Interview mit Versicherungsexperten

Zahl der Schadensfälle nach Starkregen nimmt zu

Die Kanäle können die Wassermassen nicht mehr fassen – dieses Bild entstand beim Unwetter 2013 in Oberdollendorf. (Archivfoto)

Die Kanäle können die Wassermassen nicht mehr fassen – dieses Bild entstand beim Unwetter 2013 in Oberdollendorf. (Archivfoto)

Rhein-Sieg-Kreis. Die Zahl der Schadensfälle nach Starkregen hat im Rhein-Sieg-Kreis deutlich zugenommen. Versicherungsexperte Karl-Heinz Ludwig rät dringend zu einer Elementarschadenversicherung.

Deutlich häufiger hat Karl-Heinz Ludwig vom Versicherungsbüro Glaser & Ludwig (Troisdorf) in den vergangenen Jahren mit der Regulierung von Starkregenereignissen zu tun. Mit Ludwig sprach Hansjürgen Melzer.

Wie sehr beschäftigt Sie das Thema Starkregen?

Karl-Heinz Ludwig: Wir haben leider permanent damit zu tun. Zuletzt in Overath, wo vor vier Wochen ein Unwetter zu lokalen Überflutungen führte.

Haben solche Ereignisse zugenommen?

Ludwig: Definitiv ja. Wir spüren deutlich, dass die Schäden in den vergangenen Jahren angestiegen sind. Ich sage immer: Wer heute eine Wohngebäudeversicherung oder eine Hausratversicherung ohne Elementarschadenversicherung abschließt, geht ein sehr hohes Risiko ein, auch im Bereich der Hausratversicherung ist diese Absicherung absolut wichtig. Wir sind nicht mehr sicher. Und die Vorhersagen lauten, dass die Probleme in Zukunft noch mehr werden. Die Schäden sind ja meistens gleich „Kollateralschäden“. In der Regel hinterlässt das Wasser verwüstete Erdgeschosse und Keller sowie nasse Wände. Dazu kommt die Angst vor der anschließenden Schimmelbildung. Der Aufwand, der dann betrieben wird, ist sehr hoch.

Wie reagieren die Versicherungen auf diese Veränderungen?

Ludwig: Als Versicherer müssen wir verantwortungsvoll damit umgehen. Wir haben aber häufig das Problem, dass die Kunden sagen: Wenn das 200 Euro mehr kostet, mache ich das nicht. Dabei sollte jeder eine Elementarschadenversicherung haben, bei der auch jeder Hausrat, der in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, mitversichert ist.

Sorgen Stürme inzwischen für die geringeren Probleme?

Ludwig: Das Starkregen- und Rückstaurisiko hat die Stürme abgelöst. Bei jedem Starkregenereignis geht es meist um größere Schäden, während beim Sturm mal ein paar Dachziegel wegfliegen oder beim Hagel die Rolladen kaputt gehen. Wenn aber Wasser im Spiel ist, ist oft das ganze Haus für einen Zeitraum nicht oder nur bedingt bewohnbar.

Wie teuer ist eine Elementarschadenversicherung?

Ludwig: Das richtet sich ganz nach der Größe des Hauses und der ZÜRS-Einteilung (Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken, Anm.d.Red.). Am Rhein etwa gilt die ZÜRS-Zone 4. Da ist das schon sehr problematisch – aber lösbar.

Was ist, wenn Leute die Elementarschäden nicht mitversichern?

Ludwig: Wenn Leute nicht versichert sind, sind wir die Überbringer der schlechten Nachricht. Diese Einzelschicksale beschäftigen mich immer wieder sehr. Die Menschen sind zwar in den letzten zwei bis drei Jahren sensibler geworden, aber das Problem ist immer noch relativ weit weg. Beim Auto muss es immer die Vollkasko sein, aber beim eigenen Haus ist das oft schwierig.