ZDF-Serie "Herzensbrecher"

Simon Böer spielt in Bonn einen Pfarrer

BONN. Am 2. November startet im ZDF die Serie "Herzensbrecher". Es geht um einen alleinerziehenden Pfarrer, der in Bonn eine Gemeinde übernimmt. Die Hauptrolle spielt Simon Böer. Der 39-jährige Wahlberliner ist in Vinxel aufgewachsen.

Es fängt gut an: die Kennedybrücke, in zartem Sonnenlicht. Schnitt. Ein Vater packt aus. Andreas Tabarius richtet sich ein in seinem neuen Haus. Der Herr Pastor übernimmt eine Gemeinde in Bonn. Ein Sohn platzt ins Wohnzimmer. Dann noch einer. Und noch zwei. Eine Ehefrau und Mutter gibt es nicht, sie ist vor ein paar Jahren verstorben. Zwischenschnitt: Die Kamera zeigt das Koblenzer Tor, fährt durch die Südstadt. Schön hier.

Bonn ist bei Produktionsfirmen beliebt als Filmkulisse. Und sei es nur für ein paar Einstellungen. Das ZDF hat jetzt eine ganze Serie in der Bundesstadt angesiedelt. "Herzensbrecher" läuft in zehn Teilen am Samstagabend, in der ersten Folge am 2. November bezieht Vater Andreas mit seinen vier Söhnen das Pfarrhaus und gibt seine Premiere auf der Kanzel. Serienkenner registrieren schnell, wie die Sympathien verteilt sind: Die Kirchenvorstandsvorsitzende Brigitte Abels (Tamara Rohloff) jedenfalls bleibt auf Distanz zum neuen Geistlichen, der alles anders machen will.

Kleine Konflikte sind programmiert für weitere Folgen. Im Mittelpunkt steht die turbulente Männerwirtschaft im Pfarrhaus: ein attraktiver Witwer und vier Jungs im Alter von sechs bis 20 Jahren. Der Älteste heißt Lukas, er wird gespielt von dem Bonner Gerrit Klein, der seine Schauspielerkarriere beim Jungen Theater begonnen hat. Auch die Hauptrolle passt zum Schauplatz der Serie: Simon Böer ist in Vinxel aufgewachsen.

Wie kommt es, dass ein Bonner, der in Berlin lebt, die Hauptrolle in einer Serie spielt, die in Bonn angesiedelt ist?
Simon Böer: Schicksal. Ich habe schallend gelacht und mich auch riesig gefreut, als ich gehört habe, dass ich diesen Pfarrer spielen soll, der eine Gemeinde ausgerechnet in Bonn übernimmt. Mir war klar: Das wird ein schönes, spannendes Heimspiel.

Und wie hat sich das ergeben?
Böer: Die Kölner Produktionsfirma ITV hatte mich zweimal zum Casting eingeladen, und ich musste beide Male absagen, weil ich mich mitten in den Dreharbeiten für den RTL-Film "Medcrimes" befand. Dann ergab sich diese Chance ein drittes Mal, und ich habe sie genutzt.

Was muss man mitbringen, um einen Priester glaubwürdig zu spielen?
Böer: Man sollte sein Handwerk als Schauspieler beherrschen.

Muss man auch gläubig sein?
Böer: Muss man nicht, aber ich bin's.

Welche Richtung?
Böer: Katholisch getauft, christlich spirituell sehr offen. Ich glaube an einen liebenden, lebensbejahenden Gott.

Welche Rolle spielt der Schauplatz Bonn in der Serie?
Böer: Die Atmosphäre in der Stadt ist viel gemütlicher, als wenn die Serie in Hamburg oder Berlin spielen würde. In Bonn herrscht eine andere Grundenergie. Die Stadt gibt mir persönlich eine große Ruhe, das Umland erst recht. Ich finde diese Ecke nach wie vor traumhaft.

