Galerie IAC Berlin-Königswinter

Satoshi Hoshi und Brigitte Yoshiko Pruchnow stellen aus

Satoshi Hoshi vor einigen seiner Werke. FOTO: FRANK HOMANN

Satoshi Hoshi vor einigen seiner Werke.

13.12.2015 KÖNIGSWINTER. Träume sind für Satoshi Hoshi eine Schatzkiste. Denn bloß die Wirklichkeit zu reproduzieren, das wäre dem 38-Jährigen aus der japanischen Präfektur Kanagawa, der seit seinem zwölften Lebensjahr von der Ölmalerei begeistert ist und 2004 nach Berlin zog, nicht spannend genug.

Die Vielfalt und Tiefe der nächtlichen Fantasie dient ihm daher neben Fotografien und spontanen Assoziationen als wichtige Inspirationsquelle - und so bereichert er mit Vorliebe echte Bildmotive durch eigene Deutungen und Impressionen. Ob surreal anmutende Szenerien, chaotische Farbexplosionen oder zart sprießende Blumenmeere, Hoshis Kunst ist eine Liebeserklärung an die Gratwanderung zwischen Fiktion und Realität. Gemeinsam mit der Halbjapanerin Brigitte Yoshiko Pruchnow stellt er zurzeit eine Auswahl seiner Werke in der Galerie IAC Berlin-Königswinter aus.

Am Anfang steht für Satoshi Hoshi stets eine abstrakte Vision, die er im Laufe eines mehrmonatigen Arbeitsprozesses stets aufs Neue hinterfragt, bis sich alle Feinheiten wie zu einem Puzzle zusammenfügen. Diese ersichtliche Liebe zum Detail spiegelt sich in allen 13 ausgestellten Werken wider: In "imagine", einer liebevollen Ode an die Kraft der Kreativität, sprüht eine ekstatische Farbwolke aus einem bespielten Piano, in "yellow castle" erstrahlt die Burg Kumamoto, in Wirklichkeit nur in schwarz und weiß gehalten, inmitten eines silbernen Blütenwaldes auf einmal in festlich gelbem Glanz.

Und in "far away" blicken zwei Kinder zaghaft auf eine befremdlich-düstere Waldlandschaft mit aschgrauem Boden und glühend roten, nackten Baumstämmen - Kunst, die gerade in ihrer Vieldeutigkeit und Unwirklichkeit aufblüht.

Das Highlight in Hoshis Repertoire ist schließlich seine "Holes"-Reihe mit ihrer subtil hoffnungsvollen Botschaft: Eine junge Frau kniet etwa in einem düsteren, engen Gang und blickt durch ein selbstgebohrtes Loch, aus dem grelles Licht scheint; eine andere Dame schaut verzückt auf das Farbenmeer, das sich unter den ausgerissenen Dielen ihres Fußbodens auftut.

Die "Holes"-Werke als Allegorie auf das Überwinden von Hindernissen zu verstehen, als Symbol für den eigenmächtigen Ausweg aus Tristesse und Trübsal, liegt nicht fern - gerade hierin liegt die Faszination von Hoshis Bildern.

Die scheinbare Banalität des Moments hält indes Brigitte Yoshiko Pruchnow, die in Japan Sprache, Kalligraphie, Malerei und Kendo-Schwertkampf studierte, in ihren 25 ausgestellten Kleinstarbeiten fest. Subtile Gestaltung und Experimentierfreude sind zwei von Pruchnows größten Stärken: Ihren Blick für die Stärke und Stimmigkeit des Schnappschusses aus dem Leben hält die Künstlerin bevorzugt in Acryl auf Leinwand, aber auch in Tusche, Tinte und Kreide sowie mit Collagen fest.

Sie liebt das Spiel mit allen Formen des Wassers - Lichtbrechung, Reflexion und Kontraste inklusive -, denn das nasse Element strahlt, genau wie auch ihre Kunst, stets eine sanfte Ruhe aus und bleibt dennoch stets in Bewegung. Diese Ruhe und Achtsamkeit zeichnet alle ihre Werke aus: "Sie bewahrt den Mut, sich dem Moment auszuliefern", lobte Galerist Helmut Grothaus die Künstlerin, die bei der Vernissage am Samstag selbst nicht anwesend sein konnte. "Das ist eine Kunst für sich, die viele schon verlernt haben."

Die Ausstellung "Zwischen Fiktion und Realität" mit Satoshi Hoshi und Brigitte Yoshiko Pruchnow ist noch bis Mittwoch, 13. Januar, in der Galerie IAC Berlin-Königswinter, Hauptstraße 276, zu sehen. Geöffnet hat die Galerie jeweils von Dienstag bis Samstag zwischen 14 und 18 Uhr. (gne)