"Einzigartige Weihnachtszeit" auf Schloss Drachenburg

Schmausen und Grausen vor Rheinpanorama

Das beleuchtete Schloss kündet bereits aus der Entfernung von der "Einzigartigen Weihnachtszeit" auf Schloss Drachenburg.

Das beleuchtete Schloss kündet bereits aus der Entfernung von der "Einzigartigen Weihnachtszeit" auf Schloss Drachenburg.

KÖNIGSWINTER. Die „Einzigartige Weihnachtszeit“ lockt wieder auf Schloss Drachenburg oberhalb von Königswinter mit Geistern, Märchen und Marktbuden. Schauspieler lassen dabei auch Dickens' Weihnachtsgeschichte lebendig werden. Geöffnet ist der Markt an allen Adventswochenenden immer samstags und sonntags.

Was Weihnachten für sie bedeutet? Alexandra von dem Brinke, Co-Organisatorin der „Einzigartigen Weihnachtszeit“ auf Schloss Drachenburg und Assistenz der Eventleitung, überlegt kurz, bevor sie erwidert: „Zeit mit der Familie, Geselligkeit, Entschleunigung und die Freude, die man dadurch erfährt.“ Das alles soll der etwas andere Weihnachtsmarkt auf dem Schlossgelände, der nicht nur mit dem atemberaubenden Rheinpanorama, sondern auch mit viktorianischem Flair im Stile der Dickens'schen Weihnachtsgeschichte aufwartet, auch diesmal den Besuchern bieten. Ein Kontrapunkt zu Kitsch und Kommerz der großen Citymärkte.

Zeit mit der Familie. Märchen, Puppentheater oder das hell erleuchtete Mini-Riesenrad – die „Einzigartige Weihnachtszeit“ setzt auf ein buntes Familienprogramm. Darunter auch kurze Kabinettstücke im Schlosspark, die Dickens' „A Christmas Carol“ mit viel Herz inszenieren.

Rauch quillt aus dem Seiteneingang des Schlosses; und wo eben noch der Musikzug Bergklänge seine Festfanfaren von den Zinnen posaunte, huscht nun der Geist der zukünftigen Weihnacht, eine überaus düstere Gestalt, durch die wabernden Schwaden. Gerade hat Geizkragen Ebenezer Scrooge unter den Holzkreuzen auf der Wiese sein eigenes Grab erspäht – kümmerlich, verwahrlost, vergessen. Da ereilt den backenbärtigen Greis der Sinneswandel, auf den Jung und Alt im Publikum gewartet haben: „Weihnachten“, erkennt Scrooge, „ist die Erinnerung an das, was wir im Innersten unseres Herzens tragen, was uns menschlich macht: die Nächstenliebe.“ Dann zieht er den Hut und verabschiedet sich, „um den größten Weihnachtsbraten in der ganzen Stadt kaufen zu gehen“.

Geselligkeit. Im Festzelt übt eine Handvoll Besucher beim Tanzworkshop Gesellschaftstänze des 19. Jahrhunderts – und zwar nicht mit irgendwem, sondern mit den Schauspielern des Vereins „Jardin des Epoques“, die mit ihren beeindruckend detaillierten Kostümen dem nebeligen London der Victorian Era entsprungen zu sein scheinen. Charles Dickens reicht Florence Nightingale die Hand, eine Aristokratin in edlem Gewand tanzt mit einem Besucher, dessen kleine Tochter auf seinem Arm mitwippt, und eine junge Frau in Pudelmütze beäugt misstrauisch den düster gekleideten Herrn, der sie just zum Tanz aufgefordert hat – er sieht dem berüchtigten Jack the Ripper zum Verwechseln ähnlich.

Weitere unheimliche Begegnungen gibt's im Musikzimmer des Schlosses, wo Peter Wendland Mythen und Sagen vom Rhein gespenstisches Leben einhaucht.

Entschleunigung. Es gibt viel zu sehen, zu riechen, zu schmecken. Rindenmulch und Tannenbäumchen zieren die Gehwege, an denen 50 Aussteller, viele davon aus der Region, an ihren liebevoll dekorierten Verkaufsständen zum Schmausen, Bummeln und Stöbern einladen. Es wird dunkel, es wird kalt auf Schloss Drachenburg, und an den Stehtischen genießen die Eltern Fish and Chips, Guinness Stout und Glühwein, während die Kinder an britischem Fudge knabbern und auf dem Märchenkarussell freudig quietschen.

Mit der Dunkelheit kommt das Licht, und während ein paar Besucher mit Zipfelmützen auf dem Kopf draußen die Magie des Schlossleuchtens auf sich wirken lassen, entdeckt drinnen in der Ausstellung von Wohnambiente Heider ein Pärchen, Plüsch-Geweihe auf dem Kopf, den mit Geschenken gefüllten Schlitten samt Santa Clause und Rentier als Fotomotiv. Ohne Zweifel: Von der „Einzigartigen Weihnachtszeit“ auf Schloss Drachenburg nimmt jeder seine eigene kleine Weihnachtsgeschichte mit nach Hause.