Ausblick auf 2015 in Königswinter und Bad Honnef

Vertagt, verschoben, verwaltet

SIEBENGEBIRGE. 2015 könnte ein richtig gutes Jahr werden. Nach zwölf Monaten, in denen es bei vielen großen Projekten keine Entscheidung gegeben hat, steigt allein die statistische Wahrscheinlichkeit, dass das neue Jahr in dieser Hinsicht erfolgreicher wird. Wir haben da allerdings keine allzu große Hoffnung. Ein Ausblick mit Augenzwinkern.

Bäderlandschaft: Nach fast acht Jahren glauben wir nicht mehr daran, dass bei den Bädern noch eine Lösung gefunden wird. Wir gehen davon aus, dass das alte Königswinterer Hallenbad vorher in sich zusammenstürzt. Oder das Wasser ausläuft, weil sich tiefe Risse im Beckenboden bilden.

Im Frühjahr 2014 sprang der Investor mit dem besten Angebot für einen Neubau ab, weil er kurz vor Vertragsunterzeichnung Muffensausen wegen der Finanzierung bekam. Nun muss der zweitbeste Bieter, Rösgen aus Oberpleis, sein Angebot noch einmal aus der Schublade holen, weil man in Königswinter ja unbedingt eine Öffentlich-Private Partnerschaft haben möchte.

Dabei hat man fast den Eindruck, dass Rösgen erst zum Jagen getragen werden muss. Wenn sein Angebot nicht gut genug ist oder der Standort Oberpleis nicht so recht vermittelbar sein sollte, könnte aber - wie durch ein Wunder - doch noch die Sanierung zum Thema werden. Denn die wäre gar nicht so teuer, wie ein neues Gutachten zeigt. Sollte am Ende doch saniert werden, dann aber bitte schnell - siehe oben. Das alte Hallenbad hält nicht mehr lange durch.

FOC: Vor einem Jahr pilgerten die Königswinterer Politiker noch nach Ochtrup wie ins gelobte Land. Sie wollten sich dort anschauen, wie ihre Altstadt mit einem Factory Outlet Center in Zukunft aussehen könnte.

Die Erkenntnis der Pilgerreise: Auch in Ochtrup ist längst nicht alles Gold was glänzt. Den heiligen Gral sucht man auch dort noch vergebens. Gesucht wird auch noch eine Unterschrift des Investors unter eine Vereinbarung mit der Stadt.

Doch der wird wohl nie die Erschließungskosten zahlen, was Verwaltung und Politik aber gerne hätten. Politiker wären keine Politiker, wenn sie nicht Angst hätten, in der Öffentlichkeit nicht gut dazustehen. Das ruft bei ihnen regelrechte Beklemmungen hervor.

Also muss man nun schauen, wie man sich mit Anstand von dem trennt, den man vor nicht allzu langer Zeit noch als Heilsbringer gesehen hat. Für die Altstadt ist auch 2015 keine echte Perspektive erkennbar. Weiter wird ein Gralshüter gesucht, der dem geschundenen Stadtteil Glückseligkeit bringt.

Ashok Sridharan: Was bedeutet es für Königswinter, wenn der Erste Beigeordnete im September 2015 in Bonn zum Oberbürgermeister gewählt werden sollte? Die loyale Antwort, untermalt von lautem Schluchzen, kann da nur lauten: Was für ein herber Verlust, wenn der Kämmerer die Stadt nach 13 Jahren verlässt.

Manch einer in Königswinter, das ja zum Rheinland gehört, könnte aber auch sagen: "Joot, dat er fott is." Gleichzeitig ist man aber gerne bereit, den Bonnern ein bisschen Entwicklungshilfe zu leisten. Die erste Lektion könnte sein: Was ist ein ÖPP-Projekt? Danach könnten die Bonner ihrem OB wie aus der Pistole geschossen antworten: Eine Öffentlich-Private Partnerschaft, Herr Sridharan! Eins, setzen.

Windpark: Auch vom Windpark am Asberg mag noch keiner öffentlich Abschied nehmen - obwohl dank eines brütenden Uhus mitten im Gelände kaum noch Platz für Windrädchen ist. Und dann befinden sich die Forscher ja auch noch auf der Suche nach Geldbauchunke und Fledermaus. Irgendwo wird doch so eine kleine Amphibie herumspringen. Die wird dann von den Windkraftgegnern geküsst und zum stolzen Prinzen vom Asberg gekürt.

Landesgartenschau: Blühende Landschaften in Bad Honnef - das wünschen sich die Kommunalpolitiker so sehr. Die Landesgartenschau soll die Stadt beflügeln und Geld in die leere Kasse spülen. Sind nicht auch im Ruhrgebiet neue Parks entstanden, quasi aus Ruinen? Und Leerstände und Ruinen hat Honnef ja genug. Fazit: Die Voraussetzungen sind bestens.

Erster Beigeordneter: Bad Honnef sucht den Superbeigeordneten - und keiner will es werden. Seit 2011 ist die Stelle des Ersten Beigeordneten in der Stadt unbesetzt. Erst bewusst, nun unfreiwillig.

Denn obwohl es zunächst durchaus talentierte Bewerber gab, bekam einer nach dem anderen ein besseres Angebot. Von einer größeren Plattenfirma quasi. Nun muss neu überlegt werden. Vielleicht setzt man besser gleich auf eine Band.