Neuer Firmensitz in Oberpleis

Zera verlässt Altstadt in Königswinter

Oberpleis. Für rund sieben Millionen Euro baut die Königswinterer Zera ein hochmodernes neues Gebäude. Die gut 100 Mitarbeiter werden im September den bisherigen Sitz des Traditionsunternehmens in der Altstadt verlassen.

Im ersten Stock sind die Fliesenleger am Werk. Pakete mit Dämmplatten und Mörtelsäcke stapeln sich in einer Ecke, aus einer anderen schallt Radiomusik. In den Lager- und Produktionshallen im Erdgeschoss verlegen Elektriker gerade Kabeltrassen an den beeindruckend hohen Decken.

„Die gesamte Haustechnik ist hier schon etwas aufwendiger als normal – allein aufgrund der Sicherheitsvorschriften“, sagt Horst Joachim Wächter. Der Geschäftsführer der Zähler-Eich- und Reparatur-Anstalt – kurz: Zera – ist derzeit mit einem besonderen Projekt befasst: Nach knapp 100 Jahren in der Altstadt verlagert das Traditionsunternehmen in diesem Jahr seinen Sitz nach Oberpleis.

Der Umzug in den modernen Neubau im Gewerbegebiet Krahfeld ist für Ende September geplant. Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Entscheidung für die Verlagerung des Firmensitzes und den Neubau in Oberpleis fiel. Seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1920 ist die Zera in der Altstadt zwischen Hauptstraße, Kellerstraße und Klotzstraße angesiedelt.

Kunden in allen Teilen der Welt

Rund 5000 Quadratmeter Verwaltungs- und Produktionsfläche verteilen sich auf sechs Gebäude. Schwierige Bedingungen für den Weltmarktführer in der Herstellung von Prüfgeräten, zu dessen Kunden Energieversorger, Labore, Zähler- und Messwandlerhersteller auf der ganzen Welt gehören – von Indien über Uganda bis nach Papua-Neuguinea.

„Der Standort in der Altstadt wäre ein ewiger Kompromiss geblieben“, sagt Wächter. „Ein neues Gebäude bot uns die Chance, Produktionsabläufe zu verbessern und Wege kurz zu machen.“ Auf einer Mitarbeiterversammlung habe man damals die Pläne vorgestellt und – seit 2001 befindet sich das Unternehmen in Mitarbeiterhand – eine Zustimmung von 100 Prozent erhalten.

Auf dem 9600 Quadratmeter großen Grundstück an der Oberpleiser Humboldtstraße, das die Zera der Stadt Königswinter abkaufte, investiert das Unternehmen rund sieben Millionen Euro in den Neubau. „Die Planungen hatten zwölf Monate Vorlauf“, erinnert sich Klaus Nickel, der als Generalübernehmer für den Neubau verantwortlich zeichnet.

Seit dem offiziellen Baustart im vergangenen Juni sei es gut gelaufen, lediglich der nasse Winter habe für ein paar Schwierigkeiten gesorgt, da die Materialien nicht gut getrocknet seien. „In den kommenden Wochen stehen jetzt noch die Putz- und Malerarbeiten an“, sagt Nickel. „Der Termin für die Übergabe des Gebäudes ist für Mitte August geplant. Und das schaffen wir auch.“

Offenes Raumkonzept mit viel Glas

Möglichst hell, frische Luft und kurze Wege: Das waren einige der Vorgaben, die das hochmoderne Gebäude mit einer Fläche von 4700 Quadratmetern, davon ein Drittel für Büro- und Labortätigkeiten, laut Wächter erfüllen sollte. Die graue Außenfassade aus Aluminium wird durch große Fensterfronten aufgelockert.

Die Mitarbeiterkantine mit Außenbereich im linken Teil des Erdgeschosses ist an zwei Seiten vollständig verglast, und auch bei den Besprechungsräumen und Büros im ersten Stock wird nach Möglichkeit auf Türen und gemauerte Wände verzichtet.

„Dahinter steckt die Idee eines offenen Raumkonzepts“, sagt Wächter. „Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass jeder einen ruhigen Arbeitsplatz hat, an dem er konzentriert arbeiten kann.“ Spezielle Glaswände sollen das ebenso sicherstellen wie etwa eine durchdachte Raumaufteilung je nach Stärke des Publikumsverkehrs.

„Das ist natürlich eine große Veränderung zur bisherigen Situation in der Altstadt“, sagt Wächter. „Und wird spannend.“ Spannend wird für ihn auch der bevorstehende Umzug des Unternehmens. Unmittelbar nach Übergabe des Gebäudes soll der neue Standort in Oberpleis bezugsfertig gemacht werden, der eigentliche Umzug ist dann für September geplant – und zwar in drei Stufen.

„Erst werden alle Produktionsmaschinen nach Oberpleis gebracht, im zweiten Schritt das Lager und schließlich die Verwaltung und EDV. Wir hoffen, dass es so gut funktioniert.“ Er selbst freut sich auf das neue Domizil in Oberpleis, „und ich denke, das geht den allermeisten auch so. Aber natürlich ist auch klar: So ein Umzug nach 100 Jahren – das ist ein großer Schritt.“