Auf den Spuren des berühmten Urgroßvaters

Urenkelin von Richard Wagner besucht Nibelungenhalle

Auf den Spuren Richard Wagners. Hoher Besuch in der Nibelungenhalle: Juliane Berg (v.l.), Ägidius Strack, Odina Diephaus, Eva Wagner-Pasquier und Marlies Blumenthal.

Auf den Spuren Richard Wagners. Hoher Besuch in der Nibelungenhalle: Juliane Berg (v.l.), Ägidius Strack, Odina Diephaus, Eva Wagner-Pasquier und Marlies Blumenthal.

KÖNIGSWINTER. Eva Wagner-Pasquier, Urenkelin von Richard Wagner, hat die Nibelungenhalle am Drachenfels besucht. Dei Wagner-Gesellschaft hat eine Spende für die Restaurierung der Bilder überreicht.

Leise „Rheingold“-Klänge von Richard Wagner in der Nibelungenhalle. Und in der Ruhmeshalle für den Schöpfer der Oper „Ring des Nibelungen“ Besuch: Hausherrin Marlies Blumenthal empfing Wagners Urenkelin Eva Wagner-Pasquier. Erstmals besichtigte ein Mitglied der Wagner-Familie den Kuppelbau, der zum 100. Geburtstages des Komponisten 1913 durch die Richard-Wagner-Gesellschaft im Jugendstil errichtet und in den vergangenen Jahren umfassend restauriert wurde.

Eva Wagner-Pasquier kam 155 Jahre nach ihrem Urgroßvater nach Königswinter. Richard Wagner bestieg im Sommer 1862 zusammen mit Hans von Bülow und dessen Gattin und späteren Frau Wagners, Liszt-Tochter Cosima, den Drachenfels. Mit dem Dampfschiff waren sie in Bingen gestartet, machten in Remagen und Rolandseck Station und besuchten jenen Berg, an dem Siegfried der Sage nach den Drachen getötet haben soll. Damals war Wagner nach zehnjährigem Exil wieder auf deutschen Boden zurückgekehrt, wohnte in Biebrich und hatte die Arbeit an den „Meistersingern“ aufgenommen.

Leitung der Bayreuther Festspiele

„Überwältigt, was man für den Meister alles gemacht hat“, zeigte sich Eva Wagner-Pasquier beeindruckt, die von der Ehrenvorsitzenden der Richard-Wagner-Gesellschaft Koblenz, Odina Diephaus, und Vorstandsmitglied Juliane Berg begleitet wurde. „Das Gefühl habe ich weltweit. Wo war Wagner nicht? Das gehört zu meinem Leben. Aber es ist großartig, dass er mit Cosima und Hans von Bülow hier war.“

Eva Wagner-Pasquier, die von 2008 bis 2015 zusammen mit ihrer Halbschwester Katharina Wagner die künstlerische Leitung der Bayreuther Festspiele hatte, ist nach dem Ausscheiden aus diesem Amt als Beraterin der Festspiele tätig und kümmert sich international um den Kontakt zu den Wagner-Verbänden – quasi als Botschafterin. Insbesondere die Idee der Stipendiaten, die von Richard Wagner 1882 geboren und von Franz Liszt finanziell umgesetzt wurde, unterstützt sie.

Die Verbände schlagen rund 250 Stipendiaten jährlich vor und übernehmen auch die Kosten für deren Besuch der Festspiele; später stehen viele von ihnen selbst auf der Bayreuther Bühne. Wagner-Pasquier: „Das ist das Wichtigste an meinem Engagement.“ Blumenthal zeigte den Besucherinnen die Gemälde Hermann Hendrichs zu den vier Ring-Opern. „Sie sind Hauptbestandteil der Halle.“

Kosten von mehreren Tausend Euro pro Bild

Allerdings: „Der Bilderzyklus ist in einem erbärmlichen Zustand, die Firnis hat sich aufgelöst, die Motive sind zum Teil verwaschen“, klagte Ägidius Strack, der als Projektleiter die Sanierung von Schloss Drachenburg, des Plateaus und auch der Nibelungenhalle umsichtig geleitet hatte und nun auch den letzten Teil, die Restaurierung der Bilder, noch umsetzen möchte. Der zum Ritter vom Siebengebirge geschlagene Denkmalexperte berichtete den drei Frauen von den Arbeiten am Berg und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

„Die Nibelungenhalle war in einem unfassbar schlechten Zustand, war einsturzgefährdet, das Dach undicht.“ Nach langen Voruntersuchungen – die Denkmalpflege stufte den Bau als einmalig ein – konnte dann begonnen werden. Und zum 200. Geburtstag Wagners war die Nibelungenhalle wieder ein Schmuckstück.

Durch die bauliche Restaurierung herrscht auch ein ausgezeichnetes Klima für Bilder in der Halle. „Hier wäre jetzt fast eine Kandinsky-Ausstellung möglich“, scherzte Ägidius Strack. Er möchte auf alle Fälle die Restaurierung der Bilder als Gesamtpaket vornehmen und rechnet mit Kosten von mehreren Tausend Euro pro Bild – abhängig vom Zustand. Strack: „Es ist mir ein Anliegen, diese Restaurierung in den nächsten zwei Jahren zu realisieren. Das ist noch einmal eine große Herausforderung, in konservatorischer, aber auch in finanzieller Hinsicht. Die Gesamtfinanzierung ist dazu noch offen, zumal die Bauförderprogramme von Bund und Land diesmal nicht infrage kommen.“

Spenden sind erwünscht

Spenden sind also erwünscht. So hatte sich Odina Diephaus nach einer Besichtigung vor eineinhalb Jahren zum Geburtstag statt Geschenken einen Beitrag für die Bilderrestaurierung der Nibelungenhalle gewünscht und die Summe ebenso wie der Wagner-Verband noch aufgestockt, so dass jetzt 3000 Euro aus dieser Quelle fließen.

Marlies Blumenthal berichtete den Gästen, dass auch ihre Nachfolge geregelt ist: „Meine Tochter hat sich nach der Sanierung entschlossen, hier weiterzumachen, wenn ich mich einmal zurückziehen werde.“ Diese familiäre Traditionspflege kennt Eva Wagner-Pasquier, die mittlerweile in München lebt, ja auch vom „Grünen Hügel“ in Bayreuth.