13 Mitarbeiter an vier Standorten

So arbeitet die Drogenberatung im Rhein-Sieg-Kreis

RHEIN-SIEG-KREIS. Das Bild vom „obdachlosen Penner“ ist längst überholt. Die Beratungsstelle der Caritas im Rhein-Sieg-Kreis hilft Menschen mit Suchtproblemen und ihren Angehörigen.

Ob jemand süchtig ist nach Alkohol, nach Spielen oder nach Medikamenten, „man sieht es den meisten nicht an“, sagt Birte Holm-Smend, Leiterin der Suchtkrankenhilfe der Caritas Rhein-Sieg. Die Mitarbeiter beraten zu allen Fragen rund um das Thema Sucht, dienen Erkrankten aus dem Kreisgebiet, aber auch Angehörigen, Kindern oder Arbeitskollegen als Anlaufstelle.

„Sucht wird immer noch mit schlechter Gewohnheit verbunden, nicht als Krankheit gesehen“, sagt die Sozialpädagogin und Suchttherapeutin. „Betroffene fühlen sich, als hätten sie etwas falsch gemacht.“ Aber das treffe nicht den Kern. Es sei daher ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit und wichtig, dass Betroffene sich angenommen fühlen. „Der Erkrankte ist oft schambelastet“, sagt Holm-Smend. Dabei gelte: „Das macht keiner freiwillig.“

Bei der Suchtberatung arbeiten 13 Mitarbeiter an vier Standorten im Rhein-Sieg-Kreis, neben dem Hauptsitz in Siegburg gibt es noch Stellen in Bornheim und Rheinbach und die gemeinsame Anlaufstelle mit der Diakonie in Eitorf. Die Diakonie ist darüber hinaus mit ihrer Suchtberatung in den Städten Troisdorf, Königswinter und Niederkassel vertreten.

„Es hat etwas von einer Clearingstelle“, erklärt Holm-Smend. Wenn Erkrankte sich bei ihnen melden oder zu ihnen kommen, werde erst einmal die Gesamtsituation geklärt. Bin ich wirklich abhängig oder nicht? Was sind Begleiterscheinungen oder Begleiterkrankungen? Sind aufgrund der Sucht weitere Probleme entstanden oder sind Probleme Ursache für die Sucht? Wie konnte das Suchtmittel so wichtig werden? Wie steht es um die Gesundheit und das soziale Umfeld? „Die ersten Gespräche und solche Fragen dienen dazu, den Menschen im Ganzen zu erfassen“, so die Expertin. Im Anschluss werde dann gemeinsam ein Plan aufgestellt, wie der Erkrankte aus der Sucht herauskommen kann. „Die Wege sind ganz unterschiedlich.“ Manche schafften es alleine, manche brauchten Unterstützung in Form von Einzel- oder Gruppengesprächen, manche würden zur Entgiftung geschickt. „Wir dürfen jedoch nicht in die Tiefe gehen“, sagt Holm-Smend. Die Caritas biete nur Beratung, keine Therapie. Wenn nötig, würden die Mitarbeiter aber bei der Suche nach einer Therapie helfen.

Birte Holm-Smend, die seit 2006 bei der Beratungsstelle arbeitet und diese seit 2010 leitet, hat einen sich ändernden Umgang mit ihrem Angebot wahrgenommen. „Das Bewusstsein für die Suchtberatung ist da“, sagt sie. „Der konstruktive Leistungsdruck ist größer.“ Heißt: Gebe es Anzeichen auf ein Suchtverhalten, so werde dies heutzutage innerhalb von Familien und auch im sonstigen Umfeld oft viel direkter angesprochen.

Doch auch die Beratung ändere sich. Seien es früher in der Mehrzahl Alkohol, Medikamente oder illegale Substanzen gewesen, von denen Erkrankte süchtig geworden seien, so seien es heute „kaum noch komplette Reinformen“, sagt Holm-Smend. Cannabis, Alkohol und Amphetamine würden häufig nebeneinander einhergehen. „Wir müssen dann mehr Dinge im Blick behalten“, sagt sie. Zu den „Mischkonsumformen“ würden „Mischproblemformen“ kommen. „Es ist selten der Alkohol allein.“

Dennoch hätten die meisten Fälle immer noch mit Alkohol zu tun. „Es wird unterschätzt“, sagt die Sozialpädagogin. „Eine bestimmte Regelmäßigkeit mit einer bestimmten Menge führt zur Abhängigkeit. Wer das ignoriert, unterschätzt das Problem. Nur weil der Alkohol allgegenwärtig ist, heißt es nicht, dass er nicht gefährlich ist.“ Zur „schweren Debatte“, ob Alkohol oder Cannabis das schlimmere Suchtmittel sei, sagt sie: „Wenn man abhängig ist, ist beides schlimm.“

Ein aktuelles Problem sei auch die Spielsucht, allerdings sei die Zahl der Fälle bei der Caritas-Beratungsstelle nicht vergleichbar mit denen der Alkohol- oder Drogensucht. „Das hatten wir auch anders erwartet“, sagt die Expertin mit Blick auf Menschen, die sich mit Computerspielsucht melden. Oftmals trete eine solche allerdings als Nebenthema bei anderen Süchten auf.

Seit einigen Jahren nimmt die Beratungsstelle Familien verstärkt in den Blickpunkt. „Wenn Eltern krank sind, hat das immer Einfluss auf die Familie“, sagt Holm-Smend. „Wir stellen uns die Frage, was die Erkrankung mit den Kindern macht.“ Die Suchtkrankenhilfe bietet Unterstützung für Familien und führt Gespräche mit den Eltern, den Kindern oder auch beiden Parteien zusammen. „Wir gehen das zusammen an. Das Jugendamt ist in solchen Fällen niemals der erste Schritt“, sagt sie.

„Generell ist es wichtig, dass die Leute überhaupt kommen“, sagt Holm-Smend. „Abhängigkeit ist nicht immer eindeutig, sondern häufig ein Graubereich.“