Ausstellung im Willy-Brandt-Forum in Unkel

Pop Art trifft Uncle Sam und Joschka Fischer

Zeigt Neo Pop Art in Unkel: Malte Sonnenfeld alias Michael Koslar im Willy-Brandt-Forum.

Zeigt Neo Pop Art in Unkel: Malte Sonnenfeld alias Michael Koslar im Willy-Brandt-Forum.

UNKEL. Malte Sonnenfeld alias Michael Koslar zeigt seine Arbeiten bis Ende September im Willy-Brandt-Forum in Unkel.

„Gehört Malte Sonnenfeld mit seiner Neo Pop Art hierher?“, fragte Christoph Charlier, der Vorsitzende der Willy-Brandt-Bürgerstiftung, die zahlreichen Besucher der Vernissage „Pop Art trifft Politik(er)“. Auf den ersten Blick reihen sich die Acryl-Unikate des Kölners durchaus in Arbeiten dieser Kunstrichtung ein. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich, „dass sich Sonnenfeld nur der umfangreichen Grammatik der Pop-Art bedient“, so Charlier im Willy-Brandt-Forum (WBF).

Der Künstler beherrsche das Spiel mit Schein und Sein sowie mit der Doppeldeutigkeit perfekt. Malte Sonnenfeld ist der Künstlername von Michael Koslar, Schauspieler, TV-Moderator und Stimme der Vox-Fernsehsendung „4 Hochzeiten und eine Traumreise“. „In meinen Bildern beschäftige ich mich mit Geschichte, politischen und kulturellen Ereignissen, vor allem mit jenen, die ich erlebt habe“, erklärte der Künstler.

Damit setzt er Wissen voraus und geht so über die klassische Pop Art hinaus, die ohne jegliche Kenntnis etwa von Mythen und Legenden jedem verständlich ist. Allerdings fügt Sonnenfeld seinen Arbeiten emblematische Wortbotschaften hinzu, die als Code zur Entschlüsselung dienen. Der wäre bei dem großen Willy-Brandt-Bild mit Burgunder-Glas, doppeldeutig mit „Ein guter Roter“ bezeichnet, nicht nötig.

Dagegen hilft das Wortspiel „Christian wurde Klar, dass er Zeitgeschichte war“ nur, wenn man den Namen des RAF-Terroristen kennt, der an den meisten Anschlägen zwischen 1977 und 1982 beteiligt war. Und auch der Text von „Beate“, die es an der Zeit fand „mal wieder ein Paar Ohrfeigen zu verteilen“, hilft nur denjenigen weiter, die auf dem Bild den Bundeskanzler der Großen Koalition, Kurt-Georg Kiesinger, erkennen. Dem hatte die Journalistin Beate Klarsfeld auf dem CDU-Parteitag Anfang November 1968 ins Gesicht geschlagen, um auf seine Nazi-Vergangenheit hinzuweisen.

Voller Spott widmet sich der Künstler dem Thema wirtschaftlicher Aktivitäten ehemaliger Politiker, indem er etwa Ex-Außenminister Joschka Fischer einen rosaroten BMW-Isetta-Motor als Herzschrittmacher implantiert, mit dem „Herr F. jetzt weiter als jemals zuvor“ kommt.

Dabei geht die grüne Raute als Zeichen des früheren Vorzeige-Grünen in den blauen Rauten des Freistaates Bayern unter. „Weitere Arbeiten des Künstlers, auf den uns Ellen und Jochen Seidel aufmerksam gemacht haben, kann man während der von ihnen organisierten Kunsttage am 3./4. September am Stand des Willy-Brandt-Forums vor dem Freiligrathaus sehen“, sagte Charlier.

Die Ausstellung „Pop Art trifft Politik(er)“ ist am Willy-Brandt-Platz 5 in Unkel bis Ende September dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.