Pro und Contra

Soll die Rheinallee für Radfahrer gesperrt werden?

Die Neuregelung an der Rheinallee stößt auf Kritik.

Die Neuregelung an der Rheinallee stößt auf Kritik.

Königswinter. Die Rheinpromenade in Königswinter könnte für Radfahrer komplett gesperrt werden. Eine gute Idee, findet GA-Redakturin Katrin Janßen, richtet Kollege Hansjürgen Melzer sein Blick auf die Situation der Radler.

PRO: Fußgänger schützen

Das Gejammere ist derzeit groß. Radfahrer sollen langsam, Schritttempo (!!), auf der Rheinallee fahren, ja sogar absteigen und schieben. Eine Zumutung! Die moderateren unter den Radlern wollen den Autoverkehr verbannen, um freie Fahrt zu haben, die anderen die nörgelnden, ständig im Weg stehenden Fußgänger. Von Behinderungen ist da die Rede, von einem Rückschritt ins Mittelalter (nicht, dass es da Fahrräder gegeben hätte).

Natürlich ist es begrüßenswert, wenn Menschen beispielsweise den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Rad und nicht dem umweltverpestenden Auto zurücklegen. Wenn sie sich sportlich betätigen. Alles geschenkt. Aber, und das ist ein großes Aber, wir reden hier von der Königswinterer Rheinallee direkt in der Altstadt. Nicht von irgendeinem Radschnellweg in der Pampa, wo sich kaum ein Mensch hin verirrt. Wir reden hier von einer Rheinuferpromenade, an der Schiffe anlegen, aus denen Senioren mit Rollator entsteigen. Familien mit Kinderwagen. Besucher, die den Drachenfels im Blick haben, und nicht rasende Radler.

Natürlich wäre – theoretisch – das alles mit ein bisschen Rücksichtnahme auf der jeweils anderen Seite kein Problem. Aber es ist ein Problem. Alle Versuche, auf dem nun mal begrenzten Platz alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen, sind gescheitert. Der Letzte, schwere Findlinge, wurden von den Zweiradfahrern einfach aus dem Weg geräumt.

Es gilt, an dieser Stelle einfach die schwächsten Verkehrsteilnehmer zu schützen. Und das sind nun einmal die Fußgänger. Gleichzeitig darf die sowieso komplizierte Verkehrssituation in der Altstadt nicht weiter verschärft werden. Also muss der Radler ausweichen. Dass er in Königswinter einen kleinen Umweg fährt, ist zumutbar. (Katrin Janßen)

CONTRA: Vorfahrt für die Radler

Es ist Anachronismus pur, wenn Radfahrer auf einer Strecke von zwei Kilometern Schritttempo fahren müssen und in einem kurzen Abschnitt sogar ganz aus dem Sattel steigen müssen. In Zeiten, in denen Städte sich Gedanken darüber machen, wie sie den nicht motorisierten Individualverkehr und den ÖPNV stärken, geht Königswinter den umgekehrten Weg und bremst Radfahrer aus!

Richtig ist aber auch, dass Königswinter eine Touristenstadt ist und die Fußgänger geschützt werden müssen. Die Situation ist dabei äußerst vertrackt, weil Autofahrer, Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger auf der Rheinallee miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Die Kapazität der Rheinpromenade gibt das alles einfach nicht her.

Bis eine dauerhafte und vernünftige Lösung für die Radfahrer gefunden wird, kann auch nicht noch mehrere Jahre gewartet werden, bis irgendwann das „Jahrhundertbauwerk“ der Bahnunterführung an der Drachenfelsstraße und die Ersatzstraße fertiggestellt sind und der Autoverkehr vielleicht einmal dort lang geleitet werden kann.

Weil das so ist, gibt es im Augenblick nur eine vernünftige Lösung. Der Radverkehr muss von der Rheinallee weg über Alternativrouten durch die Altstadt verlegt werden. Dazu müssen die Kommunalpolitiker in der kommenden Woche ihre Zustimmung gegeben. Sie täten gut daran, das zu unterstützen.

Wird das umgesetzt, werden die Radfahrer auf ihrer Fahrradstraße, die in Richtung Bonn über die Hauptstraße und die Drachenfelsstraße führt, gegenüber den Autofahrern sogar bevorrechtigt sein. Dann ist es für sie auch verschmerzbar, alternativ im Schritttempo am Rhein entlangzufahren. (Hansjürgen Melzer)