Sanierung noch bis Frühjahr 2019

So verändert sich das Aussehen des Drachenfels

Siebengebirge. Die Sanierung des Drachenfels dauert noch mindestens bis Frühjahr 2019 und kostet drei Millionen Euro. Wir werfen einen Blick auf den aktuellen Stand und die Herausforderungen der Arbeiten.

Auf der zehnten Gerüstlage wird gebohrt. Mit Helm, Schutzbrille und ein paar Schweißtropfen auf der Stirn lehnt einer der Arbeiter an der Felswand und begutachtet sein Werk. Kreisrund mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern ist das Bohrloch, das gut vier Meter in das Gestein hineinragt. Es wird später einen von insgesamt 180 Felsnägeln aufnehmen, die den Drachenfels stützen sollen. 60 sind bislang bereits verbaut worden.

„Vier, wenn es gut läuft fünf dieser Bohrlöcher schaffe ich am Tag“, sagt er. „Das hängt auch immer davon ab, wie schnell wir die Maschinen auf den Gerüstetagen ab- und wieder aufgebaut bekommen.“ Seit Juni 2017 läuft die Baumaßnahme „Sanierung Drachenfels“. Bauherr ist die Kölner Bezirksregierung, Bergspitze und Ruine gehören dem Land Nordrhein-Westfalen.

Wie berichtet, hatte Anfang 2017 der Geologische Dienst bei seinen routinemäßigen Messungen festgestellt, dass einige der Anker, die in den 1970er Jahren als Stützen in der Bergspitze verbaut wurden, an ihrer Belastungsgrenze sind. Zudem hatte sich herausgestellt, dass eine Felsnase unterhalb der Ruine derart rissig und zerklüftet ist, dass Steinschlag drohte.

Arbeiten bis Frühjahr 2019

Die Konsequenz: Der Obere Eselsweg wurde erneut für die Öffentlichkeit gesperrt. Und bleibt das wohl auch bis mindestens noch zum Frühjahr 2019, wie Projektleiter Manfred Fischer vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes sagt: „Der Berg hält für uns so einiges an Überraschungen bereit.“ Und das spiegelt sich auch bei den Kosten wider: Statt ursprünglich einer Million Euro liegen die Gesamtkosten nach heutigem Stand bei drei Millionen Euro, wie die Bezirksregierung mitteilte.

Fischer bewegt sich über das Gerüst als spaziere er durch sein Wohnzimmer. Überhaupt, das Gerüst: 220 Tonnen Material sind rund um Königswinters markanten Felsen verbaut worden, rund 53 Meter ragt das weithin sichtbare Stahlkonstrukt auf mehr als 20 Etagen in die Höhe, die über mal mehr, mal weniger schmale Treppen miteinander verbunden sind.

Lasten werden über einen Aufzug in die Höhe und wieder hinunter transportiert. „Einfach nicht ins Rheintal, sondern immer zum Felsen schauen“, rät Fischer Menschen, die zu Höhenangst neigen. Er selbst hingegen genießt den Panoramablick. „Das hier ist schon eine interessante und vor allem sehr spannende Baustelle“, sagt er.

80 Tonnen Erde, zwei Tonnen Müll

Im ersten Bauabschnitt sei es darum gegangen, sieben Felsanker auszutauschen, Spannglieder, wie Fischer sie nennt, mit einer Länge zwischen 16 und 26 Metern. Zwei weitere seien zur zusätzlichen Verstärkung neu hinzugekommen. Der gesamte Fels sei gereinigt, Busch- und Wurzelwerk entfernt, Müll entsorgt worden. Fischer kann Zahlen nennen: 80 Tonnen Erde, zwei Tonnen Müll – von der Plastiktüte bis zur Krücke, wie er sagt. Als der Fels grob gereinigt war, förderten Bohrungen weitere Überraschungen zutage: In den Rissen und Spalten fand sich teilweise noch in einer Tiefe von sechs Metern Wurzelwerk.

„Und das kann noch mehr Sprengkraft entwickeln als Eis und Frost“, weiß der Projektleiter, der unter anderem auch bereits bei den Sicherungsarbeiten an der Löwenburgruine in Bad Honnef im Einsatz war. Neben den Bohrlöchern für die Felsnägel sind die Baufirmen derzeit damit beschäftigt, die Felsrisse mit Fugenmörtel zu füllen, andere Felsbereiche werden flächendeckend mit Spritzbeton abgedeckt, um alle Hohlräume im Berg zu verschließen. Bis zu 20 Zentimeter dick kann eine solche Schicht sein, das erforderliche Material muss über den Eselsweg in die Höhe transportiert werden. Um durch das Verschließen der Risse und Fugen nicht die Lebensräume der Tiere am Berg zu zerstören, gibt es zusätzlich eine ökologische Begleitung der Sanierungsarbeiten.

Bild vom Drachenfels wird sich verändern

„Sieht ein bisschen aus wie ein Graffiti“, sagt Fischer und zeigt auf grüne, orange, gelbe Markierungen der Geologen auf dem Fels, mit denen die Positionen für Felsnägel und den Betoneinsatz festgelegt werden. Seit einigen Tagen haben die Arbeiter auch die Sanierung des Betongurts in Angriff genommen, der gleichfalls aus den 1970er Jahren stammt und den Drachenfels wie ein Korsett umspannt. Schadhafte Stellen werden abgenommen, es staubt kolossal. „Es ist keine sehr angenehme Arbeit“, gibt Fischer zu. „Wir müssen uns jetzt Gerüstlage für Gerüstlage vorarbeiten.“

Voraussichtlich Anfang Oktober wird sich das Bild vom Drachenfels verändern: Das Gerüst wird an der Ostseite zurück-, dafür an der Westseite weitergebaut. „Je nach Standpunkt wird man dann schon einen guten Blick auf den sanierten Felsen haben“, glaubt Fischer. Der allerdings ungewohnt – weil nicht mehr grün – sein dürfte.

"Das ist so ein Berg, der atmet"

Auf den Projektleiter und die Handwerker wartet dann im nächsten Bauabschnitt der Stützpfeiler aus dem Jahr 1855, der komplett eingerüstet wird. „Von außen sieht der eigentlich noch wunderbar aus“, sagt Fischer. Die Geologen hätten allerdings bei ihren Sondierungsbohrungen festgestellt, dass das Innere „eigentlich nur noch ein morscher Geröllhaufen ist“, so Fischer. Dessen Sanierung mit Spritzbeton werde gleichfalls mit einigem Aufwand verbunden sein.

Läuft alles nach Plan und spielt das Wetter in den kommenden Wochen mit, hofft Fischer, die Sanierung bis Frühjahr 2019 abschließen zu können. Dann dürfte am Drachenfels nichts mehr bröckeln. „Zumindest nicht für die nächsten 40 bis 50 Jahre“, sagt er. Was danach wird? Fischer zuckt ein bisschen mit den Schultern. „Das kann niemand vorhersagen. Das ist so ein Berg, der atmet.“