.

Vielmehr entwickelte sich Deutschland in den nächsten Jahrzehnten zu einer Autofahrernation. Neue und größere Autostraßen oder Autobahnen mussten her und so wurde auch der alte Bahndamm ab 1966 wieder genutzt. Es entstand die A 61, die von Bad Neuenahr über Meckenheim und Rheinbach an Swisttal vorbei auf der historischen Eisenbahnstrecke entlangführt. Eine Eisenbahn fuhr hier jedoch nie, die Strecke blieb unvollendet.

Jahrbuch des Kreises

Die gesamte Geschichte der "Unvollendeten" sowie weitere Eisenbahngeschichten aus der Region enthält das Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, das im Buchhandel für 13,50 Euro oder bei Amazon erhältlich ist.

Weitere Informationen sind zu finden unter www.rhein-sieg-kreis.de/jahrbuch. (Sebastian Fink)