Wurden auch Inhalte hier recherchiert?
Böer: Der Autor und Regisseur Christian Pfannenschmidt hat mehrere kreative Spaziergänge in Bonn unternommen. Das schlägt sich in den Büchern nieder.

Es geht um einen alleinerziehenden Pastor, der gleich in der ersten Folge einen gewissen Nonkonformismus aufblitzen lässt. Wie ist dieser Andreas drauf?
Böer: Er reibt sich an den Konventionen der Kirche. Ein Freigeist, dem es wichtig ist, dass Kirche einen Lebensbezug hat. Er ist der Ansicht, dass man mit Konventionen gelegentlich brechen muss, wenn man weiterkommen will.

Und er bricht seine erste Predigt ab, um persönliche Fragen seiner Gemeinde zu beantworten.
Böer: Finde ich sehr sympathisch.

Frau Abels vom Kirchenvorstand ist weniger amüsiert. Ihre Gegenspielerin in allen Folgen?
Böer: Ja, sie steht für die konventionelle Kirche, sträubt sich gegen Fortschritt. Mit ihr kann man sich herrlich kabbeln. Das trägt durch zehn Folgen.

Die Kirche ist in der ersten Folge ziemlich leer. Wird sie sich füllen?
Böer: Ja, das kann ich versprechen.

Die zweite Frau im Spiel ist die attraktive Gemeindesekretärin Katharina. Bahnt sich da was an?
Böer: Wir sind vor allem als Schauspieler ein vielversprechendes Paar. Annika Ernst und ich wollten schon lange mal zusammen arbeiten, Ich mag ihren Humor und diesen besonderen Charme.

Diese Konstellationen sind nicht grundlegend neu. Ein bisschen gut, ein bisschen böse. Der Zuschauer ahnt früh, wo es langgeht. Besteht die Gefahr, dass man Figuren von der Stange produziert?
Böer: Die Aufstellung der Charaktere ist klassisch, klar. Doch es kommt auf die Schauspieler an, auf Themen und Dialoge. In dieser Hinsicht kommt bei uns nichts von der Stange.

In der ersten Folge bittet die zehnjährige Paula um Kirchenasyl, weil sie Ärger in der Familie hat.
Böer: Das ist durchaus ein innovativer Ansatz. Und trotzdem familienorientiert. Ist doch schön, wenn sich am Samstagabend wieder die ganze Familie vor dem Fernseher einfindet. Genau das habe ich vor ein paar Tagen auch getan: Wir haben uns in Bonn mit der ganzen Familie die DVD der ersten Folge angeschaut.

Wenn Geistliche in Fernsehserien auftauchen, geht es oft um Mord und Totschlag. Siehe "Pfarrer Braun" mit Ottfried Fischer. Sind die "Herzensbrecher" lieber brav?
Böer: "Herzensbrecher" ist eine Serie über einen Männerhaushalt. Sie lebt von den Themen und Spannungen durch alle Altersklassen hindurch - bei den Söhnen von sechs bis 20 Jahren. Diese Männerwirtschaft steht im Fokus.

Hat man auch die Zielgruppe der Alleinerziehenden im Visier?
Böer: Ich habe mich während der Dreharbeiten in einer schizophrenen Situation befunden. Ich spiele in Bonn und Köln einen alleinerziehenden Vater mit vier Söhnen, und meine Frau hält derweil ein halbes Jahr in Berlin, quasi alleinerziehend, den Laden am Laufen. Ich ziehe den Hut vor allen Alleinerziehenden. Eine große Aufgabe, der man schwer gerecht werden kann, wenn man Vater und Mutter in einer Person zu sein hat. Der Vollzeitjob Mama oder Papa wird in unserer Gesellschaft ohnehin viel zu wenig gewürdigt.

In welcher Kirche wurden die Gottesdienste gedreht?
Böer: In der Karthäuser Kirche im Kölner Süden. Der dortige Pfarrer Mathias Bonhoeffer war mein Berater bei kirchlichen Dingen.

