„Kunst to go“

Werke im Kleinformat im Königswinterer Kunstkiosk

Stellen im Kunstkiosk aus (v.l.): Rolf Wernicke, Willi Reiche, Doris Schmitt und Ilse Wegmann.

Stellen im Kunstkiosk aus (v.l.): Rolf Wernicke, Willi Reiche, Doris Schmitt und Ilse Wegmann.

KÖNIGSWINTER. Wer ein besonderes Last-Minute-Geschenk braucht, findet es an diesem Samstag im Kunstforum Palastweiher: Dort gibt es kleine Kunst für den kleinen Geldbeutel. Bis Ende Januar stellen dort vier Künstler aus.

Ein Kiosk der besonderen Art ist im Kunstforum Palastweiher geöffnet: Statt eines bunten Sammelsuriums aus Zeitschriften, Süßigkeiten, Getränken und anderen Kleinigkeiten gibt es dort ein sehr viel kunstvolleres Sortiment – „kleine“ Kunst für den kleinen Geldbeutel, aber auch monumentalere Werke.

Und ganz gleich welches Format: Großartig ist eigentlich alles, was es in den Räumen in lauschiger Atmosphäre bei einem Glas Glühpunsch und Weihnachtsplätzchen zu entdecken gibt. Gleich vier Künstler zeigen im Winterkiosk, der noch bis zum 26. Januar 2019 geöffnet ist, ihre Arbeiten: Willi Reiche, Doris Schmitt, Ilse Wegmann und Rolf Wernicke.

Letzterer hat den Kunstkiosk vor vielen Jahren maßgeblich mit ins Leben gerufen und auch das Schaufensterregal aus alten hölzernen Schulbänken zusammengezimmert. „Die Räume sind ja sehr klein, wie in einem Kiosk eben, aber dafür ist durch die Enge auch die Atmosphäre eine ganz besondere“, sagt Wernicke. Künstler und Besucher kämen hier viel leichter miteinander ins Gespräch, als das in großen Galerien der Fall sei.

Fotografische Farbzeichnungen

Wernicke selber hat auch gleich eine bunte Auswahl seiner Arbeiten mit in den Kunstkiosk gebracht: originelle Zeichnungen, Gemälde und Fotografien, wie zum Beispiel aus der Serie „Tiergeister“. Fast wie gemalt wirken die kleinformatigen Bilder von Doris Schmitt, die allerdings nicht mit dem Pinsel entstanden sind. Vielmehr handelt es sich um fotografische Farbzeichnungen: Drachen, Fahrräder oder auch Katzen sind auf den postkartengroßen Arbeiten zu sehen.

Die Motive sind Teil der uralten Qingming-Tradition, bei der die Chinesen ihrer verstobenen Vorfahren gedenken. Schon allein aufgrund des Verkaufspreises handelt es sich bei den farbenfrohen Originalen in limitierter Auflage um echte „Kunst to go“.

Besonders gut in das Kiosksortiment passen auch die Arbeiten von Ilse Wegmann. Von ihr stammt unter anderem die originelle Sammlung alter Pariser Metro-Karten, jeweils einzeln liebevoll gerahmt. Die gelben Tickets mit dem braunen Streifen auf der Rückseite, die früher in den öffentlichen Verkehrsmitteln abgestempelt werden mussten, gibt es längst nicht mehr.

Alte Metro-Tickets aus Paris

„Das sind heute absolute Raritäten“, sagt Wegmann schmunzelnd. Aber jeder, der vor vielen Jahren einmal in Paris war, kenne diese Tickets – und jedes erzählt eine eigene Geschichte. Manche sind mehrfach gestempelt, andere einfach gelocht, wieder andere mit einem Schuhabdruck versehen, weil sie vielleicht auf den Boden gefallen sind.

Auch Willi Reiche sammelt Dinge, die keiner mehr braucht, allerdings sehr viel größere und schwerere. Auf seinem privaten Schrottplatz zu Hause lagern unzählige Bestandteile alter Maschinen, landwirtschaftlicher Geräte und Fahrzeuge. Aus den „Innereien von Allerweltsgeräten“ baut Reiche kinetische Kunstwerke – seine „Kunstmaschinen“.

Drei davon hat der Bonner mit nach Königswinter gebracht, unter anderem das Modell mit dem Namen „Kaiserstern“ – zusammengebaut aus dem Vorschub eines Strohhäckslers, dem Metallstern einer alten Egge und dem Radlager eines Autos. Alles dreht und bewegt sich, geräuschlos angetrieben von einem Zwölf-Volt-Motor.

„Mich fasziniert diese Ästhetik der Bewegung“, sagt der Künstler. Dank geschickter Beleuchtung entsteht zudem auf der weiß getünchten Wand, vor der das mannshohe Objekt steht, ein faszinierendes Licht-und-Schatten-Spiel.