Telefonbetrug, Rollatoren und Pflege

So war der Seniorentag in Königswinter

Ob Gras oder unebener Untergrund: Auf dem Rollatorparcours können Senioren testen, wie sich ein Gehwagen anfühlt.

Ob Gras oder unebener Untergrund: Auf dem Rollatorparcours können Senioren testen, wie sich ein Gehwagen anfühlt.

HEISTERBACH. Der zweite Seniorentag im Kloster Heisterbach informierte ältere Menschen über Themen ihres alltäglichen Lebens. Bei den Teilnehmern kam die Mischung der Themen und Aussteller gut an.

„Schön, dass Sie dabei waren“ – einen herzlichen Gruß bekommen die Besucher des zweiten Seniorentags in Königswinter am Sonntag ans Revers geheftet: Auf eine kleine Wäscheklammer aus Holz war ein großes rotes Herzchen aufgeklebt. „Das Wichtigste ist, dass Sie hier sind, und so das Thema 'Ältere Menschen in Königswinter' sichtbar machen“, sagt Jochen Beuckers vom Forum Ehrenamt bei der Eröffnung auf dem Klostergelände Heisterbach. Und Bürgermeister Peter Wirtz ergänzt: „Nicht das Altern selbst soll heute im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, was man tun kann, um sein Leben gut zu gestalten – auch wenn man keine 20 mehr ist.“

Mit neun Vorträgen rund um Themen wie gesunde Ernährung, Sicherheit und neue Wohnmodelle, zwölf Mitmachaktionen vom ganzheitlichen Konzentrationstraining bis zum Rollatorführerschein sowie Informationsständen von 24 Einrichtungen und Vereinen war das Programm proppenvoll. Der Veranstalter, das Netzwerk Senioren Königswinter, hatte im Vorfeld Flyer an rund 8000 Königswinterer im Alter von 66 bis 85 Jahren verteilt. „Viele Leute haben sich im Programmheft genau angekreuzt, was sie anhören oder mitmachen wollen“, freut sich Beuckers über das Interesse der älteren Mitbürger.

Das Ehepaar Heinrich zum Beispiel hat seine Kreuze bei den Vorträgen „Ausgewogene Ernährung“ und „Verkehrssicherheit im Alter“ gemacht, außerdem möchten sich die beiden die „Verzällcher us’m Levve“ von Josef Feldhaus anhören, „und vielleicht probieren wir die Sitzgymnastik aus“.

Wilfried Kubiczek interessiert sich besonders für den Vortrag „Digitalen Nachlass verwalten“: „Ich nutze das Internet regelmäßig, weil es so praktisch ist, vieles von Zuhause erledigen zu können.“ Den Seniorentag findet der Rentner eine tolle Veranstaltung: „Wo bekommt man sonst so viele Informationen, die speziell uns Ältere betreffen?“

290 Straftaten zum Nachteil von Senioren

Stets umlagert war der Infobus des Kommissariats Prävention und Opferschutz der Polizei Bonn. Dort ging es vor allem um die Themen Telefonbetrug und Gefahren an der Haustür. „2018 gab es allein in Nordrhein-Westfalen 290 vollendete Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, bei denen 12,4 Millionen Euro erbeutet wurden“, berichtet Kriminalhauptkommissarin Marita Wichterich. Insgesamt hat die Polizei 20.000 Vorgänge – dazu zählen auch versuchte Straftaten – registriert.

„In diesem Jahr sind bis Ende Juni bereits 17.000 Sachverhalte bekannt geworden. Wir werden die Vorjahreszahlen also noch toppen.“ Umso wichtiger sei es, ältere Menschen zu sensibilisieren. „Viele sind einfach zu vertrauensvoll“, sagt Thomas Beste. Der Polizist im Ruhestand engagiert sich mittlerweile als ehrenamtlicher Seniorenberater bei der Polizei.

Mit den Anliegen der älteren Generation kannten sich auch die anderen Aussteller aus, vom ehrenamtlich tätigen Sportverein bis zum kommerziellen Anbieter von Betreuungs- und Pflegeleistungen. Der Verein „Geben und Nehmen“ informierte über sein Angebot ebenso wie das Sporttherapeutische Zentrum BSG Siebengebirge oder die Wandergruppe des Projekts „Aktiv im Alter“. Tanzpädagogin Johanna Niegl führte einen Line Dance an, Iris Michael half beim Gedächtnistraining, und auf dem Rollatorparcours des Gesundheitszentrums Rahm konnte man ausprobieren, wie es sich anfühlt, mit einem Gehwagen unterwegs zu sein.

Veranstaltung macht Helfer sichtbar

Das Programm sei bewusst breit aufgestellt worden, erklärt Eike Hundhausen, die beim Forum Ehrenamt für das Seniorennetzwerk zuständig ist und die Veranstaltung maßgeblich mitorganisiert hat: „Unser Ziel ist es, verschiedene Seiten zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen für die Probleme des Alltags zu finden.“

Das Ergebnis sei eine Ansammlung von Vielen, die sonst nach außen wenig sichtbar werden – wie zum Beispiel die Selbsthilfekontaktstelle und Pflegeselbsthilfestelle Rhein-Sieg-Kreis, die Aktiven Senioren der Johanniter oder die Wohnberatung des Kreisverbands Bonn Rhein-Sieg der Arbeiterwohlfahrt.

Künftig möchte das Netzwerk Senioren seine Angebote für die Zielgruppe Ü66 noch ausweiten: „Im nächsten Jahr werden wir verstärkt auch Veranstaltungen für Hochaltrige anbieten“, kündigt Beuckers an. Denn auch jenseits der 80 wollten sich viele noch engagieren.