Fragen und Antworten

Düngung mit Gülle bleibt Reizthema im Kreis

Seit 1. Februar ist Düngezeit, und die Landwirte in der Region dürfen wieder Gülle auf ihren Feldern aufbringen.

17.02.2014 RHEIN-SIEG-KREIS. Zurzeit stinkt es vielen Menschen im Rhein-Sieg-Kreis, denn die Bauern bringen wieder Gülle aus. Das tun sie schon seit ewigen Zeiten, um ihre Felder zu düngen.

Aber gerade in jüngster Zeit nimmt die Kritik daran zu. Es geht dabei nicht allein um den Gestank, viele Bürger befürchten auch eine zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers durch die einsickernde Gülle. In Rheinbach-Merzbach sorgte das Thema zuletzt für heftige Diskussionen zwischen Landwirten und Anwohnern, wie bei einer Bürgerversammlung im "Merzbacher Hof" deutlich wurde

Ein Ergebnis dieser Versammlung war die Einrichtung eines "runden Tisches" mit den Landwirten am kommenden Donnerstag. Die wichtigsten Informationen zum Thema Gülle hat der GA mit dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV) zusammengestellt.

Was ist Gülle und wofür wird sie verwendet?

Gülle ist eine Mischung aus flüssigen und festen Ausscheidungen von Nutztieren. Die darin enthaltenen Nährstoffe und der Kohlenstoff stellen für Landwirte ein wichtiges Düngemittel dar. Dieses wird mit Verteilwagen auf die Wiesen und Äcker eines Betriebes ausgebracht.

Wann darf Gülle ausgebracht werden und wie viel?

Die Ausbringung von Gülle regelt die Düngeverordnung. Sie lässt grundsätzlich einen Auftrag von 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar aus Gülle zu. Grundsätzlich besteht eine Sperrfrist vom 1. November (Ackerland) oder 15. November (Grünland) bis 31. Januar.

Wer kontrolliert, dass nicht zu viel Gülle ausgebracht wurde?

Für die Kontrolle der Düngeverordnung ist die Landwirtschaftskammer NRW zuständig. "Angesichts des geringen Viehbesatzes in unserer Region ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Landwirt zu viel Gülle ausbringt", sagt Stefan Sallen, Sprecher des RLV. Kontrolliert wird nach Beschwerden auf dem Feld, aber auch die Buchhaltung der Landwirte hinsichtlich des Düngerankaufs.

An wen können sich die Bürger wenden, wenn sie ein Fehlverhalten beobachtet haben?

Zuständig ist auch hier die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW, unter der Rufnummer 0228/7030. "Eine Geruchsbelästigung, die bei einem Naturprodukt gegeben ist, deutet aber nicht automatisch auf ein Fehlverhalten hin", sagt Sallen und empfiehlt, den Landwirt zu fragen, was er dort mache.

Wie wird Gülle gelagert?

Gülle wird in Silos oder unterhalb der Stallgebäude gelagert. Die Anforderung an die Behälter regelt die JGS-Anlagenverordnung (JGS: Jauche, Gülle, Sickersaft).

Wie wird Gülle zur Biogaserzeugung genutzt?

Durch die Vergärung der Gülle wird Methan erzeugt. Dieses wird durch Verbrennung in Gasmotoren zu elektrischer Energie. Das verbleibende Gärsubstrat ist wiederum ein wertvolles Düngemittel. "Die Güllenutzung in Biogasanlagen kann einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten", so Sallen.

Warum kann Gülle das Grundwasser gefährden?

Wird Gülle im Übermaß ausgebracht oder zu den angegebenen Sperrzeiten, in denen die Vegetation die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe nicht aufnehmen kann, können diese in das Grundwasser einsickern. Laut NRW-Umweltministerium sind 40 Prozent des Grundwassers mit Nitrat belastet und ohne Aufbereitung als Trinkwasser nicht zu gebrauchen. "Auch wenn die EU-Kommission aufgrund dieser Problematik ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet hat, darf man nicht verkennen, dass die derzeitigen Regeln hinsichtlich der Dokumentation und Kontrollierbarkeit sehr transparent sind und den Landwirten enge Grenzen setzen", erklärt Sallen.

Wie lässt sich die Umweltgefahr reduzieren?

NRW-Umweltminister Johannes Remmel will den Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft begrenzen. "Ziel muss es sein, zu einem verbesserten Güllemanagement zu kommen. Da ist es wenig hilfreich, wenn unser Umweltminister die Landwirtschaft kriminalisiert und nur die Probleme aufzeigt.

Besser wäre es, wenn er Lösungen aufzeigen würde und Techniken zur Geruchsminderung und effektiven Nutzung von Gülle fördern würde", sagt Sallen. Außerdem könnten Kooperationen zwischen Wasser- und Landwirtschaft wie beispielsweise mit dem Wahnbachtalsperrenverband gebildet und so mögliche Probleme gelöst werden.

Was ist das Problem mit niederländischen Gülletransporten?

In den Niederlanden fällt mehr Gülle an als Fläche zur Verfügung steht. Deshalb wird die überschüssige Gülle zum Großteil nach Deutschland transportiert und an Landwirte, die zu wenig Gülle besitzen, verkauft. Wird die Gülle ordnungsgemäß verwendet, gibt es kein Problem. Bekommt ein Landwirt jedoch Gülle von einem anderen Landwirt, muss er sich auf dessen Angaben verlassen, was noch in die Gülle gemischt wurde. Nur 0,8 Prozent der 2012 im Rhein-Sieg-Kreis ausgebrachten Gülle stammten aus den Niederlanden. (Sebastian Fink)