Interview mit Christina Gelhaar

Pfarrerin aus Königswinter zieht es nach Lissabon

Pfarrerin Christina Gelhaar wird das Siebengebirge vermissen.

Pfarrerin Christina Gelhaar wird das Siebengebirge vermissen.

Königswinter. Christina Gelhaar übernimmt zum 1. September eine Pfarrstelle der Deutschen Evangelischen Kirche in Portugal. Der Umzug wird auch für ihre drei Töchter eine Herausforderung.

Mit einem Gottesdienst in der Christuskirche wird Pfarrerin Christina Gelhaar am 11. August in Königswinter verabschiedet. Kurz darauf fahren die Umzugswagen am Pfarrhaus in Ittenbach vor. Zum 1. September tritt Gelhaar die Pfarrstelle der Deutschen Evangelischen Kirche in Lissabon an. Mit der 42-Jährigen sprach .

Ihre Ankündigung, Königswinter nach rund dreieinhalb Jahren bereits wieder zu verlassen, haben einige Gemeindemitglieder mit einem Erdbeben verglichen. Haben Sie die Reaktionen überrascht?

Christina Gelhaar: Die Möglichkeit, nach Lissabon zu gehen, kam für mich selbst wie aus heiterem Himmel. Ich habe dort vor zwölf Jahren ein Sondervikariat absolviert, seitdem war es ein Traum von mir, dorthin zurückzukehren. Als die Pfarrstelle vorzeitig ausgeschrieben wurde, habe ich lange mit mir gerungen, ob ich mich bewerben soll. Als die Wahl dann auf mich fiel und ich die Gemeinde informierte, war das für viele ein Schlag. Ich bedaure es sehr, dass sich einige verletzt und vor den Kopf gestoßen fühlen. Andere wiederum zeigen großes Verständnis für meinen Schritt.

Wie hat Ihre Familie reagiert?

Gelhaar: Die Entscheidung, mich zu bewerben, haben mein Mann und ich gemeinsam getroffen. Wir haben viel darüber nachgedacht, welcher Weg der richtige ist. Mein Mann hat in Lissabon während des Studiums ein Auslandsjahr absolviert und ist seitdem begeistert von der Stadt. Er wird dort seine Tätigkeit in der Erwachsenenbildung im Homeoffice fortsetzen können, was natürlich ein großer Vorteil ist.

Und Ihre drei Töchter?

Gelhaar: Die Mittlere hat es so zusammengefasst: Zu 90 Prozent freue ich mich, zu zehn Prozent bin ich traurig. Einerseits finden die Kinder es spannend und freuen sich auf die neue Umgebung, andererseits sind sie traurig, ihre Freunde zurücklassen zu müssen. Mein Mann und ich haben die Osterferien genutzt, um ihnen ihr neues Zuhause zu zeigen: das Pfarrhaus mit ihren Kinderzimmern und die Deutsche Schule, die sie besuchen werden. Die Mädchen werden einen großen Teil ihrer Kindheit dort verbringen, denn meine Stelle ist für sechs Jahre ausgeschrieben mit der Option, einmal um weitere drei Jahre zu verlängern. Für sie wird sicher das erste Jahr in Portugal eine Herausforderung, aber ich bin sicher, am Ende werden sie viel gewinnen.

Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit in Königswinter mit?

Gelhaar: Die Erfahrung, dass vieles möglich ist. Königswinter war meine erste eigene Gemeinde, rund anderthalb Jahre war ich auch Vorsitzende des Presbyteriums. Ich bin angesprochen worden, ob Schwierigkeiten in der Gemeinde ein Grund waren, fortzugehen. Und ich kann nur sagen: Nein, ich habe mich hier eigentlich immer sehr wohl gefühlt. Diese Gemeinde ist sehr aktiv und engagiert. Ich konnte viele Ideen einbringen, etwa in den Schulgottesdiensten. Die Begeisterung der Kinder dabei werde ich vermissen, denn in Portugal gibt es keine Schulgottesdienste. Dafür werde ich in der Schule Religion unterrichten: Für mich eine völlig neue Erfahrung.

Und was lassen Sie zurück?

Gelhaar: Viel. Unsere Großfamilie natürlich, Freunde, die Gemeinde. Auch ein Stück weit eine Art Heimatgefühl: Ich komme ja selbst aus Meckenheim, habe jetzt hier in Ittenbach gewohnt. Das Siebengebirge, der Anblick des Oelbergs – das nicht mehr zu sehen, macht mich schon etwas wehmütig.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Gelhaar: Als mein Mann und ich im Februar zur Vorstellung in Lissabon waren, fühlte es sich richtig an, da zu sein. Lissabon war für mich immer ein Sehnsuchtsort. Aus meinem Vikariat kenne ich noch einige der Gemeindemitglieder: Auf dieses Wiedersehen und auf die Zusammenarbeit freue ich mich. Es ist eine Aufgabe, die ich mit Respekt und Freude annehme.