Barbara Belin zeigt ihre Arbeiten im Atelier Meerkatze

Werden, Wachsen, Vergehen

"Inverno" hat Barbara Belin ihre Installation genannt, die in der Meerkatze zu sehen ist.

"Inverno" hat Barbara Belin ihre Installation genannt, die in der Meerkatze zu sehen ist.

KÖNIGSWINTER. Setzen die Winzer im Tessiner Maggiatal die nach der Ernte abgeschnittenen Reben in Brand, hängt ein eigenartiger Geruch in der Luft. Für Barbara Belin ist die dann von leichter Melancholie geprägte Atmosphäre das markante Zeichen für den Anbruch des Winters.

"Zeitenwende" nennt die Schweizer Künstlerin ihre Ausstellung im Atelier Meerkatze. Und mit der Installation "Inverno" hat sie dieses Gefühl aufgegriffen.

Das auf einem Sockel ruhende Rebenbündel tauchte sie in schwarzes Pigment. In Beziehung dazu stehen die beiden Bilder in Schwarz auf Weiß - direkt neben der Meerkatze-Glastür zum kleinen Garten, dessen Blumen ebenfalls gerade die Kraft des Sommers verlieren. Ein idealer Platz für dieses "Winter-Werk".

Barbara Belin arbeitet in Zürich und in dem kleinen Ort Someo im Maggiatal, wo sie mit ihrem Lebensgefährten Edy Brunner, der im Frühjahr 2014 in der Meerkatze imposante Fotografien zeigte, eine alte Tischlerei renoviert und in ein Atelier umgewandelt hat. Vor allem in ihrem Garten findet sie die Inspiration für ihre Werke. "Meine Arbeit befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen dem Vergänglichen, der Zeitlosigkeit und dem steten Fließen der Zeit.

Werden, Wachsen, Vergehen, die wechselnden Stimmungen und Lichtverhältnisse der Jahreszeiten lassen mich immer wieder staunen. Von den Samenkapseln über Wurzelteile bis zu den Rebhölzern sammle ich alles - zeichnend und malend transformiere ich, was ich sehe", erklärt Barbara Belin, Jahrgang 1946. Die Tochter eines Düsseldorfer Ehepaares wurde in Kingston/Jamaika geboren, wuchs in Deutschland und der Schweiz auf, studierte an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich, besuchte die Internationale Sommerakademie in Salzburg und absolvierte später noch eine intensive Ausbildung in grafischen Drucktechniken.

Dozentin der freien Malerei

Sie lebte viele Jahre in Südostasien und in den Vereinigten Emiraten. Seit 20 Jahren ist sie selbst Dozentin in freier Malerei in der Schweiz und in Italien. Ihre Arbeit als Textildesignerin in den siebziger Jahren scheint sich in einigen Werken widerzuspiegeln, die wie Stoff anmuten und in gedruckter Form auf Baumwolle das Zeug fürs Lieblingskleid hätten. Mit dem Titel "Zeit und Klang" versah Barbara Belin die Wandinstallation der großen Ausstellungsfläche der Meerkatze - das zentrale Werk dieser Schau mit exakt gehängten rechteckigen Einzelbildern.

Zeit ist nicht darstellbar, aber sie hinterlässt ihre Spuren. Auf subtile Weise und handwerklich perfekt hat Belin dieses Werden und Vergehen der Natur festgehalten. Ihre Technik: Die Malerin reibt Pigmentfarben auf Pappelholz oder auf Leinwand, zeichnet darauf, radiert aus. Mit Tuschestiften auf Papier gemalt, erinnern die kleinen Bilder unter dem Motto "Mon Jardin - Mein Garten" an fernöstliche Zeichnungen. Zudem werden Ölbilder präsentiert. "Auch diese in der ihr eigenen geistigen Handschrift", sagt Meerkatze-Galerist Axel Wendelberger begeistert.

Die Ausstellung "Zeitenwende" in der Meerkatze, Meerkatzstraße 2, wird heute, 24. Oktober, um 18 Uhr eröffnet. Sie ist zu sehen am Sonntag und Montag, 25. und 26. Oktober, 14 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung bis zum 14. November. Kontakt: axel@wendelberger.com; Tel. 0 22 23/2 95 86 00.