Inobhutnahmestation

Probsthof in Königswinter eröffnet neue Gruppe

Freuen sich über die frisch renovierten Räume (v.l.): Christina Käsbach, Anne Emmel, Sandra Schwanke und Svenja Schmelzer.

Freuen sich über die frisch renovierten Räume (v.l.): Christina Käsbach, Anne Emmel, Sandra Schwanke und Svenja Schmelzer.

Königswinter. Im Dezember können die ersten Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 14 Jahren in der Inobhutnahmestation aufgenommen werden. Der Bedarf ist trotz der sieben neuen Plätze in der Region laut Koordinatorin Christina Käsbach trotzdem nicht gedeckt.

Die Zimmer, Türen und selbst die Küche in der gerade eingeweihten Inobhutnahmestation des Probsthofes strahlen in allen erdenklichen Farbtönen. Es wirkt, als hätten die Mitarbeiter hier mit besonders viel Liebe und Sorgfalt alles ausgewählt und eingerichtet – als wollten sie so dem Schicksal ein Stück weit entgegenwirken, mit dem die Kinder und Jugendlichen hier ankommen. Klar ist für die Koordinatorin der Inobhutnahme, Christina Käsbach: „Für das evangelische Kinder- und Jugendheim Probsthof beginnt eine neue Ära.“

Denn trotz fünf bereits bestehender Plätze für eine Inobhutnahme von Sechs- bis 14-Jährigen, ist der Bedarf laut Käsbach auch mit der neuen Gruppe mit sieben Zimmern künftig nicht gedeckt. „In der Region haben wir immer wieder festgestellt, dass es an Plätzen fehlt, aber kein entsprechendes Angebot besteht.“ Man arbeite mit Jugendämtern von Köln bis Koblenz für die Unterbringung zusammen.

Gemeinsam mit Geschäftsführer und Einrichtungsleiter Holger Glas entwickelten sie im Team ein neues Konzept und können nun, nach jahrelanger Planung und zehnmonatigem Umbau sieben neue Plätze anbieten. Die ersten Kinder werden im Dezember aufgenommen, wenn es entsprechende Geschwisterkonstellationen gibt, könne das Alter teilweise abweichen.

Sieben Zimmer auf 300 Quadratmetern

Auf insgesamt 300 Quadratmetern sind sieben Zimmer, mehrere Badezimmer, ein Gemeinschaftsraum und eine offene Küche mit Essbereich in der ersten Etage des Haupthauses entstanden. Jedes Zimmer bekam dabei ein individuelles Farbkonzept. Wer also den Raum mit roter Tür beziehen darf, erhält immer auch rotes Bettzeug und Handtücher. Natürlich steht in jedem Raum ein Bett, ein großer Schrank und ein Schreibtisch – einige Zimmer haben sogar einen eigenen Balkon. Der letzte Raum des Gangs auf der rechten Seite ist geräumiger, hat ein eigenes Badezimmer und es finden sich zwei Betten darin.

„Das ist unser sogenanntes 'sieben-plus-eins-Konzept'. Bei Bedarf können also sogar acht Kinder aufgenommen werden“, sagt Glas. Bei einer Inobhutnahme soll Kindern und Jugendlichen in Krisensituationen ein Raum geboten werden, in dem sie zur Ruhe kommen können und sich so wohl wie möglich fühlen. Der Grund für eine Inobhutnahme ist in erster Linie, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Dies zeigt sich in Unterversorgung, sei es bei der Nahrung oder der Pflege, aber auch durch Gewalt im Elternhaus oder durch sexuellen Missbrauch.

Krisen beheben und Perspektiven klären

„Es ist eine vorläufige Unterbringung von Minderjährigen durch das Jugendamt. Der Leitgedanke aller unserer Handlungen ist die Behebung akuter Krisen und die Klärung von Perspektiven unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes“, erklärt Bereichsleiterin Heike Hebebrand. Gemeinsam mit Christina Käsbach war sie maßgeblich an der Planung und der anschließenden Umsetzung der neuen Gruppe beteiligt.

„Wir freuen uns sehr über diese neuen Kapazitäten. Bisher hatten oftmals keine Möglichkeit, die Mädchen und Jungen aufzunehmen“, so Käsbach. Doch selbst nach der Eröffnung, schätzt sie, dass die Anfragen weiterhin rund um das vierfache höher sind als entsprechende Kapazitäten. Insgesamt elf neue Arbeitsplätze entstanden durch das neue Angebot im Probsthof. Doch bisher hat die Einrichtung noch nicht alle Fachkräfte zusammen.

Den Kindern wird in den neuen Räumlichkeiten künftig vor allem eine geregelte Tagesstruktur nahegebracht. In enger Zusammenarbeit mit den Schulen, Kindergärten und Familien wird dann überprüft, wie lange sie vor Ort bleiben.

350.000 Euro investiert

„Pauschal kann man sagen, je jünger die Kinder sind, desto länger bleiben sie bei uns“, erklärt Käsbach. Wenn auch die Inobhutnahme eine kurzfristig angelegte Maßnahme ist, bleiben Kinder teilweise bis zu einem Jahr. Dank der investierten 350.000 Euro, finanziert aus Rücklagen und dem laufenden Geschäft des Kinder- und Jugendheims, ist dieser Schutz zumindest in einem geordneten und schönen Umfeld möglich. „Ich sehe die Eröffnung als Meilenstein unseres Hauses und hoffe, dass wir hier ein kleines Nest zum Wohlfühlen schaffen konnten“, fasst es Geschäftsführer Glas zusammen.

Weitere Infos über den Probsthof sowie die offenen Stellen bekommt man unter 0 22 23/70 30 oder info@der-probsthof.de