Lange Tradition

Vier Tage lang Laurentius-Kirmes in Oberdollendorf

Eindrucksvolles Bild: Nach der Messe ziehen viele Oberdollendorfer, die Junggesellen und die Männerbruderschaft durch den Ort.

Eindrucksvolles Bild: Nach der Messe ziehen viele Oberdollendorfer, die Junggesellen und die Männerbruderschaft durch den Ort.

Oberdollendorf. Vier Tage feiert Oberdollendorf die Laurentius-Kirmes mit Paraden und Prozessionen. Die Bruderschaft, die das Fest zu Ehren ihres Pfarrpatrons ausrichtet, besteht im 360. Jahr.

Die Stimme von Hauptmann Kevin Bracke, mit dem dicken Federbusch am Hut, hallt durch die Kirchbitzgasse: „Festzug halt! Links um, Gewehr ab, rührt Euch!“ Oberdollendorf im Ausnahmezustand: Böllern, Beiern, Bälle, historische Umzüge, Festhochamt mit Pfarrer Dariusz Glowacki und Fahnenschwenken, Prozession und Parademarsch bestimmen das Bild des Weinortes an diesem Wochenende. Jede Gasse ist mit Wimpelketten geschmückt, denn die Oberdollendorfer feiern ihre Laurentius-Kirmes – vier Tage lang. Tradition wird hier eben groß geschrieben.

Auch im 360. Jahr ihres Bestehens richtet die Sankt Sebastianus-Junggesellenbruderschaft 1659 Oberdollendorf das Fest zu Ehren ihres Pfarrpatrons, des heiligen Laurentius, aus. Und: Am heutigen Montag geht es weiter mit dem Königsvogelschießen auf der Wiese von Weingut Sülz.

Knöppelchesjonge starten morgens um 5 Uhr

Viele Oberdollendorfer lassen es sich nicht nehmen und machen Urlaub an diesem Kirmesmontag. Bruderschafts-Präsident Marcel Herzog brachte es auf den Nenner: „Wir sind dankbar, dass in unserem Ort alle mitmachen und wir an alten Traditionen festhalten können. Kirmes in Oberdollendorf ist nicht einfach nur ein Fest – Kirmes is e Jeföhl!“ Ein Gefühl mit Gänsehautcharakter, von dem sich alle anstecken lassen.

Auch wenn am Sonntag bereits morgens um 5 Uhr die Knöppelchesjonge um Leiter Marc Jäger die Vorstandsmitglieder und Majestäten an etwa 25 Orten im Dorf musikalisch weckten. „Wir bringen extra das Hörnchen mit zum Weckruf, dem Reveille.“ Mehrere Stunden ging das so. Auch die Decke Musik mit elf Aktiven um Jürgen Winzen, der das bereits seit 27 Jahren macht, begleitet die Junggesellen durch die Kirmestage.

Die Musiker waren nicht nur am Samstagnachmittag beim Abholen und den Ständchen für die einzelnen Chargierten dabei, sondern etwa auch beim gemütlichen Abend zusammen mit „Schläder, Schmitz & Brackelsberg“. Zum Auftakt der Festivitäten und der Vogeltaufe wurde aber im Weingut Blöser zunächst eine Schweigeminute für Dirk auf der Mauer eingelegt. Der König von 1996 war eine Woche vor der Kirmes im Alter von 46 Jahren plötzlich verstorben. Anschließend tauften die Junggesellen den von Christian Franz gebauten Königsvogel auf den Namen „Joma“ – nach den Töchtern Johanna und Maria des Silberkönigspaares Jörg und Ursula Lauf.

Rolf-Peter und Christel Lohmar haben diesmal Goldjubiläum. Mit bei der Taufe dabei: Josef (82) und Hella Blöser (78). Das Paar feiert in diesem Jahr sogar sein diamantenes Königsjubiläum und stand am Sonntagabend beim Jubiläumsball im Festzelt im Mittelpunkt. 1959, als die Bruderschaft ihr 300-jähriges Jubiläum feierte, waren die beiden Königspaar wie bereits ihre Eltern: Josef Blöser und Agnes Broel in den Jahren 1927 bis 1929 sowie Paul Schmitz und Margarete Proff von 1929 bis 1930. 1963 heiratete das Winzerehepaar dann.

Männerbruderschaft im festlichen Ornat

Und auch die Kinder Bernd und Ursula kamen zu Königswürden. „Wir glauben und hoffen, dass wir hier vor Ort etwas mit bewegt haben, das unser Leben mit geprägt hat. Wir durften die lange Zeit hier in Oberdollendorf leben, Menschen ansprechen, uns mit ihnen unterhalten, mit ihnen unsere Weine probieren und genießen“, so Josef Blöser, der seit der Hochzeit zur Männerbruderschaft gehört. Apropos Männerbruderschaft: Die zog ebenfalls im festlichen Ornat bei der Prozession nach der Messe mit durch den Ort.

Die Junggesellen vor dem Allerheiligsten, die Männer dahinter. Junggesellen-Brudermeister Kay Bracke betete dabei den glorreichen Rosenkranz. Die Fähnriche Lucas Körner und Philipp Brüßler traten zur großen Freude der Kirmesbesucher ebenfalls während der vergangenen drei Tage in Aktion – zu Ehren der Geistlichkeit und der Bevölkerung von Oberdollendorf und Römlinghoven.

An diesem Montag werden der König von 2018, Maximilian Schmitz, und seine Königin Antonia Hübenthal nach einem Jahr Königskette und Diadem an ihre Nachfolger abgeben müssen – eine schöne Zeit geht dann für sie zu Ende. Um 11 Uhr beginnt das Vogelschießen. Am Abend nach Krönung und Parade steigt der Krönungsball im Festzelt.

Um Mitternacht darf dann endlich der Kirmeskerl zum Tanz in Erscheinung treten. Die Schlussoffiziere Florian Brüßer und Maximilian Thing hatten ihn bereits am Donnerstagabend gebaut und getauft und dann unter Verschluss gebracht, denn in der Vergangenheit wurde er bereits stibitzt. Dabei muss er doch für alle Geschehnisse im Dorf die Verantwortung übernehmen, bevor er am Dienstagabend im Weinberg verbrannt wird.