Berufs- und Bildungsinformationstag für Frauen mit Migrationsgeschichte

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Sabine Bembenek (l.) ermuntert die Besucherinnen des Infotags, mit Zuversicht und Mut an ihrer beruflichen Zukunft zu arbeiten.

Sabine Bembenek (l.) ermuntert die Besucherinnen des Infotags, mit Zuversicht und Mut an ihrer beruflichen Zukunft zu arbeiten.

KÖNIGSWINTER. "Eure Zukunft wartet heute hier und jetzt!", ermunterte Sabine Bembenek von der Stabsstelle Koordination der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe bei der Stadt Königswinter beim Berufs- und Bildungsinformationstag für Frauen mit Migrationsgeschichte.

Die Besucherinnen sollten das Angebot gut für sich nutzen. Im Haus Bachem erhielten sie Unterstützung beim Lebenslauf und bei Bewerbungsschreiben sowie kostenlose Bewerbungsfotos durch den Königswinterer Fotografen Guido Bach.

Im Rathausgebäude gaben Institutionen von der Volkshochschule über das Jobcenter bis hin zu verschiedenen Schulen an Infoständen Auskünfte, und auch die Erziehungsberatungsstelle präsentierte ihr Programm. 

Vizebürgermeister Norbert Mahlberg war von dem großen Interesse an dieser Veranstaltung begeistert.  Auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte Frauke Fischer hatte zum Auftakt des Tages aufgerufen: "Nehmen Sie alles an Informationen mit, was Sie kriegen können!" Für jede Frau gab es auch ein Täschchen mit Infomaterial und einem speziellen Anhänger.

"Wenn Sie abends unterwegs sind und sich nicht wohlfühlen, dann lösen Sie damit den Alarm aus", sagte Fischer. Ebenso lud sie zu einem Selbstbehauptungskursus ein, der im September für Flüchtlingsfrauen kostenlos durchgeführt wird.

Bei diesem Berufs- und Bildungsinformationstag, den die Stadt zusammen mit dem Lotsenpunkt der Pfarreiengemeinschaft am Oelberg, mit dem Forum Ehrenamt und dem Netzwerk Integration Königswinter (NiK) durchführte, war wirklich alles aufgeboten, um den Frauen viele Infos zu bieten.

Das Jobcenter etwa konnte ihnen direkt sagen, welche Möglichkeiten beim jeweiligen Aufenthaltsstatus gegeben sind. "Wie viele Jahre haben Sie die Schule besucht?", fragten Helfer beim Ausfüllen von Lebensläufen. Cordula Bellinghausen vom Steuerungsteam Integration in den Arbeitsmarkt und Hans-Jürgen Maue vom NiK waren dicht umlagert.

Baba (27) aus Eritrea etwa ist seit vier Jahren in Deutschland, hat drei- und zweijährige Söhne und ließ sich beim Lebenslauf helfen. "Ich möchte einen Deutsch-Kursus machen und Köchin werden", sagte sie.

Schon zu Beginn der Veranstaltung hatten einige Frauen aus ihrem Leben berichtet. Sheno (39) kam im September 2015 nach Deutschland. Sie war im Iran Taxifahrerin und absolviert derzeit die Sprachschule. "Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland menschenwürdig leben kann." Sie verließ ihre Heimat wegen des dortigen Regimes.

Ihr Berufsziel: "Ich möchte Busfahrerin werden." Amal (37), Englisch-Lehrerin aus Syrien, beginnt demnächst ein Praktikum, um danach eine Ausbildung zur Erzieherin anzutreten. Fischer stellte eine weitere Frau vor: Maryam (29) aus Afghanistan, die zwei Söhne im Alter von 17 und 13 Jahren hat und sich nun in Deutschland ein eigenes Leben aufbauen möchte.

"Sie hat sich hier von ihrem Mann getrennt und nach dem Sprachkursus einen Minijob in einem Café angenommen, um danach eine Ausbildung anzutreten." Der Traum von Maryam, die nie eine Schule besucht hat: "Ich möchte ein Hotel haben."

Münevver war in der Türkei Englisch-Lehrerin und arbeitet zurzeit an der Offenen Ganztagsschule. "Ich möchte wieder als Lehrerin in einem Gymnasium arbeiten." Sie wartet noch auf die Anerkennung ihres pädagogischen Diploms. Das für amerikanische Literatur ist bereits anerkannt.

"Nicht aufgeben", bestärkte sie die anderen Frauen. Das unterstrich auch Bembenek: "Auch wenn man die Deutsch-Prüfung nicht beim ersten Mal schafft, dann eben beim zweiten, dritten oder vierten Mal. Ihr könnt alles werden - Ihr könnt auch Frau Merkel ablösen!"