Hunde-Training

Auf Schnüffelkurs

Lucky hat sein Frauchen Birgit Kaltheier zur gesuchten Person in einer Straßenbahn geführt.

ALFTER/BONN. Fanta kann es kaum erwarten, endlich das Suchwort "Find" zu hören. Denn erst nach diesem Kommando beginnen die Tiere mit dem Spurenschnüffeln. Am Wochenende trainierten auf dem Betriebshof der Stadtwerke in Dransdorf die Personensuche.

Lucky lässt sich nicht an der Nase herumführen. Denn der Fünfjährige ist ein "alter Hase" in diesem Metier. Kaum hat Frauchen Birgit Kaltheier aus Brenig das Kommando "Riech" gegeben und auf einen Stein am Straßenrand gezeigt, ist der Mischling nicht mehr zu halten: Ein kurzer Abstecher links ins Gebüsch, rechts die Abzweigung nehmen - noch mal kurz das Beinchen heben - und ab geht es in die Straßenbahn. Die steilen Stufen nimmt er mit einem Satz und bleibt schließlich vor der "vermissten" Person sitzen. "Gut gemacht", freut sich Birgit Kaltheier, und zur Belohnung gibt es ein Leckerli und viele Streicheleinheiten.

Lucky und sein Frauchen gehörten zu den 24 Mensch-Hunde-Teams aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, die am Wochenende auf Initiative des "Hunde-Freizeit-Treffs" aus Alfter auf dem Betriebshof der Stadtwerke in Dransdorf Mantrailing trainierten. "Das ist eine absolute Höchstleistung für die Tiere", sagt Heike Jung aus Witterschlick. Sie bietet verschiedene Schulungen für Mensch und Tier sowie Seminare, Dummyarbeit und Longieren an. Denn aus eigener Erfahrung weiß die passionierte Hundehalterin, wie schwer es ist, eine Beschäftigung zu finden, die junge, alte, ängstliche oder hektische Hunde gleichermaßen anspricht. "Schnüffeln ist das Zauberwort, denn das tun alle freiwillig und mit Freude." Das Mantrailing erfüllt alle Anforderungen. "Für die Tiere ist das ein großer Spaß. Sie folgen ihrem Geruchssinn und befriedigen mit der gezielten Suche ihren natürlichen Jagdtrieb. Das gehört für uns zu einer artgerechten Haltung dazu", ergänzt Co-Trainer Jörg Lengenfelder.

Er wartet mit Eva Ropertz und der fünfjährigen Fanta etwas abseits auf das Startzeichen. Diesmal hat Heike Jung ein Taschentuch der gesuchten Personen dabei. Seit fast drei Jahren kommt Eva Ropertz mit der braunen Labradorhündin zum Hunde-Freizeit-Treff.

Fanta kann es kaum erwarten, endlich das Suchwort "Find" zu hören. Denn erst nach diesem Kommando beginnen die Tiere mit dem Spurenschnüffeln. Mittlerweile ist starker Wind aufgekommen. "Das erschwert den Tieren die Arbeit enorm", weiß Heike Jung. Denn dadurch würden die Geruchspartikel verweht. Fanta lässt sich dennoch nicht irritieren. Zwar umrundet sie die Stadtbahn zweimal, bevor sie ganz sicher ist und zur offenen Tür rennt. Ein Blick in den Waggon, schon hat sie ihre Zielperson Mirjam Giersen entdeckt. Jetzt hat auch Fanta eine extra Belohnung verdient.

Frauchen Eva Ropertz hat dafür in einer kleinen Box eigens das Lieblingsessen der Hündin mitgebracht: Reis mit Gemüse, Frischkäse und ein wenig Fleisch. Zwar übt Heike Jung das Mantrailing regelmäßig mit den Hunden, diesmal ist das Gelände jedoch eine besondere Herausforderung für die Tiere. Denn sie müssen nicht nur die steilen Stufen in die eigens dafür abgestellte Stadtbahn nehmen, sondern sie müssen sich auch an das laute Zischen der Türen beim Öffnen und Schließen gewöhnen. "Nicht jeder Hund steckt das problemlos weg", weiß die Trainerin. Fanta kennt das allerdings. "Ich bin regelmäßig mit ihr in Bus und Bahn unterwegs", so Eva Ropertz. Und Heike Jung ergänzt: "Ich bin wirklich sehr froh, dass uns die Stadtwerke Bonn die Möglichkeit gegeben haben, hier zu trainieren."

Für den Ernstfall werden die Vierbeiner beim Hunde-Freizeit-Treff allerdings nicht ausgebildet. "Nein", erklärt Heike Jung, "das dürfen wir nicht. Wir trainieren nur so zum Spaß und wollen den Tieren damit eine sinnvolle Beschäftigung geben."

Wie wichtig dies für die Tiere ist, das hat Birgit Kaltheier nach ihrem zweiwöchigen Urlaub erfahren. In dieser Zeit hat niemand mit dem Tier trainiert. "Lucky hat sich wie ein Rowdy aufgeführt und alles gejagt, was sich vor seiner Nase bewegt hat. Ich bin froh, dass er wieder gefordert wird", sagt sie und nimmt ihn von dem Brust- an das Halsgeschirr. Das ist für den Mischling das Zeichen, dass seine Suche jetzt beendet ist.

Mantrailing

Unter Mantrailing versteht man die witterungs- und untergrundunabhängige Sucharbeit eines Hundes nach einem Menschen anhand einer individuellen Geruchsspur. Dafür schnüffelt das Tier an einem Geruchsträger. Das kann ein Stein, Stock, Blatt, Taschentuch oder ein Kleidungsstück des Vermissten sein. Nach mehreren Trainingseinheiten ist das Tier in der Lage, den Geruch der gesuchten Person aus den vielen anderen menschlichen Gerüchen, die seinen Weg kreuzen, herauszufiltern.