Ausstellung im Atelier Meerkatze

Wellen schwappen durchs Fachwerkhaus

Ansgar Skiba stellt ab Samstag einige seiner Gemälde im Atelier Meerkatze in Königswinter aus.

27.08.2015 KÖNIGSWINTER. Er macht die große Welle. Mehr als eine Tonne Farbe hat er pro Jahr zwischen den Fingern. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn Ansgar Skiba malt nicht mit dem Pinsel, sondern trägt die Farben mit Händen und mit Pinselstielen auf.

Sehr großzügig, denn der pastose Farbauftrag, wie ihn schon Tizian oder El Greco pflegten, ist auch das bevorzugte Stilmittel Skibas. So entstehen auf der Leinwand Wucherungen, Schluchten und Schrunden aus zähflüssiger Farbe.

Werke des in Düsseldorf lebenden Künstlers befinden sich in Sammlungen namhafter Museen. Jetzt sind seine Arbeiten auch im Königswinterer Atelier Meerkatze unter dem Motto "Wasser und Berge" zu sehen. Dem Charakter des kleinen Fachwerkhauses entsprechend, zeigt Skiba hier kleinformatigere Bilder.

Auf die mehrere Meter breiten Wellen-Formate muss er verzichten. Stattdessen gelang ihm durch eine geschickte Petersburger Hängung gleich auf der Schokoladenwand im Meerkatze-Foyer eine eindrucksvolle Präsentation von Naturbildern.

Mitte der 1990er-Jahre gewann dieses Thema für den gebürtigen Dresdner, Jahrgang 1959, immer mehr Bedeutung. Die Askia-Schlucht in Irland, gefrorene Wasserfälle, Wellen, Lavaküste, Hochland, Rheinlandschaft, Alpensee und Gebirgskamm: Seine Bilder erzählen eine Geschichte, und der Betrachter absolviert eine kleine Reise durch verschiedene Landschaften, während er von unten oder von der Galerie des Fachwerkhauses diese eine Wand in Augenschein nimmt und in die Welle abtauchen möchte.

So wie der Künstler. Er geht in die Natur, gern auch bei Nacht, gibt sich ihr hin, verinnerlicht Ansichten, um sie später im Atelier in Öl zu komponieren. Manchmal malt Skiba auch draußen, aber sämtliche Zeichnungen sind "Freiland-Gewächse".

Ansgar Skiba ist Anhänger von Pleinair und befindet sich damit ganz in der Tradition der französischen Impressionisten. Wenn er die Landschaft durchstreift, dann nur mit Papier, Silberstift und Kohle. Die dabei entstehenden Zeichnungen sind jedoch nicht als Dokumentationen der Landschaft oder als Skizze für spätere Ölgemälde gedacht, sondern völlig autonom. So entstand in einer Mondscheinnacht auf einer Bank auf dem Rolandsbogen eine Zeichnung vom Drachenfels im silbrigen Schein.

Dieses Werk befindet sich neben der Tür zum verwunschenen Garten des urigen Hauses von 1749. Wer den oberen Bereich der Meerkatze durchstreift, taumelt in einen Farbrausch. Tulpen, Magnolien, Schwertlilien und Anemonen explodieren geradezu auf der Leinwand. Der opulente Einsatz von Farben mit bisweilen überzeichneten Kontrasten wirkt nahezu göttlich, zeigt überbordendes Wachstum und die Kraft der Natur.

Die hat Skiba schon als Fünfjähriger kennengelernt, als er nach dem Umzug von Dresden nach Radebeul seinen eigenen Garten bekam und dort werkelte. "Das gab mir Beständigkeit fürs Leben", sagt der Künstler. Er bestand mit 16 Jahren die Eignungsprüfung für die Hochschule für Bildende Künste Dresden, wo er bereits im Alter von 13 Jahren ein Abendstudium begann.

1982 reiste die gesamte Familie allerdings in den Westen aus und Skiba setzte sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie fort. Arbeitsstipendien im In- und Ausland folgten. Heute ist er auf Motivsuche in der ganzen Welt.

Die Ausstellung im Atelier Meerkatze, Meerkatzstraße 2, wird am Samstag, 29. August, um 19 Uhr eröffnet - mit einer Solo-Performance des Perkussionisten Pit Gutmann. Die Bilder sind bereits ab 15 Uhr zu sehen, außerdem am Sonntag und Montag, 30. Und 31. August, jeweils von 12 bis 18 Uhr. (Roswitha Oschmann)