Hallenbad in Königswinter

Rat votiert für Neubau des Hallenbads

Königswinter. Mit zwei Stimmen Mehrheit hat sich der Stadtrat Königswinter auf seiner Sitzung am Montagabend in einer geheimen Abstimmung für einen Abriss des alten Lemmerzhallenbades und einen anschließenden Neubau an selber Stelle ausgesprochen.

Am Ende waren die Reihen der Koalition fest geschlossen: Mit 26 zu 24 Stimmen votierte der Stadtrat Königswinter am Montagabend in geheimer Abstimmung für einen Neubau des Lemmerzhallenbades an der selben Stelle, an der das heutige Bad steht. Damit stimmten alle anwesenden Koalitionäre für den Neubau. Vorausgegangen war eine lange Debatte, in der noch einmal alle Vor- und Nachteile eines Neubaus versus einer Kernsanierung ausgetauscht und die unterschiedlichen Auffassungen von Koalition und Opposition deutlich wurden. Der Förderverein „Rettet unsere Lemmerzbäder“ wollte im Anschluss an die Sitzung beraten, ob man erneut ein Bürgerbegehren mit dem Ziel einer Sanierung anstreben will.

„Ich glaube nicht, dass sich noch etwas ändern wird, auch wenn wir hier noch zwei Stunden weiter diskutieren“, leitete Bürgermeister Peter Wirtz schließlich die letzte Runde der Wortmeldungen ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Thema bereits fast zwei Stunden im Mittelpunkt der Diskussionen gestanden – zunächst in der Einwohnerfragestunde und anschließend in den Beratungen der Politiker.

Dabei wurde deutlich, dass keine Seite in der Lage sein würde, die andere zu überzeugen. Auch die Aussagen von Heinrich Blass, der als Architekt beide Varianten unter die Lupe genommen hatte und der gestern Abend der Politik erneut Rede und Antwort stand, konnten da nicht zum Brückenschlag beitragen – zum einen wirkten dessen Beiträge teilweise ambivalent, zum anderen hörte auch jede Seite aus den Statements nur das heraus, was die jeweilige Position zu unterstützen schien.

Nachteile der Sanierung

So fragte SPD-Chef Jürgen Kusserow den Experten, ob er eine Sanierung auch als „faulen Kompromiss“ betrachte, wie die CDU diese Variante genannt hatte. „Ein fauler Kompromiss war nicht mein Auftrag“, so Blass. Er habe realistische Kostenschätzungen erstellt. Allerdings bringe die Sanierung Nachteile bei der städtebaulichen Situation und der Barrierefreiheit mit sich. Das wiederum sah Köwi-Fraktionschef Lutz Wagner etwas anders. Der städtebauliche Vorteil sei nicht wirklich erkennbar, natürlich sei eine Optimierung des Raumkonzepts ein „nice to have“, die Frage sei allerdings, ob einem dies zwei Millionen Euro wert sei. „Das können wir uns in unserer finanziellen Situation nicht leisten.“

Josef Griese, Fraktionschef der CDU, hingegen verwies darauf, dass die Sanierung verschiedene Unwägbarkeiten wie beim Brandschutz mit sich bringe, die Gewährleistung schwieriger zu verhandeln sei und eine echte Barrierefreiheit nicht erreicht werden könne. „Es ist nicht hinnehmbar, dass wir Menschen ausschließen.“ Zudem sei es geradezu absurd, das Dach eines Bades extra zu dämmen, um den Verlust, den man durch einen nicht zu dämmenden Boden bei einer Sanierung verlöre, wett zu machen.

Kusserow verwies seinerseits darauf, dass auch bei einem sanierten Bad die Barrierefreiheit den Richtlinien entspreche. Und auf zahlreiche Projekte wie die Digitalisierung des Schulzentrums oder das neue Feuerwehrgerätehaus, die ebenfalls große Investitionen erforderten. Eine Kerbe, in die auch Andreas Danne (Linke) hieb. „Wir haben auch noch ein Freibad mit erheblichem Sanierungsstau.“ Auch er bezweifelte, dass es bei einer Kernsanierung nicht möglich sei, Barrierefreiheit herzustellen.

Bürgerinitiative kündigt Reaktion am Dienstag an

Roman Limbach (CDU) warnte vor dem Restrisiko, dass der bei einer Sanierung zu erhaltende Beton darstelle,  Bernd Schlegel (FDP) betonte, dass auf Dauer die Betriebskosten bei einer Sanierung erheblich höher lägen, da die Beheizung der ungedämmten Becken deutliche Mehrkosten produzieren würde – ein Einwurf, den Experte Blass zwar bejahte, ohne ihn allerdings mit Zahlen untermauern zu können, da die Betriebskosten nicht Bestandteil seines Auftrages gewesen seien.

Eine Gegenstimme aus den Reihen der Koalition hätte der Opposition am Ende bei der Abstimmung gereicht, um den Beschluss für einen Neubau zu kippen – doch die Koalitionäre stimmten geschlossen. Wie sich die Bürgerinitiative, die immer für eine Sanierung plädiert hat, nun verhalten wird, will sie am Dienstag mitteilen.