Pläne für die Stadtentwicklung

Wo Königswinter wachsen soll

Der Ausschuss hat im Juni entschieden, einen Bebauungsplan für eine rund 9,4 Hektar große Fläche nördlich von Vinxel aufzustellen.

Der Ausschuss hat im Juni entschieden, einen Bebauungsplan für eine rund 9,4 Hektar große Fläche nördlich von Vinxel aufzustellen.

Königswinter. Der Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Königswinter hat das „Handlungskonzept Wohnen 2017“ als Leitlinie für die zukünftige Stadtentwicklungspolitik beschlossen. Im Kern geht es darum, Bauland für Familien zu schaffen.

Kernaussage ist, dass Königswinter in den kommenden Jahren ausreichend Bauland vor allem für die Altersgruppen bereitstellen muss, die hier im Vergleich zum sonstigen Rhein-Sieg-Kreis unterrepräsentiert sind – die 30- bis 40-Jährigen, die einen Standort für Häuser oder Wohnungen für ihre Familie suchen. Gleichzeitig müssten altersgerechte Wohnangebote entwickelt werden, damit auch bereits gebrauchte Einfamilienhäuser frei würden.

Um das angestrebte Ziel von 46.000 Einwohnern im Jahr 2035 zu erreichen, müssten bis 2030 rund 2.000 Wohneinheiten gebaut werden, der größte Teil davon bereits bis 2020. Dafür seien rund 80 Hektar Bruttobauland erforderlich. Der Nachfragedruck sei besonders in den nächsten fünf Jahren besonders groß, schwäche sich danach aber ab.

Wenn Königswinter seine Flächen zu spät auf den Markt bringe, würden sich die Wohnungssuchenden in den nächsten fünf Jahren in anderen Gemeinden des zentralen Kreisgebiets niederlassen. Oberste Priorität sollte daher die Entwicklung der Flächen haben, auf denen sich attraktive Wohnungsangebote schnell an den Markt bringen ließen.

Am Mittwochabend ging es um die Frage, wie das Leitziel, eine Außenentwicklung vorrangig in Ortsteilen mit mehr als 2.000 Einwohnern vorzunehmen, zu verstehen sei. In kleineren Ortsteilen sollen demnach zusätzliche Bauflächen im Außenbereich grundsätzlich nur zur Deckung des Bedarfs der ortsansässigen Bevölkerung ausgewiesen werden. Auf Nachfrage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Josef Griese bestätigte die Planungsamtschefin Anya Geider, dass zum Beispiel Vinxel mit seinen 1.700 Einwohnern nicht in diese Kategorie falle, da es dem Allgemeinen Siedlungsbereich des Kirchspiels Stieldorf zuzurechnen sei.

Gegen eine großflächige Bebauung am Ortsrand

„Gerade im nördlichen Siedlungsbereich ist hier eine Erweiterung möglich, wenn wir den Bedarf nachweisen“, sagte Geider. Bürgerverein und Bürgerinitiative Vinxel, die sich gegen eine großflächige Bebauung am Ortsrand einsetzen, appellierten an die Politik, das Handlungskonzept noch nicht zu beschließen. Der Ausschuss hatte im Juni entschieden, einen Bebauungsplan für eine rund 9,4 Hektar große Fläche nördlich von Vinxel aufzustellen.

Beschlossen wurde auch der Bebauungsplan „Kapellenweg West/ Holtorfer Straße“. Dabei handelt es sich um ein rund 4,1 Hektar großes Areal rund um den Hobshof. „Gebaut werden wird auch an Orten, wo die Leute das nicht wollen“, sagte Dirk Lindemann (SPD). Auch Roman Limbach (CDU) betonte, die Politik müsse und werde sich auf Baugebiete festlegen. „Ich kann jetzt schon garantieren, dass wir dabei nicht alle Bürger mitnehmen können.“

Joachim Hirzel (SPD) wies darauf hin, dass die Entwicklung von Baugebieten sich auch an den räumlichen Gegebenheiten orientieren müsse. „Wir haben Ortsteile, die über 2000 Einwohnern liegen, wie Ittenbach, die wegen ihrer Lage am Naturschutzgebiet begrenzt sind“, sagte er. Lutz Wagner (Königswinterer Wählerinitiative) sieht den Bedarf eher nicht so groß wie in der Studie mit 46.000 Einwohnern im Jahr 2035 angenommen.

Dennoch werde seine Fraktion das Konzept mittragen. „Wir werden um die Entwicklung von neuen Baugebieten nicht herumkommen.“ Dass seine Fraktion dies unterstütze, sei jedoch kein Automatismus. Jedes einzelne Baugebiet müsse abgewogen, diskutiert und eventuell auch wieder verworfen werden.

Einig war man sich, dass die im Konzept geforderte Förderung des sozialen Wohnungsbaus einen besonderen Raum einnehmen muss. Bernd Schlegel (FDP) regte an, dafür einen konkreten Anteil festzulegen. Wagner sieht hier „erheblichen Nachholbedarf“. Wie Dirk Lindemann (SPD) verwies er auf die gerade von der städtischen Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG) vorgelegten Zahlen. Hier gibt es eine lange Warteliste.

Josef Griese betonte aber auch, dass Sozialwohnungen nicht überall hingehören würden. „Aufgrund der Infrastruktur passen sie sicher nicht so gut nach Vinxel, sondern eher nach Stieldorf“, sagte er. Die WWG und die Wohnungsbaugesellschaft des Kreises (GWG) planen Mehrfamilienhäuser auf dem Gelände des Erzbischöflichen Schulfonds an der Holtorfer Straße.