Nach 14 Jahren

Vizebürgermeister von Königswinter hört auf

Königswinter. Sokratis Theodoridis hat den Königswinterer Bürgermeister 14 Jahre lang als Vize vertreten. Am Sonntag ist er 78 Jahre alt geworden - Zeit zum Aufhören, sagt er.

Wie viele Ausstellungen er in den vergangenen 14 Jahren eröffnet hat, hat er nicht gezählt. Auch nicht, wie oft er zu Vereinsjubiläen gratuliert, Grußworte überbracht oder Prinzenpaare proklamiert hat. Da dürften schon etliche zusammengekommen sein, sagt Sokratis Theodoridis. Manchmal waren es vier oder fünf an einem Tag.

Seit dem 14. Oktober 2004 ist er erster stellvertretender Bürgermeister der Stadt Königswinter. Am Montag hat er sein Amt auf eigenen Wunsch niedergelegt. „Alles hat seine Zeit“, sagt der gebürtige Grieche, der am Sonntag 78 Jahre alt wurde. „Und auch einmal ein Ende.“

Privat mag es Theodoridis lieber bequem. Dunklen Anzug und Krawatte trug er stets bei seinen Auftritten als Stellvertreter des Bürgermeisters. In seiner Wohnung in Oberpleis sitzt er entspannt im Pullover am Essplatz und lässt die vergangenen Jahre Revue passieren. Nicht ohne ab und zu bei seiner Frau Marietta nachzufragen. „Sie hat einfach alle Zahlen im Kopf“, sagt er und lächelt charmant. „Meine Frau vergisst nie etwas.“

Aus Thessaloniki nach Deutschland

1958 hat er seine spätere Frau kennengelernt, damals studierte Theodoridis Politische Wissenschaften in Erlangen. Mit 18 Jahren war er aus Thessaloniki nach Deutschland gekommen, im Gepäck Sprachkenntnisse in Latein, Alt- und Neugriechisch und Französisch, aber kaum in Deutsch. „Er hatte immer sein Wörterbuch dabei“, erinnert sich seine Frau. „Wenn er etwas nicht verstand, hat er gleich immer alles nachgeschlagen.“

Ein Stellenangebot an der griechischen Botschaft in Bonn führte das Paar schließlich ins Rheinland. Und in den Oberhau. „Wir haben damals ein Zuhause gesucht und sind herumgefahren“, erinnert sich Theodoridis. „Dann sah ich das Haus in Eudenbach, und die Würfel waren gefallen.“

Insgesamt 34 Jahre lebten die beiden dort. Und fassten schnell Fuß, was für Zugezogene nicht immer selbstverständlich ist. Ein gutes Ortsleben sei es gewesen, sagen sie. Man kannte und schätzte sich. Und plötzlich war Theodoridis Erntekönig im Oberhau, 1996 dann sozusagen der „Ritterschlag“: Als Sokratis I. und Marietta I. übernahm das Paar das Zepter über das Eudenbacher Narrenvolk.

Ein Grieche als Karnevalsprinz? Mit einer fränkischen Karnevalsprinzessin? Beide müssen schmunzeln. „Ich hatte zunächst nicht so richtig Ahnung, was mich da erwartet“, gibt Theodoridis zu. „Aber alle haben mir gut zugeredet und gesagt: Du schaffst das. Und es war eine wunderschöne Zeit, die wir beide nicht missen möchten.“

Als Krokodil Schnappi im Karneval

Überhaupt, der Karneval. Als Theodoridis, damals schon seit einigen Jahren CDU-Stadtratsmitglied, bei den Kommunalwahlen 2004 ein sehr gutes Wahlergebnis in Eudenbach erzielte, kam die Partei mit der Frage auf ihn zu, ob er das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters übernehmen könnte. Theodoridis konnte und wollte. Und hatte damit künftig auch den einen oder anderen bühnenreifen Auftritt: beim Bürgermeistertanz zu Weiberfastnacht. Legendär etwa seine Gastspiele als „Schnappi, das Krokodil“ oder als aufgeblasener WM-Ball im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

„Ja, ich musste da manchmal schon schlucken, als ich die Kostüme gesehen habe“, sagt er. Dann schiebt er seine Brille zurecht und grinst verschmitzt. „Aber dann habe ich mich mit meinem Los abgefunden, ein paar Mal mit den anderen geprobt, und es war immer recht unterhaltsam.“

Eher unterhaltsam als ärgerlich findet er es übrigens auch, dass sein Name vielfach variiert wird: „Ich sehe das so: Wenn ein Günther nach Griechenland kommt, könnte dort auch niemand dessen Namen richtig aussprechen. Er wäre immer 'Gunther', weil es im Griechischen den Buchstaben ü nicht gibt.“

Vor drei Jahren zog das Paar von Eudenbach in die Wohnung nach Oberpleis. „Unsere beiden Kinder waren aus dem Haus“, sagt Marietta Theodoridis. „Und der Garten für uns beide zu groß, wir werden schließlich auch nicht jünger.“ Die 79-Jährige und ihr Mann haben keine großen Pläne für die Zeit nach der Amtsniederlegung. „Wir wollen uns noch ein paar schöne Jahre machen“, sagt Sokratis Theodoridis. Und ergänzt wieder charmant: „Und ich werde mich ganz der Liebe zu meiner Frau widmen.“