Lied "Out of the Jungle"

Reggae-Song aus Bonn erklingt im Tatort

Arbeitet als Sounddesigner für Film und Fernsehen: Achim Rhinow alias Don Bonn in seinem Garten in Königswinter.

Bonn/Königswinter. "Ich fand den Tatort gut. Es muss ja nicht jeder Tatort nach Schema F konstruiert sein", sagt Don Bonn und meint den Saarland-Tatort, der zu Beginn des Jahres heftige Kritik von den Zuschauern einstecken musste.

Publikum und Fernsehkritiker waren sich bei "Melinda" einig: Eine überspitzte Staatsanwältin und ein Yoga treibender Ermittler mitten im Präsidium passen nicht zum Tatort. Oft resümierten die Fans: "Der Tatort war nicht gut, aber das Lied, das war super."

Und hier schließt sich der Kreis. Denn das markante Reggae-Lied, welches sich wie ein roter Faden durch die Dramaturgie zog, singt Don Bonn, der im richtigen Leben Achim Rhinow heißt, in Bonn geboren wurde und in Königswinter wohnt.

Eigentlich sollte das Stück nur einer Szene unterlegt werden, aber dem Regisseur gefiel "Out of the Jungle" so gut, dass er es immer wieder einspielte. Mittlerweile landete der Titel auf Platz 36 bei den Amazon-Reggae-Download-Charts. Dabei war der Hit alles andere als von langer Hand geplant.

"Michael Klaukien, der Produzent, hat mich gefragt, ob ich den Titel singen möchte", erzählt der Sänger. Da Don Bonn Klaukien sowieso besuchen wollte, kam er vorbei, sang das Lied ein und wenig später klönten die Musiker bei einer Pizza. "Wir haben für die Vocals von Out of the jungle vielleicht eine Dreiviertelstunde gebraucht."

Klaukien und der Musiker kennen sich noch aus Schulzeiten. Beim Abiball traten die beiden als nicht ernst gemeintes Schlagerduo Peter Polka und Don Tango auf. Zwei, drei Auftritte bestritten die beiden noch, dann war Schluss - bevor eine Karriere im Musikantenstadl überhaupt richtig losgehen konnte.

Was blieb, ist das Don in Don Bonns Künstlername. Schon vorher hatten er und ein paar seiner Mitschüler, darunter auch Klaukien als Drummer, die Band One Tribe gegründet, die später vor allem international Erfolge feierte. Don Bonn war der Leadsänger und Kopf der Band.

"Wir haben in einem Keller einfach so mal angefangen Musik zu machen", erinnert er sich. Das sei 1987 gewesen und schon damals war die Musikrichtung klar: Reggae. Die Gruppe war mit Bob Marleys Band "The Wailers" auf Tour, sie traten auf großen Festivals auf und wurden im Lokalradio mit dem Titel "Hey Mr. Bond" gespielt.

Auf Aruba habe die Band zweieinhalb Wochen Zeit gehabt, das Leben eines Popstars auszuprobieren. "Wir traten auf dem World Youth Festival 1997 auf", sagt Don Bonn. "Wir hatten Pressetermine und spielten vor einem riesigen Publikum." Aber diese Zeit sei eben auch sehr fremdbestimmt gewesen. "Das ist eigentlich nichts für mich."

Ob dieser Erfahrung ist Don Bonn auch nicht unglücklich darüber, dass der musikalische Durchbruch in Deutschland ausblieb. Oft sei One Tribe zwar kurz davor gewesen, aber letztendlich habe es dann doch nicht mit einer hohen Platzierung in den Charts geklappt. 2005 löste sich die Band auf.

Danach war er solo unterwegs. Unter anderem probierte der gebürtige Bonner aus, wie Reggae auf Deutsch klingt. Auch mit dem aktuellen Chartstürmer Maxim ("Meine Soldaten") arbeitete der Künstler für die Single "Kummer" zusammen. Zu hören ist der Ausflug auf seinem Album "Meine Sachen". 2008 ging er zum letzten Mal auf Tour.

Im Nachhinein glichen die 16 Auftritte einem Höllenritt. Denn der Sänger litt unter einer chronischen Mandelentzündung und stand teilweise mit Fieber auf der Bühne. Im Anschluss wurden die Mandeln entfernt, und Don Bonn musste neu lernen zu singen.

Heute sieht er sich als Veteran der Szene und ist froh als Sounddesigner für Film und TV hauptberuflich auf einer sicheren Basis zu stehen. Auch wegen seiner dreijährigen Tochter. Wegen ihr hat der Musiker Auftritte an Wochenenden auf ein absolutes Minimum heruntergefahren. Einzig eine kleine Tour über sechs Wochen ist für kommendes Jahr angedacht. "Ich weiß, was ich will und was nicht. Und als Vater weiß ich, was ich liefern kann", kommentiert Don Bonn die Entscheidung.

Für das kommende Album singt der 38-Jährige aber wieder auf Englisch. "Die Musik klingt für mich so einfach besser", sagt er. Deutsche Sprache sei schwerer zu texten, bis die Lieder schön klingen und eine gute Aussage haben. "Gerade Liebeslieder bekommen schneller einen Schlagergeruch als im Englischen."

Die Tatort-Single sei für ein neues Reggae-Album nun ein guter Start gewesen. Darauf wird er sowohl die Lovesong-Sparte bedienen als auch gesellschaftskritisch sein - aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. "Mir ist das ganz wichtig, dass auf meinem Album auch Lieder sind, über die die Menschen nachdenken. Ich möchte etwas tun. Ich will helfen, Dinge im Rahmen meiner Möglichkeiten zu verbessern.", sagt Don Bonn. "Musik gibt mir die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Und ich habe etwas zu sagen." Wann genau das Album erscheinen soll, ist noch nicht klar. Grob plant er eine Veröffentlichung spätestens in einem Dreivierteljahr.