Königswinter

Stadt wird im nächsten Jahr 1000 Jahre alt

Die Belagerung von Königswinter im Jahr 1583. Der Kupferstich um 1590 zeigt die älteste Ansicht der Stadt.

KÖNIGSWINTER. Aus Anlass der ersten urkundlichen Erwähnung Königswinters als Winetre im Jahr 1015, also vor 1000 Jahren, wird es im kommenden Jahr in Königswinter keine große Jubiläumsfeier geben.

Der Heimatverein, der Bürger- und Verkehrsverein Alt Königswinter sowie das Siebengebirgsmuseum wollen dies jedoch mit Veranstaltungen würdigen. Der Name Winetre erinnerte an den Weinanbau, der hier damals schon heimisch war.

Den Stein hatte das SPD-Ratsmitglied Björn Seelbach im Sommer mit einer Anfrage im Stadtrat ins Rollen gebracht. In der Antwort der Verwaltung hatte Ulrich Berres vom Vorstandsbüro des Bürgermeisters mitgeteilt, dass es keinen Anlass zu einer groß aufgezogenen Feier gebe. Schließlich finde man mehrere Hinweise auf eine Besiedlung des heutigen Stadtgebiets bereits im ersten Jahrtausend nach Christus. So würden Oberpleis (Pleisa) und Stieldorf bereits 859 erwähnt, Ittenbach (Idubag) 922, Rauschendorf (Ruzindorf) 925 und Dollendorf (Dullendorf) 966.

Im September teilte die Verwaltung dann im Schul- und Kulturausschuss mit, dass Volkshochschule und Siebengebirgsmuseum die Durchführbarkeit von Angeboten prüfen würden. Auch eine thematische Anbindung des Winzerfestes oder des Königssommers an das Jubiläum komme in Betracht. Fest steht laut Museumsleiter Elmar Scheuren bisher nur, dass es am 25. Februar 2015, dem Tag der ersten urkundlichen Erwähnung (siehe Kasten), einen Vortrag über die Stadtgeschichte geben wird.

Die Verwaltung hat inzwischen Gespräche mit den Ortsvereinen geführt. Dabei betonte sie, dass sie als Gründungsjahr des heutigen Gemeinwesens "Stadt Königswinter" das Jahr 1969 sehe und sich zu gegebener Zeit mit den Planungen der 50-Jahr-Feier im Jahr 2019 befassen werde. Die erste urkundliche Erwähnung von Winetre betrachte die Stadt hingegen wie jedes andere Ortsteiljubiläum.

Die Ortsvereine teilen diese Auffassung jedoch nicht. Sie finden es unverständlich, dass sich die Stadt auch finanziell nicht engagieren will, wie die Verwaltung selbst in ihrer Vorlage für den Schul- und Kulturausschuss am 19. November schreibt.

"Die Vereine sehen es als großes Manko, dass die Stadt gar nichts macht", sagte Franz-Joachim Thür, der Vorsitzende des Bürger- und Verkehrsvereins, dem General-Anzeiger. "Nichts gegen Rauschendorf, aber es ist sicher nicht stilprägend und auch für die Identität der Stadt bedeutungslos, während Königswinter der historische Mittelpunkt der Stadt ist", so Thür. Für ihn ist klar: "Der Streit legt offen, dass die Stadt innerlich nicht zusammengewachsen ist."

Auch für Peter Krämer, den Vorsitzenden des Heimatvereins, steht fest, dass irgendetwas veranstaltet werden muss, "wenn der namensgebende Ortsteil der Stadt 1000 Jahre alt wird". Er findet, dass man das würdigen sollte. "Die Frage ist sicher auch, ob Hasenboseroth geschichtlich die gleiche Bedeutung hat wie die Altstadt." Gegen Jubiläumsfeiern in den anderen Ortsteilen hätte er aber auch nichts einzuwenden. Schließlich lägen die Jahre 859, 922, 966 und 1015 ja weit genug auseinander.

Der Heimatverein wird voraussichtlich im Februar eine Veranstaltung auf die Beine stellen. Der Bürger- und Verkehrsverein plant den Auftritt eines prominenten Kabarettisten, der auf seine Weise durch die 1000 Jahre Stadtgeschichte führen soll. "Für ein echtes Stadtfest ist der Vorlauf aber zu kurz", sagt Thür.

Bürgermeister Peter Wirtz würde einem Fest nicht im Wege stehen, wenn das von der Politik gewollt werde, weist zugleich aber auf den klammen Haushalt hin. Auch sieht Wirtz ein Akzeptanzproblem in den Ortsteilen: "Wenn man in der Altstadt was macht, dann muss man auch die anderen Ortsteile unterstützen."