Mundart-Theater in Königswinter

Sproch- und Spelljrupp Niederdollendorf im Glück

NIEDERDOLLENDORF. Auch der neue Eigentümer des Jugendhofs öffnet den Theatersaal für Aufführungen der Laienspielgruppe. Die probt zurzeit ihr neues Stück mit einem passenden Titel: "Schwein jehatt"

Nie wieder Blutwurst? Der Opa vom Mühlenhof ist entsetzt. „Nur noch Schloot un Ärpelle? Ben ich en Kning?“, fragt er entrüstet. Aber so ist das, wenn das landwirtschaftliche Anwesen veräußert werden muss, weil das Geld knapp ist und sich die potenziellen Käufer auf dem veganen Bio-Trip befinden. „Schwein jehatt!“ Opa bekommt auch künftig seinen Braten und kölschen Kaviar, denn die wirtschaftlichen Probleme werden gelöst, auch wenn es auf dem Weg dahin allerhand verzwickte Situationen gibt.

Schwein gehabt: Das gilt auch für die Sproch- und Spelljrupp Niederdollendorf, denn sie kann nach einer zweijährigen Pause wieder an ihrer alten Spielstätte im Theatersaal auf dem Jugendhof auftreten und zeigt das köstliche Stück vom Bauernhof, nachdem sie zuletzt im Herbst 2015 mit „Der neue Pastur“ Furore machte. Durch den Eigentümerwechsel auf dem Jugendhof war die Zukunft für die Mundart-Theatergruppe zwischenzeitlich ungewiss, zumal auch Ausweichquartiere nicht zu finden waren.

Aber nun proben die Schauspieler in der Aula der Drachenfelsschule für die Aufführungen im Herbst. Dazu bedarf es einiger Improvisationskünste, aber die zwölf Akteure um Regisseur Hans-Theo Handrick sind ja fast durchweg „alte Hasen“. Und Debütant Heino Bärhausen vermittelt den Eindruck, als hätte er nie etwas anderes getan als Theater zu spielen.

Die Komödie spielt im Siebengebirge

vom Die Rolle als Opas bester Freund Tünn ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Regisseur Handrick hatte ihm den Eintritt in die Sproch- un Spelljrupp schmackhaft gemacht. Die Vorbildung des 51-jährigen Projektmanagers: vier Stücke am Schultheater des Kalkuhl-Gymnasiums. Mit „Opa“ Theo Schäfer gibt er ein tolles Gespann. Die junge Bäuerin Mariechen, dargestellt von Eva Leven, bewirtschaftet mit Magd Anneliese, gespielt von Silke Klein, den Mühlenhof im Siebengebirge. Die Tragik: Mariechen wurde von ihrem Bräutigam sitzen gelassen und kann den Hof allein nicht mehr halten.

Damit nicht genug, Opa und Mariechen haben einen Nassauer auf dem Hof. Künstler Hubert (Bernd Bollig) hat sich im Nebengebäude niedergelassen, das eigentlich als Opas Altenteil vorgesehen ist. Dort malt er ein Bild nach dem anderen. Allerdings ohne Erfolg. „Hät nix, kann nix, dooch nix“, urteilen Opa und Tünn. Hubert hofft ja immer noch, dass Mariechen sich für ihn entscheidet. Als sich dann eine Reihe von Kaufinteressenten ankündigt, wittert er vermeintliche Chancen. „Wenn mich Mariechen nicht haben will, versuche ich es mit Fräulein Charlotte“, ruft er: Frau Patricia von Hippenbach hat sich angekündigt, in Begleitung der 19-jährigen Charlotte. Die Erwartungen sind hoch, beim Künstler und auch bei Opa und Tünn.

Hubert zeigt auf ein Bild, das er vor ihrer Ankunft schon malt. „Das ist für Charlöttchen!“ Hans-Theo Handrick korrigiert und legt die Betonung auf „ …löttchen!“ Nur noch selten muss der Regisseur während der Proben eingreifen – die Texte sitzen, Mimik und Bewegungen stimmen.

Rolle für den Regisseur: Er sächselt

Die Enttäuschung für Hubert und Opa ist groß. Frau von Hippenbach besteht auf vegetarische Kost, und Charlöttchen hat vier Pfoten. Aber da wandelt noch einer auf Freiersfüßen. Einer aus dem „Ostrheinland“: Peter Madenbach aus Sachsen, gespielt von Regisseur Handrick. Er hat sächsische Vorfahren und wollte schon immer mal auf der Bühne in dieser Mundart sprechen. „Ich bin noch lädsch“, erklärt er. Und ist nicht zu halten – auf zu Charlöttchen.

Johanna und ihre schwerhörige Schwester Klara, in Doppelbesetzung von Paula Rönz und Bärbel Leven sowie von Elisabeth Kaste und Ma Willmeroth gespielt, wollen den Hof kaufen. Für ihren Neffen Peter (Martin Kauert). Er hat wohl an Mariechen Gefallen gefunden. Mehr wird nicht verraten.

Die Schauspieler sind jedenfalls froh, wieder einen Spielort zu haben. Mitte August beginnt der Bühnenbau. „Dann können wir sieben Wochen lang dort proben“, sagt Handrick. Die neuen Besitzer des Jugendhofs wollen nach der Eröffnung des neuen Hotels den lokalen Bezug fördern. In Fragen der Raumnutzung und insbesondere der Saalmiete seien sie entgegengekommen. „Wir sind dem neuen Träger sehr dankbar für diese Entwicklung.“ Ende gut, alles gut.

Für „Schwein jehatt“ plant die Sproch- un Spelljrupp Aufführungen im Oktober und November. Vorgesehen sind die Wochenenden 20., 21. und 22. Oktober sowie 25. und 26. November. Der Vorverkauf startet Ende August in den bekannten Vorverkaufsstellen.