Was haben Sie mit ihm einstudiert?
Böer: Eine Taufe zum Beispiel.

Schwer?
Böer: Nicht unbedingt. Man ist ja christlich sozialisiert, kennt den Ablauf von Gottesdiensten. Natürlich habe ich zusätzlich noch evangelische Gottesdienste besucht, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Ist der echte Pfarrer Bonhoeffer mit dem Filmpastor zufrieden?
Böer: Sieht ganz danach aus. Er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, in seiner Kirche eine richtige Predigt zu halten, was ich auch tun werde. Als Privatmensch. Das wird aller Voraussicht nach am 1. Advent stattfinden.

Wann entstand bei Ihnen der Wunsch, Schauspieler zu werden?
Böer: Vielleicht schon in der Waldorfschule in Bonn-Tannenbusch, wir hatten einige Schauspielprojekte, da habe ich bereits Blut geleckt. Während des Zivildienstes im Heim für Körperbehinderte in Beuel hat sich Wunsch gefestigt, mit Menschen arbeiten zu wollen. Ich wäre auch ein guter Sozialarbeiter geworden.

Oder ein guter Gastronom?
Böer: Nun, ich habe neben dem Zivildienst in diversen Lokalen gearbeitet: als Kellner im Café Göttlich und in der Rheinlust, als Türsteher im Carpe Noctem. Ich habe mich durchs Bonner Nachtleben gejobbt, auch das prägt.

Nach dem Studium haben Sie in Berlin und Karlsruhe Theater gespielt. Gab es einen Plan?
Böer: Überhaupt nicht. Ein Engagement hat sich nach dem anderen ergeben. Durch Zufall fiel mir das Drehbuch zum Kinofilm "Devot" in die Hände - und ich erhielt die Hauptrolle in diesem Erotikthriller.

Was macht einen guten Schauspieler aus?
Böer: Dass er auf der Theaterbühne und vor der Filmkamera gleichermaßen bestehen kann.

Ein Traumberuf?
Böer: Ja.

Auch in finanzieller Hinsicht?
Böer: Nein.

Wo liegt das Problem?
Böer: Ich hatte jetzt das große Glück mit der Hauptrolle in "Herzensbrecher", doch bei vielen Kollegen sieht es anders aus. Auch ich habe Durststrecken hinter mir. Der Prozentsatz derer, die ausschließlich von der Schauspielerei leben oder gar eine Familie ernähren können, ist wirklich gering. Doch ich bin kein Freund des Jammerns. Meine Kämpfernatur hat mich bisher immer weitergebracht.

Simon Böer

  • Geboren am 15. Oktober 1974 in Bonn. Katholisch getauft. Aufgewachsen in Vinxel. "Eine tolle Kindheit - Natur pur".
  • Böer besucht die Waldorfschule in Tannenbusch. Nach dem Abitur Zivildienst in Beuel.
  • Nebenbei arbeitet er als Kellner im Café Göttlich und in der Rheinlust, als Türsteher im Carpe Noctem.
  • von 1996 bis 1999 studiert er Schauspiel in Babelsberg, es folgen Rollen an Theaterbühnen in Berlin und Karlsruhe.
  • Im Kinofilm "Devot" (2003) hat er seine erste Hauptrolle. Wirkt in den Filmen "Agnes und seine Brüder" und "Elementarteilchen" mit.
  • Weitere Rollen u. a. in "Polizeiruf 110", "Inga Lindström", "Kommissar Stolberg", "Soko Köln", "Donna Leon". Zurzeit dreht er in Berlin, Böer spielt eine Episodenrolle in der ZDF-Serie "Letzte Spur Berlin".
  • Privat: Simon Böer ist verheiratet und hat zwei Kinder: Milon (6) und Mia (14). Die Familie lebt in Berlin Hobbys: Gitarre, Yoga, Windsurfen.

TV-Tipp

Herzensbrecher, Folge 1: "Kirchenasyl"

Sa., 2. November, 19.25 Uhr, ZDF