Kneipensterben im Siebengebirge

Sängerhof in Ittenbach stellt Betrieb ein

Ralph Senkel schließt den Sängerhof Mitte Dezember.

Ralph Senkel schließt den Sängerhof Mitte Dezember.

SIEBENGEBIRGE. Ralph Senkel verkauft das Hotel in Ittenbach, die Gastronomie hatte er schon vorher aufgegeben. Während in dem Gebäude barrierefreie Wohnungen entstehen sollen, bleibt er dem Metier treu. Er betreibt eine Pension in Aegidienberg.

Seit den 50er Jahren haben Gäste im Sängerhof in Ittenbach übernachtet, nun ist Schluss: Das Hotel stellt Mitte Dezember nach mehr als sechs Jahrzehnten seinen Betrieb ein. Inhaber Ralph Senkel hat das Haus an eine Immobilienfirma verkauft. Der Hotelier will sich künftig allein seiner Pension Yak und Yeti in Aegidienberg widmen, die er seit dem vergangenen Juli betreibt. Aus dem Sängerhof-Gebäude soll ein Wohnhaus mit 13 Wohnungen werden.

Es waren nicht etwa sinkende Übernachtungszahlen, die Senkel zu diesem Schritt bewogen haben. „Wir sind gut ausgelastet“, versichert er. Vielmehr begründet er den Verkauf mit dem „bürokratischen Wahnsinn“, den er als Hotelier eines Betriebs mit 24 Zimmern zu bewältigen habe.

Da sei zum einen die Bettensteuer, die seit Juli 2016 in Königswinter erhoben wird. Weil dienstlich reisende Übernachtungsgäste davon befreit sind, müssen sie ein entsprechendes Formular ausfüllen. Für Senkel stellen Dienstreisende fast 80 Prozent seiner Übernachtungsgäste dar, erzählt er.

Dazu kommen die monatlichen Statistiken der Übernachtungszahlen, die er – aufgeschlüsselt nach Herkunft seiner Gäste – an den Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen liefert. Lange Diskussionen um Auflagen und Vorgaben für eine Brandschutzanlage nach einem Umbau vor zwei Jahren sowie „fehlende Einheitlichkeit“ bei Kontrollen hätten den Betrieb darüber hinaus nicht einfacher gemacht, bemängelt er.

Die Bürokratie hat dem Hotelier zu schaffen gemacht

Den Gastronomiebetrieb im Sängerhof hatte er bereits Anfang des Jahres eingestellt, dies vor allem aus „rein finanziellen“ Gründen. In Aegidienberg hat er nun nach eigener Aussage weniger Bürokratie zu bewältigen: In Bad Honnef gibt es keine Bettensteuer; zudem falle die genaue Statistikabgabe an den Landesbetrieb weg, da die Pension Yak und Yeti weniger als zehn Betten hat.

Eigentlich habe er nicht vorgehabt, den Sängerhof zu verkaufen und gleichzeitig die Honnefer Pension zu betreiben, sagt Senkel. „Ich wollte expandieren und umziehen“, erzählt der 52-Jährige. Sein Ziel war eigentlich Fernthal. Als er jedoch von der freien Immobilie in Bad Honnefs Bergregion hörte, entschied er sich noch um. In diesem Sommer sei dann die Idee zum Verkauf des Sängerhofs dazugekommen.

Ein wenig Herzblut hängt dennoch an dem Ittenbacher Hotel. Vor 13 Jahren übernahm Ralph Senkel den Betrieb, vor elf Jahren kaufte er das Hotel. Sukzessive habe er alles erneuert. „Was das angeht, ist es schon schade“, gibt er zu. Viel will er nicht mit nach Aegidienberg nehmen. Auch die Kessel, in denen er einige Zeit lang das „Sevencraft“-Bier braute, will er noch loswerden.

Ein besonderes Andenken zieht allerdings mit um: An einem Pfeiler neben einem Tisch nahe am Bartresen hängt ein Bild von Statler und Waldorf. Ähnlich wie die beiden älteren Herren aus der Muppetshow hätten dort regelmäßig Heiner und Thünn gesessen und sarkastische Äußerungen, auch in Richtung Tresen, von sich gegeben, erzählt Senkel. Eines Tages hängte er das Bild der Muppets dort auf, was Heiner und Thünn mit viel Humor und Begeisterung aufgenommen hätten.

Die vielen ausländischen Gäste brachten Abwechslung

Geschätzt habe er die Zusammenarbeit mit den Hotelier-Kollegen in Ittenbach, man habe sich immer geholfen, berichtet Senkel. „Es war ein gutes kollegiales Verhältnis.“ Vermissen werde er aber vor allem die vielen ausländischen Gäste.

Neben Wochenendurlaubern und Durchreisenden, beispielsweise aus den Niederlanden, hätten Besucher aus Indonesien und Nigeria bei ihm übernachtet. „Man bekommt so unfassbar viel mit von der Welt in so einem kleinen Ort“, freut sich Senkel. Auch das Kochen für so viele Gäste, wie er es immer wieder im Sängerhof getan hätte, werde er vermissen.

Während für Ralph Senkel nun der Umzug nach Aegidienberg ansteht, geht im Sängerhof die jahrzehntelange Hotelära zu Ende. Die Ittenbacher Immobilienfirma Scholz & Wiese hat das Haus gekauft und will dort 13 barrierefreie Wohnungen in Größen zwischen 60 und 115 Quadratmetern errichten.

„Das Gebäude wird entkernt, ein Aufzug eingebaut und es wird altengerecht hergerichtet“, teilt Frank Wiese auf GA-Anfrage mit. Die Planungen würden sehr eng mit der Stadt abgestimmt. Der Grundriss sowie die Außenmauern des Sängerhofs sollen erhalten bleiben, die Fassade werde sich jedoch ändern. Wann das Haus bezugsfertig wird, ist noch unklar. Fest steht: „2019 soll es zügig losgehen“, kündigt Wiese an.